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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 8. (1904) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 8. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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;*■ggs•-, 31 - baues, aus seiner Entwicklung, in welcher die Lehrweise sich ja von selbst zeigt? Er hat kein Wort darüber verloren, daß ich durch diesefünfTraktatehindurch die äußerst schwierige Frage des Zusammenhangs, also der tannaitischen lehrenden Aneinanderreihung, bis auf die geringsten rätselhaften Bestandteile in ausgiebigerer und wie ich denke einfacherer Weise behandelt habe, als dies sonst der Fall gewesen. Besonders eine Seite mußte bei Blau auf große Empfänglichkeit rechnen können. Daß ich die sonderbaren Zusammenhänge auf die einstige Ordnung nach dem Schriftverse habe erklären können. Sind wir beide doch zu gleicher Zeit darauf gekommen: Er in Königsbergers Monatsblättern, mit seiner Arbeit über Schebuoth und ich in meinem ״Zusammenhang der Mischna.“ Damit hängt zusammen, daß ich die einstige von der jetzigen ganz verschiedene Ordnung der Traktate oder Gegenstände glaube gefunden zu haben. Warum hat Blau diese Punkte nicht einmal als vorhanden erwähnt, trotzdem sie die Hälfte meiner Aufgabe, den Aufbau, betreffen? Ist das nicht die den Zeiten nach wechselnde Lehrweise der Tann alten? Also auch hier geht der Weg von den Quellen zu den geschiehtliehen Folgerungen, nicht umgekehrt. Habe ich trotzdem alle geschichtlichen Arbeiten auf talmudischem Gebiet stets freudig begrüßt, trotzdem wir noch nicht die Herkunft und Glaubwürdigkeit jedes Satzes beurteilen können, so mag man auch meine Arbeiten als möglich dulden. Mag Jeder von anderer Seite dem Ziel zustreben, nur verbanne man die Formel: Dies oder jenes kann noch nicht begonnen werden! Es wird wenig genug in talmudicis begonnen. Rezensent scheint es auch zu bemängeln, daß ich von meinen früheren Arbeiten (״Ueber den Zusammenhang der Mischna“. Zwei Bände. Trübner) ausgehe und ״oft genug“ darauf verweise. Hat er die Hinweise darauf geprüft oder überträgt er sein absprechendes Urteil auch auf meine ihm unbekannten Geisteskinder? Sie sind doch in der Bibliothek in Budapest vorhanden? Die obige Stelle aus Schebuoth hätte Blau darin verwertet gefunden. Oder läßt sich so ohne Einblick sagen, meine Ansicht, ״daß die älteste Schicht der Mischna gegen den Sadduzäismus gerichtet sei, sei höchst bedenklich, weil das Judentum in seinen Grundzügen schon beim ersten Auftreten der Makkabäer ausgebildet war?“ Abgesehen von der Erörterungsbedürftigkeit dieser Ansicht ist das Ganze doch ein pythischer Orakelspruch. Ist denn die Entstehung der Mischna gleichbedeutend mit dem Entstehen der Hai ach a oder ist die letztere älter und handelt es sich beim Werden der Mischna nur um die geschichtlichen Gründe, welche ihr Hervortreten in gesetzlichem Gepräge bedingt haben? So hat Rez. den wesentlichen Inhalt meiner Schrift kaum gestreift, ja, hat die Behandlungsart nicht einmal andeutungsweise angegeben. Weshalb nun meine Arbeit so gedrungen ausfiel? Das muß ich gezwungener Weise zum Schluß erklären. Die ursprüngliche Fassung des Ganzen war umfangreicher, aber die mir gebotenen Mittel reichten zur Veröffentlichung selbst dieses ״ersten Zwölftels“, wie Blau sich ausdrückt, nicht aus. Ich mußte eine Kürzung vornehmen; dann half die Hochherzigkeit des Verltgers aus. Viele Uebergänge verschwanden, und das Ganze erhielt diese Form. Dem Laien mag sie Hindernisse bereiten — dem Kenner darf sich ״kein Nebelschleier über das Ganze breiten und sein armes Hirn darf sich nicht wie ein Mühlrad drehen,“ wie es bei Blau nach seinem eigenen Geständnis der Fall war. Solche Besprechungen sind vollkommen zwecklos, und es hat niemand einen Nutzen davon. Wenn * Blau .nun fragen sollte: Tant de bruit etc., so würde ich es ihm sehr übelnehmen, meine mühsame Arbeit für eine Omelette anzusehen. Wir, die wir fern von den Mittelpunkten des Wissens die Fackel der Wissenschaft mühsam brennend erhalten, um geistig nicht zu vergehen, bedürfen der Ermutigung, nicht des Ab winke ns von den Hochburgen der Wissenschaft her. Entmutigend, ja, vernichtend können aber solche oberflächlichen Aeußerungen wirken, je angesehener die Stellung der betreffenden Rez. ist und je mehr man ihnen unbesehen Glauben schenkt. Ein solches Vorgehen kann nicht derb genug abgefertigt werden. Um die bona fides zu retten, muß ich annehmen, daß Blau nach Stichproben geurteilt und im Durchblättern — vom Durchlesen ist nachweislich keine Rede — keine gerade glückliche Hand gehabt hat. Und darum bringen wir jahrelang der Wissenschaft Opfer an Kraft und Mühe, damit sie mit einem Federstrich verurteilt werden? Ich bin zu Ende. Wie Blau sich zu dieser Zurückweisung seiner Rez. stellen wird, kann ich nicht wissen. Es gibt darin zwei Wege. Den unangenehmen Eindruck dieser Besprechung, nachdem ich sie beleuchtet, abzuschwächen, dürfte wohl alle Mühe vergebens sein. Ich habe Blau nicht mißverstanden. Eins wäre mir noch das Förderlichste- Wenn er ein zweites Mal ans Werk geht, unbarm! herzig die Fehler der Arbeit ans Licht zieht — aber mit Beweisen. Da werden sich, wenn er jede Einzelheit beachtet, auch die guten Seiten zeigen, ich werde erfahren, wie ich es besser machen kann, ich kann mich mit ihm dann, was hier bei den wenigen Einzelheiten kaum möglich war, in weitere Erörterungen einlasssen; talmudische Erörterungen haben die Eigentümlichkeit, die Kämpfer schließlich geistig mit einander zu verbinden, und ״das Ende aes Gotteskampfes“ — aber nur des Gotteskampfes! — ״ist die Liebe.“ 30ie Mischna Aufbau u. Quellenscheidung Von Dp. L. A. Rosenthal Rabbiner zu Preußisch Stargard 1. Teil: Die Ordnung Seraim. Erste Hälfte: Von Berakhot bis Schebiit. - Preis 5 Mk. - Ueber den Zusammenhang der Mischna, 2 Teile, ä 2,50 Mk. Von der Zunzstiftung und Königs-warters tiftung unterstützt. Carl Trübner’s Verlag, Straßburg.

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