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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-04-29 · 18 (29.4.1904) · p. Seite 253

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Israelitische Wochenschrift. Seite 263 noch verödeten Boden Palästinas solches zu leisten vermochten, so ist dies ein unwiderlegliches Zeugnis für die Unverwüstlichkeit unseres Stammes, " für die Ewigkeit des jüdischen Volkstums. Denn, ruft der Redner mit Pathos aus: „Die Bauern von heute sind die Parias von gestern." Redner gibt dann genauere Daten über den Beginn sowie den heutigen Stand der Kolonisation, ferner genauere Zahlen über den Handel Palästinas, der sich in den wenigen Jahren der Kolonisationsbewegung verdreifacht hat und hebt besonders die Verdienste derjenigen hervor, die das Kolonisationswerk zum Teil begründen, zum Teil zu seiner heutigen Bedeutung sich vervollkommnen halfen. An erster Stelle stehen hier neben dem Baron Edmound Rothschild in Paris die Chowewe Zion in Rußland und Deutschland, sowie die „Jca". Die Ausstellung in Wien hat denn auch dazu beigetragen, die Exportfähigkeit der jüdischen Kolonisation, speziell in den bisher in Betracht kommenden Artikeln, Weine und Kognaks, dem großen Publikum vor Augen zu führen. Sie hat aber auch gezeigt, daß die Pflege der jüdischen Zusammengehörigkeit ohne Rücksicht auf „Ost" oder „West" für die allgemeinen Interessen nur von Vorteil sein kann. Darum, so schließt der Redner, ist es auch unsere Pflicht, an dem großen Werk der Kolonisation Palästinas mitzuarbeiten und zu dessen Ausbreitung beizutragen. Der Vortrag, der mit sichtlichem Interesse angehört wurde, fand bei allen Zuhörern ungeteilten Beifall. Rach dem Vortragenden ergriff Herr Dr. Kahn das Wort, der den soeben gehörten Ausführungen in allen-Punkten zustimmte. Besonderes Gewicht wollte Dr. Kahn jedoch darauf gelegt wissen, daß neben den Geldmitteln, die die Kolonisation erfordert, auch politische Freiheiten für dieselbe notwendig sind, damit wir, wie es im Tischgebet heißt, als aufrechte Männer und nicht als geduldete das Land unserer Väter bearbeiten. Die Schlußrede hielt Herr Präsident Dr. Alfred Stern, der die Ausstellung auch eröffnet hatte. Herr Dr. Stern dankte zunächst den Veranstaltern der Ausstellung für das glänzend gelungene Arrangement, sowie für das Interessante, das die Ausstellung geboten hat; des ferneren dankte Redner den Damen und Herren der Ehrenkomitees, die durch ihre aufopferungsvolle Tätigkeit und ihren unermüdlichen Pflichteifer den eigentlichen Erfolg der Ausstellung herbeigeführt haben. Wie wir unsere Bibelvorlesungen schließen mit den Worten „Sei stark", so schloß der Präsident die Ausstellung, indem er aufforderte, stark zu sein, daß jeder nach seinen Kräften und an seinem Platz für die Interessen des jüdischen Volkes eintrete. Eine solenne Bewirtung hielt die Anwesenden noch längere Zeit beisammen. London, 34. April. (Schenkung für das jüdische Altenheim.) Der Aufruf des Rabbiners Jsaac Samuel um Spenden für einen Neubau des jüdischen Altenheims hat offene Herzen gefunden. Lord Wandsworth hat in der Nähe seines Schlosses Wandsworth ein prächtiges Grundstück erworben und dem Verein „Jüdisches Altenheim" zum Geschenk gemacht, zum Gedächtnis seiner verstorbenen Eltern Baron und Baronin von Stern. Das neue Gebäude, mit allem modernen Komfort ausgestattet, mit elektrischer Beleuchtung versehen und allen Anforderungen der Hygiene genügend, liegt in der Nähe der jüdischen Taubstummenanstalt, deren Präsident ein Bruder des großmütigen Spenders ist, Mr. Edward D. Stern. Ein großer Garten mit schattigen Alleen, reichen Blumenbeeten und einer Abteilung für Gemüsebau