Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 8. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/6492408-6582200-9732607--3255-9606051- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Kleidung im'. und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. (Fortsetzung.) d) Fußbekleidung. 1. Handwerker, die bei der Verfertigung der Fußbekleidung in Betracht kamen, sind Gerber und Schuhmacher. Der Gerber1) besorgte nicht bloß das eigentliche Gerben2), sondern alles was erforderlich war, um das Leder zum Gebrauche fertigzustellen, also auch das Färben. Das Fell3) im rohen Zustande wurde in der Regel mit Salz bestreut und mit einem Mehlbrei und Galläpfelsaft4) bearbeitet. — Die Werkstätte des Gerbers befand sich, wie bei den Griechen, außerhalb des Ortes, weil sie immer üblen Geruch verbreitete5). Die Zunft besaß ihre bestimmten Marktplätze6). ln der Synagoge zu Alexandria besaßen die Gerber ihre gesonderten Plätze7). — Das Gerberhandwerk war nicht sonderlieh geschätzt. Das Sprichwort sagt: Die Welt kann nicht des Gewürzkrämers und nicht des Gerbers entbehren — wohl dem, der ein Gewürzkrämer ist, wehe dem, der Gerber ist8). Die Sittlichkeit der Lederarbeiter war eine ziemlich lockere; daher man wohl den Gesang der Schifter und Rinderhirten, nicht aber den ihren anhören sollte.9) 1I ימלאבת עור Fellbearbeitung, Lev. 13,48, יגילדאה der Fellhändler od. Riemer, Chul. 48 a; עבק, der Gerber, Sabb. 1,8; דורסן, der Treter (sc. des Felles) der Gerber, Beza 11a, בורסי pi. □בורסיי, Ket. 7,10; בורסקי, Kid. 29 a, ßup3e0<;, ßupoixo!; — bursa, die Burg, stammt selbstverständlich nicht von bursa, Riemen (vgl. die Sage von der Gründung Karthago’s), sondern von שלח;בירתא ,בירה, der Fellarbeiter, Sabb. 49a, Raschi das.; יצלאה B• b. 55a. 2) גרב, ass• garabu, kratzen, schaben, davon גרב, die Krätze und das deutsche: gerben. , 3) מצה oder עור המצה Kei. 17,5; עור bh.; שלח, sabb. 49a; צלא, Ned. 56 b. 4) Git. 22 a; אפצי oder ׳jj Galläpfel. Das Verfahren war nicht immer dasselbe. Es gab Lederarten, die wohl mit Salz, aber nicht mit Mehl und Galläpfelsaft (חיפה, Sabb. 79 a), andere, Diftera (ריפתרא) genannt, die mit Salz und Mehl, nicht aber mit Galläpfelsaft bearbeitet waren. Dixestos (דוכסוסטוס) wurde jene genannt, die, nachdem die Haare entfernt waren, geschält und geglättet, als Pergament zum Schreiben gebraucht wurde. Man unterschied Pergament aus Fellen, deren Fleischseite bloß geschält und geglättet (קלף) von solchen, die an beiden Seiten ungeschält und ungeglättet waren (גויל, Men. 31b und 32b). 5) Sifre Deutr. 258, Hhl. r. 1,4; vgl. Artemidor I, 51; II, 21. 6) Ned. 56 a; Straße der Riemer, Chul 48 a. Das Edikt des Diocletian (c. 8; Mommsen S. 64) nennt als Handelsartikel Felle von Rindern, Ziegen, Schafen, Lämmern, Rehen, wilden Schafen, Hirschen, Mardern, Bibern, Bären, Wölfen, Füchsen, Leoparden, Hyänen, Löwen und Robben, ebenso von importierten Lederwaren, feine Saffiane, namentlich babylonische, phönizische, lakonische, serische und parthische. 