Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 16 (15.4.1904)
- Date
- 1904-04-15
- Page
- Seite 224 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 224 Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. bauten Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, Kaiserstraße 39/30, stattgefunden. Es scheint, daß die zuständigen Gemeindebehörden den Akt als ein Pudendum betrachtet haben, von dem sie die Oeffentlichkeit nicht unterrichten wollten, denn die Vertreter der Oeffentlichkeit, die jüdischen Zeitungen, haben sie ferngehalten. Es fehlte an Platz! Für die Vertreter von vier jüdischen Zeitungen fehlte es an Platz! So sagt das Bureau der Gemeinde, dem gerade nichts klügeres einffel. Werkln, 12. April. (Religionsschule Beth Zion.) Die Religionsschule Beth Zion, Linienstraße 163, versendet ihren 15. Jahresbericht. Die Schule besteht aus 12 Klaffen, 7 für Knaben und 5 für Mädchen. Sie wurde im Lauf des Jahres von 293 Kindern, 206 Knaben und 87 Mädchen, besucht; 63 Zöglingen wurde Freischule gewährt. An der Schule wirken außer dem Direktor, Herrn Rabbiner Höxter, 6 Lehrer. Jeden Mittwoch und Sabbat nachmittag findet am Schluß des Unterrichts Jugendgottesdienst statt. Das Sommersemester beginnt Mittwoch, 13. April. Anmeldungen nimmt der Direktor während der Schulzeit von 2—5, sowie täglich in seiner Wohnung, Gipsstr. 23b, entgegen. Merlin, 10. April. (Siebzigster Geburtstag.) Am Freitag beging Herr Feilchenfeld den siebzigsten Geburtstag. Die Wohlfahrts-Vereine, in denen er sich betätigt, nahmen die Gelegenheit wahr, ihm ihre Glückwünsche darzubringen. Königsberg i. Mr., 10. April. (Sulzer-Feier.) Der hundertste Geburtstag Salomon Sulzers, des Regenerators des jüdischen Kultusgesanges (geb. am 30. Mürz 1804, gest. 1890 in Wien), ist in unserer Synagogengemeinde mit Aufmerksamkeit geehrt worden. Beim jüngsten Festabendgottesdienst waren sämtliche zum Vortrage gebrachten Gesänge von der Komposition des berühmten Altmeisters der Synagogenmusik; Herr Rabbiner Dr. Vogelstein lenkte das Thema seiner^Predigt über „das Fest der Lieder" auf eine Beleuchtung der in ihrem Gebiet epochemachenden und bleibenden Verdienste des verstorbenen Wiener Kantors. Herr Oberkantor Birnbaum, der sich mit Stolz einen Schüler Sulzers nennt und sowohl von Beuchen (dem Orte seiner ehemaligen Wirksamkeit) wie noch von Königsberg aus alljährlich bis zu Sulzers Tode nach Wien reiste,'^um sich dort von dem großen Lehrer neue Anregungen und Bereicherungen seiner Kenntnisse zu holen, hat dessen Andenken auch durch eine interessante Sulzer-Ausstellung, die im Lesesaale der Synagoge zu besichtigen war, in pietätvoller Weise geehrt. Es sind außer verschiedenen Handschriften, persönlichen Erinnerungen und Reliquien, Bildnissen rc. hauptsächlich die Originalausgaben sämtlicher Werke des Gefeierten, worunter sich natürlich auch einige weltlichen^Charakters befinden, merkwürdigerweise sogar ein „Tiroler Lied", das 1848 im Wiener Volksgarten von dem Hofopernsänger Ander in Verbindung mit dem akademischen Gesangverein und der^Kapelle von^Joh. Strauß unter Leitung des Komponisten aufgeführt worden ist. Alle Stücke der wertvollen Sammlung, unter denen sich manches Unikum befindet, stammen aus dem Privatbesitz des Herrn Birnbaum, der sie für diese besondere Gelegenheit zur Anregung für alle Kenner und Freunde dieses Spezialgebiets mit dankenswertester Sorgfalt und Liebe zusammengestellt hat. Alkenstein, 12. April. (Ost preußische Lehrerverbandskasse.) Am 12. Mai findet hier die Generalversammlung der Pensionskaffe für^ jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen statt. Hraudenz, 12. April. (Schulberi ch t.)