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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-05-20 · 21 (20.5.1904) · p. Seite 295

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
21 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
Seite 295 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 21. Israelitische Wochenschrift. Seile 295. Vorsitzenden Frau Jda Bernstein nahm Herr Dr. Zlocisti das Wort zu einem Vortrag „Geist der jüdischen Sittenlehre", dem die Anwesenden aufmerksam folgten. Später folgte eine Ansprache des Gründers des Vereins, Herrn Emil Bernstein. Herr Zickel toastete auf_Iden Vorstand. Von den Vorträgen sind die besonders guten Leistungen der Damen Frl. Salinger undA Löwenstein, sowie der Herren Grün, Sally Grochowsky und' Leopold Neustadt hervorzuheben. Magdeburg, 15. Mai. (Vom Gemeinde-Verband.) Der Synagogengemeinde-Verband der Provinz Sachsen hat nach seinem eben erstatteten Bericht im vergangenen Jahr an sechs Orten 36 jüdische^Kinder in der Diaspora religionsunterrichtlich^versorgt. Waris, 12. Mai. (Sitzung der Alliance.) In der letzten Sitzung des Zentral-Komitees der Alliance wurde bewilligt: 1. Eine Summe von 5 000 Frs. für die Israeliten von Stat (Marokko), die sich^infolge der Dezember-Unruhen nach Kasablanca geflüchtet haben. 2. Zur Gründung einer Darlehnskasse in der Gemeinde Bakau (Rumänien), die sich ihrerseits zu dem gleichen Beitrag^verpslichtet hat, 2 000 Frs. 3. Das Komitee beschloß, die Domäne La Reghaia', 30 km von Algier entfernt, zu erwerben, um dort Zöglinge der Ackerbauschulen der Alliance, namentlich aus der Ackerbauschule von Djedeida, ansässig zu machen. Die Domäne umfaßt 1780 ha. St. Petersburg, 15. Mai. (Eine jüdische Kolonie in Brasilien.) Das russische Zentralkomitee der I. C. A. berichtet interessante Einzelheiten von der ersten jüdischen Kolonie in Brasilien. Die I. C. A. hat dort jedem Kolonisten 25 Hektar Land gegeben, dazu eine Kuh, zwei Pferde, zwei Ochsen und ein kleines Häuschen. Die Ansiedler müssen ihre Stall- und Wirtschaftsgebäude selbst aufbauen, bekommen aber das dazu erforderliche Holz aus den benachbarten Wäldern geliefert. Für die ersten Ansiedler ist das Land vorher auf Kosten der I. C. A. urbar gemacht worden, von den künftigen wird erwartet, daß sie diese Arbeit selbst leisten werden. Die I. C. A. hofft, in Brasilien mit der Zeit ein bedeutendes jüdisches Zentrum zu begründen, daß einer großen Anzahl von Auswanderern, und nicht nur landwirtschaftlichen Arbeitern, ein umfangreiches Betätigungsgebiet^liefern soll. Konftanlinopef, 12. Mai. (Jussuf Effendi Krieger.) Nach kurzer Krankheit ist einer der vornehmsten jüdischen Beamten des ottomanischen Reichs im Alter von 66 Jahren gestorben. Exzellenz Jussuf Effendi Krieger war von Geburt Ungar und hat sich schon in seiner Heimat, später in der Türkei, wohin er zu Beginn des Krimkrieges übergesiedelt war, mit großem Eifer des Studiums der modernen orientalischen Sprachen befleißigt. Er bewies so große Intelligenz und Tüchtigkeit, daß er schon in verhältnismäßig jungen Jahren eine Anstellung bei der türkischen Regierung erhielt, zuerst in Smyrna, später in Jerusalem, wo er dem Gouverneur als Sekretär und Dolmetscher beigegeben wurde. In dieser Stellung hat er sich sehr ausgezeichnet und große Beliebtheit erworben. Seine glänzenden Sprachkenntniffe — er sprach deutsch, englisch, italienisch, ungarisch, türkisch, arabisch und persisch mit gleicher Gewandtheit —, seine elegante äußere Erscheinung und seine