Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- Seite 239 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9605972-9656034--8805-9606056- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 17. Israelitische Wochenschrift. Seile 239. westen Berlins, Kenntnis genommen habe und im Sinne dieser Resolution weiteres veranlassen werde. — Esfolgt die Genehmigung einiger Zuwendungen: von 1500 M. an die Armenkommission seitens der Frau Pauline Zaller, geb. Lichtenstein, von 20 880 M. für das Krankenhaus seitens des Herrn I. Wachtel und die Stiftung von 2 Männerplätzen und 1 Frauenplatz in der alten Synagoge zur Freigabe für^Arme seitens des Ehepaares Maxund'Rosalie^Ozanski. Herr Max Ozanski hat außerdem testamentarisch ein Kapital von 30 000 M. bestimmt, von dessen Zinsen zunächst die Gräber der Familie erhalten werden sollen, der Rest alljährlich an arme Leute zur Verteilung zu gelangen hat. Da jedoch jetzt ein Vermögensrückgang eingetreten sei und sich außerdem ein armer Verwandter gemeldet habe, hat der Vorstand beschlossen, nur"5000 M. zu akzeptieren und deren Zinsen zur Gräbererhaltung zu verwenden. Die Versammlung schließt sich diesem Vorschläge an. — Zur Anschaffung eines Flügels für die^Aula der Mädchenschule werden 750 M. bewilligt, dagegen wird die Ausgabe für ein Harmonium in der Bethalle auf dem Friedhof in Weißensee mir 6 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Aus der Debatte über diese Vorlage sei erwähnt, daß Herr"'Drofessor Geiger den Zusatzantrag stellte, auch einen Harmoniumspieler anzustellen, um in allen Fällen, in denen seitens der Angehörigen kein Einspruch erhoben wird, die Feier mit dem Harmoniumspiel einzuleiten und zu schließen, während der Vorschlag, der von der Friedhofskommission ausgeht, nur die Harmonium-Begleitung für den Chorgesang wünschte. Scharfen Einspruch dagegen erhob Herr Loewenberg, der die Einrichtung unjüdisch nannte und daran die Frage , knüpfte, ob nun nicht bald die Anschaffung eines Trompeten- KorpsAfür den Friedhof angeregt werden würde. Ebenso sprach ^er sich^gegen die Zulassung von Friedhofsbesuchern am Sabbat und den Festtagen aus, die Herr Professor Geiger wiederum als äußerst erfreulich und menschlich pries. Der Kommissar des Vorstandes gab die Erklärung ab, daß die Friedhofskommission es mit ihrem Vorschläge zwar sehr gut gemeint habe, daß der Vorstand aber die Vorlage ohne großes Bedauern verschwinden sehen würde. Ueber den Ankauf eines Terrains von 11 Morgen in der Exerzierstraße gegenüber der III. Alterversorgungsanstalt zur Errichtung des Neubaues für das Krankenhaus referiert Herr Joseph Fränkel. Es liegt ein Kontraktentwurf vor, der seitens des Oberbürgermeisters bereits gutgeheißen ist und wonach der Preis von M. 35.— pro Dm vereinbart ist. Herr Jacoby betont, daß der verhältnismäßig niedrige Preis von der Stadt gefordert worden ist, weil sie ja andrerseits durch Unterbringung von Stadtkranken in dem neuen Haus alljährlich eine große Ersparnis haben würde. Gegen den Vorschlag des Herrn Berthold Israel, sich das Vorkaufsrecht auf noch weitere 6 Morgen für die nächsten 5 Jahre vorzubehalten, spricht sich sowohl Herr Jacoby aus, der erklärt, daß vorläufig nur 3 Morgen für die beabsichtigte Schaffung von 200 Betten*'gebraucht würden, der Platz also voraussichtlich für 100 Jahre ausreichend sei, wie auch Herr Lilienthal, der betont, daß nur die augenblickliche ungünstige Finanzlage die Stadt veranlaßt habe, das Terrain, das sie sonst zum Zweck des Krankenhauses gratis überlassen hätte, überhaupt zu verkaufen, und daß es durchaus unratsam sei, heute wegen der restlichen 6 Morgen irgendwelche Verhandlungen zu beginnen. — Herr Dr. Ignatz Cohn bedauert die weite Entfernung des Bauplatzes, die den Besuch an Sabbaten und Feiertagen für orthodoxe Angehörige der Patienten