umgibt das schöne, erst vor wenigen Jahren für 30 000 L. St. erbaute Haus und gibt den rüstigeren Insassen Gelegenheit, sich durch Pflege der Blumen eine angenehme Zerstreuung zu verschaffen. Das neue Altenheim ist mit verschiedenen Eisenbahnlinien und mit elektrischen Straßenbahnen von London aus bequem zu erreichen. Mölin, 24. April. (Die antisemitischen Hetzreden in Limerick.) Der Missionsverein der Kirche von Irland hat in einer am Dienstag hier stattgehabten Versammlung energisch gegen die Hetzereien von Limerick protestiert. Unter den Rednern befanden sich der Dekan von Raphoe und andere hervorragende Geistliche. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die Versammlung protestiert auf das kräftigste gegen die unchristlichen Aeußerungen, die Mr. Creagh vom Redemptoristenorden gegen die Juden in Limerick getan hat; sie erklärt einen großen Teil seiner Aeußerungen für ebenso unzutreffend wie höchst unbarmherzig; sie beklagt die Unzufriedenheit und Bigotterie, die solche Worte unvermeidlich in der Limericker Bevölkerung Hervorrufen mußten; sie spricht den Limericker Juden ihre herzlichste Sympathie aus mit ihrer traurigen Lage, nachdem es soweit gekommen ist, daß sie sogar der täglichen Subsistenzmittel beraubt sind, und gibt ihnen die Versicherung, daß der Missionsverein der Kirche von Irland darauf vorbereitet ist, alles ihm irgend mögliche zur Linderung ihrer gegenwärtigen Leiden zu tun; sie dankt dem „Daily Expreß" und der „Evening Mail" für ihre mutige Verteidigung der Verfolgten; sie gibt ferner der ernsten Hoffnung Ausdruck, daß diese Verteidigung alle Freunde religiöser Toleranz,! römisch-katholische oder protestantische, darin vereinigen wird, I diesen bigotten Antisemitismus zu verurteilen, und die irische Regierung zu ihrem Pflichtbewußtsein gegenüber den weniger mächtigen Bürgern des Staates zurückzuführen." Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Im Israelitischen Fortbildungsverein Montefiore in Berlin, Dircksenstr. 46, hält jeden Dienstag Abend 9—10 Herr Dr. Ed. Biberfeld Vortrag über Mischnajoth, Traktat „Baba Kama", jeden Samstag Nachmittag 4—5 Herr Rabb. Dr. E. M u n k über Haftoroth. — Die kleine jüdische Gemeinde Pezrel in Ungarn hat beschlossen, ihre 200 Jahre alte baufällige Synagoge umzubauen. Der Distriktsbischof Dr. Smreczanyi und Graf Czaky haben je 400 Kronen zum Neubau beigesteuert. — Die jüdische Gemeinde zu Antwerpen hat für die neugeschaffene zweite Rabbinerstelle den Rabbiner Dr. Wiener aus Pfalzburg in Lothringen gewählt. Der gleichfalls zur engeren Wahl zugelaffene Rabbiner Felix Meyer aus Valenciennes hat drei Stimmen weniger erhalten. — Baron Edmond von Rothschild hat dem jüdischen Lehrerseminar in Paris die Mittel zur Besetzung eines neuen Lehrstuhls zur Verfügung gestellt; das neue Lehramt ist dem ausgezeichneten Orientalisten Joseph Halövy übertragen worden. — Das jüdische Krankenhaus in Cincinnati hat größere Terrains erworben, um darauf ein Kinderkrankenhaus und ein Schwesternheim zu erbauen. Der Bau ist auf 100 000 Dollars veranschlagt. — Bor einem gewissen Kolomaru, der angeblich für das jüdische Hospital in Hebron sammelt, wird gewarnt. Auf Anfrage in Hebron hat der Ober-Rabbiner Medini mitgeteilt, daß die jüdische Gemeinde Hebron keinen Delegierten zur Sammlung von Beiträgen für das Hospital bestellt hat. Vakanzen. Krefeld. Rabbiner. Meld. an Herrn I. Rüdenberg. — Salmünster. Rel.-L. u. K., 850 M. Geh., fr. W. Meld. an Herrn Dr. Bamberger in Hanau. — Orten - berg, Oberhessen. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch, 700 M. Geh., 200 M. Nebeneink. Meld. an Borst.

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