liebenswürdigen Umgangsformen machten ihn -zur geeignetsten Persönlichkeit beim Empfang fremder Souveräne, die seinerzeit die heilige Stadt besuchten. Zwanzig Jahre lang hatte Jussuf Effendi seine Stellung inne, die ihm auch Gelegenheit geboten hatte, sich eifrig für seine Glaubensgenossen und deren öffentlichen Angelegenheiten zu interessieren und das Studium des Hebräischen, in dem er ein großer Gelehrter gewesen, zu fördern, als er im Jahr 1882 infolge von Jntriguen nach Konstantinopel zurückberufen wurde. In jener Zeit hatten protestantische Missionäre sich in Jerusalem eifrig mit Judenbekehrungen beschäftigt, und Jussuf Effendi hatte mit allen Kräften diese Tätigkeit bekämpft. Als der amerikanische Gesandte bei der Pforte, Mr. Wallace, Jerusalem besuchte, war Jussuf Effendi mit seinem Empfang beauftragt worden und auf bie Einbläsereien der Missionare und einiger christlicher Notablen wurden ihm vom Gouverneur verschiedene Formfehler zum Vorwurf gemacht, wurde seine Entlassung beantragt und verfügt. In Konstantinopel nahmen sich jüdische Freunde in hohen Staatsstellungen des Gemaßregelten an, und nach wenigen Monaten erhielt er die Stelle als Direktor der politischen Angelegenheiten bei der Regierung in Salonichi — ein höherer Posten als der in Jerusalem — nach zehnjähriger Amtstätigkeit kam er in dasselbe Amt nach Rhodus, und 1900 ging er nach Konstantinopel zurück, wo er Mitglied der Jnspektionskommission des Unterrichtsministeriums wurde und Delegierter dieses Ministeriums beim Post- und Telegraphen-Ministerium. In diesen Aemtern wirkte er bis zu seinem Hinscheiden. Der Beerdigung wohnten der Großrabbi der Türkei, der Unterrichtsminister und Abordnungen zahlreicher jüdischer Gemeinden bei. Unter den dreißig Orden, die dem Sarg nachgetragen wurden, befinden sich die vornehmsten türkischen Auszeichnungen und viele hohe Orden europäischer Höfe. Der Sultan hat der Familie des Verstorbenen sein Beileid aussprechen lassen und als Zeichen der Anerkennung für vierzigjährige treue Dienste durch ein Jrade die Aemter Jussuf Effendis auf dessen ältesten Sohn übertragen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen Eine Summe von 50 000 Mark hat das Ehepaar Julius und Betti Joelsohn der Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin gewidmet. — Am letzten Sonntag haben die Vorstandswahlen in den Londoner Synagogen unter ziemlich geringer Beteiligung stattgefunden. — Brigadier Eduard Ritter von Schweitzer ist zum Generalmajor der öster-- reichischen Armee befördert worden. — Das Zentralkomitee der Alliance Jsraslite in Paris hat für die bei den antisemitischen Unruhen in Lompalanka geschädigten Juden 2500 Francs abgesandt. — In Konstantinopel starb das Mitglied der Zentralkonsistoriums der Juden in der Türkei Moise Avigdor. Er war der Sohn eines berühmten Rabbis und bekleidete ein hohes Amt in der Verwaltung der Kaiserlichen Marine. Feuilleton. Ein Irniifiilftifn. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) „Ich komme als Vorreiter für meine Herrschaft. Herr Stahl und das Fräulein reisen direkt nach Grünberg und nehmen bei Herrn Dr. Stahl Quartier. Robinsohn sprang auf. „Wann?! Wann?" „Freitag". Der Justiz-Kommissarius lief erregt auf und ab. „Mensch, das ist ja eine Freudenbotschaft!" „Ja, das sagen Sie nun, Herr Doktor. Sie heiraten, und ich habe die Wirtschaft davon. Und die Frau Doktorin, die versteht, einem Beine zu machen mit Hin- und Herschicken und Besorgen."

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