7) Succa 51b. 8) Pes. 65 a, vgl. Loew, graph. Requisiten, I, 114. ף Sota 48a. st.גרדאי das. 1.גלדאו• Der Schuhmacher1) schnitt das Leder nach der Form des Fußes2), nähte die einzelnen Stücke mit Flachsfäden oder dünnen Riemen zusammen3), klebte sie auch mit Kleister4) an einander. Er bediente sich eines Leistens5), auf dem Oberleder6) und Sohle7) passend mit einander verbunden wurden und schwärzte8) das Leder. Man unterschied Sandalen, Schuhe und Stiefel9). (Fortsetzung folgt.) 0 יסנדלר der Sandalenmacher, R. Jochanan d. S. Ab. 4, 11. Schuhmacher und sonstige Lederarbeiter waren nicht streng von einander gesondert: רצק (von ירצע der mit ימרצע Pfrieme, Ex. 21,6 bohrt); Tos. Pes. 2,18; יאושפקא Git. 68b; rieht. יאושכפא ass• askapu (Zeitschr. f. Assyr. 1890, S. 103), cuspus (vgl. Perles a. a. 0. S. 31), Schuhmacher und Riemer, Tos. Kel. B. b. 1, Ende, bei den Griechen oxuxeüc; oder axoxöxop!;, Platon, Republ. X, S. 601, verschiedene Arten von Schuhmachern, s. Marquardt a. a. 0. III, 197. 2) Sabb. 123 b, vgl. die Bezeichnung ßupaoxdjjio!;. 3) J. Kil. 32 d. 4) יפ׳ דאושבפא •1 יפרורא דאושפקא Pes• 42 b, auch קולן ק׳;רצענים *^),«. 5) ימנעל של אחוי Kel. 26,4, xaXötcous, forma ealeei, Hör. Sat. II. 3, 106. 6) אפנחא Tan. 12 b, s. Tos. das. 7) דף Sabb. 112a; יעקב Ferse, bh.; ימעמיד J• Jeb. 12 d; יגלדא Per. 43b; Fell zur Schuhsohle, Tos. Kel. B. b. 1. 8) Sabb. 104b. Zum Schwärzen wurde die Schusterschwärze, Diosc. 5,117, {JtsXavxyjpia, atramentum sutorium, gebraucht. Man nahm dazu יקלקנתוס Git. 19 a, ydkwvftov, chalcanthum, Kupfervitriol, vgl. Ar. s. v. und Tos. zu Erub. 13b• 9) מנעל ינעל, bä. das den Fuß Umschließende, Dual: Am. 2,6, sonst ינעלות J°s. 9,5 — im Gegensatz zu נדל□, pb יסנדלים Joma 8,1 32v§aXov pers. sandal, Thr. r. 14; יסאןן aram. סין, ass. senu, Schuhe, bes. Soldatenschuhe nach Art der Halbstiefel, hochgeschlossen und mit Nägeln beschlagen, Jes. 9,4; יסעא Tos- Jeb. 12,15, davon ימסאנאי מסן Git. 56 b; ישורציפא Sandalen mit Schleife, J. Jeb. 12 c, dafür Jeb. 102 a סנדל; Vgl. Brüll. Jb. IV, 47; יהדוסטא J• Sabb. 8a — Levy, s. v. und Perles a. a. O. S. 3 ohne Erklärung, nach Kraus-Loew, Lehnwörter יהרוסטא rostra oder יהפדומטא; vgl. auch Brüh a. a. O.; Fleischer, Nachträge zu Levy, S. 557, Sp. 2, יהריסטא pers. Bauernsandalen; das Wort scheint das griech. oooaxa ״die für den Weg notwendigen“ zu sein; טלריתא (talare), Trg. 1. K. 2,5; יסולייס soleae, Jeb. 103b, ימסולוא Kid. 19b, vgl. die Bezeichnung: solearius; יפומקי Sabb. 100a. Nach Perles pers. Ursprungs: pazenk, syr. יקורדסקי[, קורדיקץ,;עקא סקורדיקון scordiscus, Lederschuhe, Gen. r. 45; ינרמק Jeb. 102b, so Arucb, in uns. Ausg. ימוקי rieht. יגרמקי Perles S. 30; יסרבל serbulon, B. b. 52a; גולגס calliga, Militärstiefel, Vgl. die Bezeichnung: caligarius und gallicarius; nach Einigen גליאסין galeae, Helme, Thr. r. 2,7; יעקלגם Sifre Deutr. 192. Inhalt der Nummer 8■ Wissenschaftliche Aufsätze: Gegenkritik. Von Dr. L. A. Rosenthal. — Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig. (Fortsetzung.) Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.