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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 8. (1904) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 8. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 ׳• ־־ . Man fängt nämlich von unten zu bauen an, und so habe ich es bei jenem Satze über Elieser getan; er ergibt sich aus dem dort behandelten Halakhot. Meint aber Blau, daß der Leser von den Charakteristiken für das Verständnis der Quellenscheidung keinen Nutzen ziehen kann, so zeigt gerade jenes Beispiel von Elieser das Gegenteil. Oder kann man diese Ergebnisse nicht aus jenen Halakhot ziehen, und stimmt das nicht mit dem überein, was ich vorne in der Einleitung über Elieser angegeben? Diese Charakteristiken decken sich genau mit dem, was ich an Einzelheiten gefunden habe. Sie gehen aber auch nicht weiter, denn hochtönende und inhaltsleere Gemeinplätze sind mir ein Gräuel. Daß ich in den ersten fünf Traktaten 10 Quellen gefunden, daß man dieselben auf 20 oder 50 vermehren könnte, ist eine von Blaus Behauptungen, welche er selbst einmal anwenden müßte. Versuche er es doch einmal mit einer Quelle Elieser ben Jacob trotz des Kab wenaki (in Kilaim habe ich einen kleinen Teil davon gefunden) und des Traktats Middot, dessen Ordner er ist; versuche er es einmal mit einer Quelle des Jochanan ben Beroka, Er wird sie nicht entdecken können. Die von mir angegebenen Quellen entsprechen den Wahrnehmungen, die ich nicht in fünf Traktaten, sondern über die weitere Mischna hin gemacht habe. Diese Quellen kommen überall vor, sie lassen sich überall entdecken. Eine Akibaquelle wird er mir wohl als möglich zugeben; eine Quelle Meirs und Rabbis schon der Ueberlieferung halber; eine Quelle Joses schon wegen des Nomikons; eine Quelle Simons, die vielleicht Therumoth genannt wurde, und eine Quelle Judas, die sich als eigenartig überall abhebt, ist schon deshalb naheliegend, weil diese alle Akibas Mischna behandelt haben. Akiba kann nur von früheren Quellen, die der Schüler Jochanan ben Sakkais, also Josuas und Eliesers, ausgegangen sein, die wiederum die Mischna der Hilleliten und Schammaiten zur Quelle hatten, bis man auch deren Vorgänger entdeckt. Wird nun, schon der Ueberlieferung halber, diese Möglichkeit zugegeben, so mag der Leser nur an der Hand des ״Raisonnements über die einzelnen Aussprüche“ seine ״Geduld nicht auf eine allzu harte Probe stellenlassen“, sondern Mischna, Baraithabücher, Midraschim und Gemaras daneben legen — das ist unerläßlich —, und es wird sich ihm, wenn er noch besonders auf die unterstrichenen Halachareihen auf der Tabelle sein Augenmerk richtet, die Quellenscheidung von selbst enthüllen. So wenig wie es einen Königsweg zur Mathematik gibt, so wenig gibt es einen solchen in der talmudischen Wissenschaft. Und ein talmudisches Werk kann nur Zeile für Zeile gelesen werden oder garnicht. Jede Flüchtigkeit und Ungeduld straft sich da durch die darauf folgende Unklarheit. Woher denn aber Blau nur weiß,, daß ich das alles aus den fünf ersten Traktaten folgere? Will ich denn die Fortsetzung nicht folgen lassen? Liegt das nicht im Titel? Aber, wenn auch nicht — selbst aus einem Traktat will ich die Quellen- Scheidung herausfinden, besser, als aus der ganzen Mischna in einem. Blau hat in der Einleitung die Worte übersehen, daß ich über die Quellenscheidung nach Traktaten (S. XIII) sage: ״Das ist trockener und handwerksmäßiger, aber auch sicherer als ein verfrühtes Fortbauen auf eigenen Voraussetzungen. Jeder Traktat ist ein Ganzes für sich und zeigt im Kleinen die Bewegungsgesetze des Ganzen. Hier haben wir etwas Uebersehbares, einen Anfang und ein Ende. So wendet sich der Blick des Forschers von allen glänzenden Allgemeinheiten ab und man darf von ihm Ergebnisse nüchterner Art verlangen. Wieviel oder wie wenig er findet — gleichviel! Er soll nur sagen, was er weiß, nur anmerken, was er sieht und bemerkt.“ Oder soll er etwas anderes? Gewiß aber hat er in der Einleitung folgenden Satz nicht gesehen (S. XIII): ״Aus einem Traktat, ja, aus einem Seder läßt sich wenig sicheres folgern“, nämlieh für die Geschichte der Zeit. ״Nur beim Ueberblick über das Ganze kann man mit Erfolg zugleich für die geschichtliche Erkenntnis arbeiten.“ Sonst hätte er nicht als neuen Gedanken niedergeschrieben: ״Ueberhaupt kann die Durchforschung eines Zwölftels eines Werkes keine sichere Gewähr für seine Quellen bieten. Was würden die Bibelkritiker zu einer Quellenscheidung des Pentateuchs auf Grund der ersten zwölf Kapitel der Genesis sagen?“ Schon oben habe ich gesagt, daß ich (den Ueberblick über das Ganze vorausgesetzt) mich mit einem Traktat zur Behandlung begnügen würde. Aber selbst ohne diesen Ueberblick ist es immerhin möglich, selbst auf begrenzterem Raum für die Wissenschaft Dauerndes zu schaffen. Hat doch Astruc, auf die Genesis allein blickend, eine ganze Anzahl Urkunden darin entdeckt. Ist nun seine Mühe, wenn auch später überholt, für die Wissenschaft verloren gegangen, oder ist sie deren Ausgangspunkt gewesen und geblieben? Da ich diese Art der Beurteilung kenne, sage ich in der Einleitung: ״Er (der Forscher) soll nur sagen, was er weiß, nur anmerken, was er sieht und bemerkt. Ein zweiter kann mehr finden als er, kann ihn ergänzen, berichtigen.“ Was Blau nicht getan hat. ״Dagegen ist es ausgeschlossen, daß gerade ein solches ohne erschöpfende Arbeiten Anderer vorgenommenes Werk an sich vollkommen wäre. ... Also verbesserungsbedürftig wird diese Arbeit sein, und sie soll recht viele Verbesserungen hervorrufen.“ Bin ich also, wenn auch nach Blau ״dem Mutigen die Welt gehört“, ohne Selbsterkenntnis ans Werk gegangen? Aber ״die Aufdeckung jeder als zusammenhängend bewiesenen Mischnareihe, sie sei klein oder groß, ist ein Erfolg.“ Hat Blau etwas dagegen? Und habe ich solche Reihen nicht nachgewiesen? Doch was soll das Alles? ״Trotz der nicht geringen Literatur“, meint Blau . . . ״sind nach unserem Dafürhalten mehrere Vorfragen, namentlich die Lehrhäuser und ihre Lehr- und Vortragsweise betreffend, zu erledigen, bevor man sich an die äußerst dunkle und verwickelte Frage der Quellen- Scheidung und Formation der Mischna heran wagen darf.“ Ja, woher will Blau denn über die Lehrhäuser und ihre Lehrweise etwas erfahren, wenn nicht aus einer Herleitung des mischnischen Auf-

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