unmöglich mache, während Herr Professor Baginski die außerordentlich günstige Lage an der Peripherie gerade für ein Krankenhaus nicht genug rühmen kann, so daß man sich ohne jedes Bedauern warmen Herzens über die Lösung der Frage freuen könne. Von Herrn Professor Blaschke darauf aufmerksam gemacht, daß die Bedenken des Herrn Cohn sich speziell um das religiöse Empfinden drehten, das auch Herr Professor Baginski in der Versammlung sonst warm zu vertreten pflege, dankt dieser für das Zutrauen zu seinem religiösen Gefühl, das er aber in seiner Eigenschaft „als Arzt immer zu Hause zu lassen pflege." — Auf das laute „Bravo", das ihm von den Liberalen zugerufen wird, setzt er hinzu, daß er es auch zu Hause zu lassen pflege, wenn es sich um die Schule handelt. „Zudem", fügt er hinzu, „ist es den Patienten immer zuträglicher, wenn sie nicht soviel Besuch empfangen." Die Vorlage wird alsdann einstimmig angenommen. — Danach werden einige Neuwahlen von Mitgliedern für einige Verwaltungs-Kommissionen vorgenommen; für die Armenkommission Herr Edmund Saalfeld, für die Waisenkommission die Herren Dr. Grunwald und Dr. Prager, für die Bibliotheks-Kommission Herr Siegfried Brünn. — Von den Herren Isidor Sachs und Weinberg ist ein Antrag eingebracht, der Gemeindevorstand möge an alle Gemeindemitglieder eine Aufforderung ergehen lassen, ihre rückständigen Steuerbeträge zu entrichten, falls sie ihres Wahlrechts nicht verlustig gehen wollen. Die Herren Sachs und Weinberg begründen ihren Antrag und führen aus, daß hauptsächlich jene Mitglieder in Frage kämen, die mit einem Einkommen von 1200 M. eingeschätzt sind und auf Wunsch von der Steuerzahlung befreit werden können. Der Vorstand hätte jüngst beschlossen, diese restlichen Steuerbeträge von zusammen 4500 M. niederzuschlagen. Nun sollen nach dem Antrag die in Frage kommenden 1340 Mitglieder eine nochmalige Aufforderung mit Hinweis auf den Verlust des Wahlrechts erhalten. Herr Professor Blaschke erklärt sich prinzipiell mit dem Antrag einverstanden, jedoch mit dem Vorbehalt, daß für die diesjährige Wahl die fraglichen Mitglieder dieses Stimmrecht nicht ausüben dürfen. Es sei ziemlich fraglos, für wen diese Stimmen abgegeben werden würden, — er seinerseits wünsche von solchen Wählern, die nicht freiwillig ihren Pflichten Nachkommen, nicht gewählt zu werden — andererseits spreche dagegen ein Ministerialreskript vom Jahr 1847. Herr Lilienthal erklärt dagegen, daß dieses Ministerialreskript vom Oberverwaltungsgericht revidiert worden sei, und Herr Ignatz Cohn bringt das Amendement ein, daß die Aufforderung an alle Steuerzahler zu richten sei, die nicht bloß im letzten Quartal, sondern während der ganzen Etatsperiode rückständig geblieben sind. Darauf wird Schluß der Debatte angenommen. — Als dringliche Vorlage wird noch die Einsetzung einer Kommission zur Ordnung der Angelegenheiten der Synagoge Rykestraße, Anordnung der Plätze, Wahl des Synagogenvorstandes rc. genehmigt, die aus 2 Mitgliedern des Vorstandes, 4 Repräsentanten und je einem Mitglied der 5 Synagogenvorstände bestehen soll. Von der Versammlung werden die Herren Dr. Ignatz Cohn, Louis Sachs, Isidor Sachs und Professor Blaschke gewählt. — Zum Schluß beantragt Herr- Isidor Sachs noch, den Gemeindevorstand zu ersuchen, die bei Eröffnung der neuen Mädchenschule gehaltenen 4 Ansprachen drucken und jedem Gemeinvemitgliede ein Exemplar zugehen zu lassen. Herr Professor Baginski wünscht, daß dazu eine Einleitung geschrieben würde, die einen Ueberblick über die Entwicklung der Schule und des Neubaus gäbe. Herr Professor Geiger wünscht, daß Herr Baginski diese Einleitung verfasse, und will durch diese Veröffentlichung das Wesen und den Wert der Schule klargemacht sehen. Herr Professor Blaschke hat Bedenken, da er „als ehrlicher Mann bekennen müsse, sich nicht