^Herr Rabbiner Dr. I. Loevy hat über den jüdischen Religionsunterricht hier und in Rheden den zweiten Jahresbericht erstattet. Die Zahl der religionsunterrichtlich versorgten Kinder beträgt in Graudenz 163, von denen 77 Knaben und 55 Mädchen die höheren Schulen, 13 Knaben und 18 Mädchen die Volksschulen besuchen, und in Rheden, wo Herr Lehrer Mann seine zwei Stunden wöchentlich Unterricht erteilt, 8. An dem Unterricht in den hebräischen Fächern sind 53 Knaben und 51 Mädchen beteiligt. Hattingen, 10. April. (Friedrichsheim.) Das' hiesige Friedrichsheim für israelitische Sieche und Greise veröffentlicht seinen siebenten Jahresbericht, aus dem zu erkennen ist, daß das Institut seine segensreiche Wirksamkeit immer mehr erweitert und vervollkommnet. Zu den 20 Pfründnern, die zu Beginn des Berichtsjahres das Haus bewohnten, .sind fünf neue eingetreten, 4 Frauen und ein Mann. Drei Personen sind im Lauf des Jahres ausgeschieden, vor kurzem ist eine Insassin gestorben, so daß die nunmehrige Pfründnerzahl 21 beträgt — 4 Männer und 17 Frauen. Der älteste Insasse ist 83 Jahre, die jüngste 24 Jahre alt. Im abgelaufenen Jahr hatte die Anstalt 10 369 Verpflegungstage (gegen 8184 im Jahr 1901 und 9020 im Jahr 1902); die Haushaltskosten pro Tag und Kopf stellten sich im Berichtsjahr auf 1,05 M. (Vorjahr 1,17) und der Gesamtverbrauch auf 1,27 M. pro Kopf (Vorjahr 1,31). Der Verein „Friedrichsheim" zählt jetzt 668 Mitglieder, deren Jahresbeiträge 5034 M. betrugen. An sonstigen Einnahmen hatte die Anstalt Grundstocksgaben aus den verschiedenen badischen Rabbinatsbezirken in Höhe von 3400 M. und 5103 M. Spenden, von denen 110 M. von außerhalb Badens wohnenden Gebern herrühren. Den Gesamt-Vorstand der Anstalt bilden die Herren: Rabbiner Dr. Lewin, Vorsitzender, Ludwig Weil, Schriftführer (Freiburg), Heinrich S. Epstein, Kassierer (Eichstetten), Jacob Bernheimer (Gailingen), Ernst Carlebach (Heidelberg), Julius Ettlinger (Mannheim), Anwalt Dr. Friedberg (Karlsruhe), Daniel Guggenheim, „zum Schloß", Leop. Jos. Guggenheim, Samuel Josef Guggenheim (Gailingen), Bened. Herzberger (Breiten), Fritz Homburger (Karlsruhe), Jsaac Lang (Altdorf), Rabbiner Dr. Löwenstein (Mosbach), Louis Marx (Bruchsal), Ludwig Rothschild (Gailingen), Dr. Rothschild (Randegg), Anwalt Dr. Staadecker (Mannheim), Emanuel Strauß (Osterburken), Moritz Strauß (Tauberbischofsheim), Leo Wertheimer (Bühl), Josef Zrmmern (Mannheim). München, 10. April. (Verein für jüdische Statistik.) Der Berliner Verein für jüdische Statistik hat hier einen Zweigverein gegründet. Statistiker gehören ihm auch hier nicht an. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. Arthur Cohen, I. Vorsitzender (Haydnstr. 5); Rechisanwalt Dr. Holländer, II. Vorsitzender; Dr. Halpern, I. Schriftführer (Friedrichstr. 1); Dr. Epstein, Arzt, II. Schriftführer; Bankier Krämer, Schatzmeister; ferner den Beisitzern Konsul Ballin, Rechtsanwalt Dr. Blumenstein, Justizrat Ofner, Arzt Dr. Sielmann, Rechtspraktikant Dr. Elias Straus, Rabbiner Dr. Werner. Maris, 10. April. (Religionsunterricht für ausländische Kinder.) Die im Stadtteil Montmartre ansässige Kolonie von russischen und rumänischen Juden hat bisher für ihre Kinder keinen systematischen Religionsunterricht gehabt. Jetzt hat Frau Baronin Edmond von Rothschild sich der Sache angenommen und die dazu erforderlichen Mittel hergegeben. In kurzem wird hier ein größeres Gebäude errichtet werden, das die nötigen Schulzimmer und eine Synagoge für die kleine Fremdenkolonie enthalten soll. London, 10. April. (Die Lage der Juden in Limerick.) Die antisemitischen Hetzreden des Redemptoristenpatres Creagh haben für die Juden in Limerick traurige Folgen gehabt. Die gehorsamen Iren haben den Wünschen