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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-04-08 · 15 (8.4.1904) · p. Seite 211

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
15 (8.4.1904)
Date
1904-04-08
Page
Seite 211 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 15. Israelitische Wochenschrift. Seile 211. tieren. Wie man sagt, bringt die Mehrzahl der Abgeordneten diesem Gesuch großes Wohlwollen entgegen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Die Neue Westend-Synagoge am Petersburgplatz in London hat am letzten Sonntag den Gedenktag ihres 25 jährigen Bestehens durch feierlichen Festgottesdienst begangen. Vakanzen: Dresden. Rel.-L., der Rabb.-Funkt. übern, kann. Meld. an Vorst. Feuilleton. Ci» Kanenlkben. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) „Ich bringe Unglaubliches", begann der Baron verlegen. „Einen Korb?!" rief Adalbert vergnügt. „Wie, mein Fürst, Sie wissen?! Aber" setzte der alte Herr mit großer Aengstlichkeit hinzu, „Graf Alfred wird am Ende für das Fehlschlagen seiner Hoffnungen den Botschafter verantwortlich machen." „Darin hätte er vielleicht so Unrecht nicht", lachte Adalbert. „Was denken Sie, mein Fürst?! Wenig fehlte, und diese Juden hätten dem Baron von Schwarzenstein die Tür gewiesen." „Was sagen Sie jetzt, Mama? Reicht mein „Geist in die Weite?" „Hier halte ich die Absage an den Grafen!" Der Baron hob das Briefchen empor. „Erlauben Sie einmal das Billett!" und da es der Baron offenbar ungern aus den Händen gab, fuhr der Fürst lächelnd fort: „Mein Wort darauf, Schwarzenstein, Sie sollen es unerbrochen wiederhaben." Er trat ans Fenster, drückte das Kuvert stark und glatt gegen die Scheibe und las durch das Glas wie folgt: „Kommen Sie sofort zu mir! Meine Zofe wird Sie vor dem Hause erwarten und Ihnen den Schlüssel zur Veranda geben. Während mein Onkel schläft, muß ich Sie unbedingt sprechen. Posthuma." „Aber, aber!" sprach die Fürstin besorgt, „das schaut allem andern, nur keiner Absage ähnlich." „Und doch wird es eine sein", sagte Adalbert nachdrücklich. „Ich glaube, das schlaue kleine Geschöpf beabsichtigt nur, ihm die Pille zu verzuckern." „So ist es", bestätigte der Baron; „aber ich versprach, das Billett unverzüglich abzuliefern." „Soll geschehen". Der Fürst schellte und befahl einem Diener, diesen Brief sofort Gras Alfred auf sein Zimmer zu tragen. Zwei Minuten später hörten die in dem kleinen Boudoir lauschenden drei Verschworenen den Hufschlag eines davongaloppierenden Pferdes. Adalbert sah aus dem Fenster. „Er hat meinen Rappen genommen . . . Nun, für diesmal will ich ihm diese Freibeuterei noch verzeihen." „Mein Gott", sprach die Fürstin leichenblaß, „wenn er nun nicht wiederkäme!" Der Baron wollte hinausstürzen, aber der Fürst hielt ihn energisch zurück: „Nichts da, lieber Baron! Wenn mein Bruder vernünftig werden soll, kann es nur durch ihn selbst geschehen. Aengstigen Sie sich nicht, liebste Mutter; wenn auch gebeugt und mit geknickten Flügeln, ich bürge dafür, daß Ihr Nesthuhn wiederkehrt, und dann wird es von der großen Mauserkrankheit genesen sein." . . . Posthuma stand erwartungsvoll auf der Veranda; sie sah den Reiter heranfliegen und drückte beide Hände auf das pochende Herz. Schon von weitem erkannte sie den finsteren Ernst, der über Alfreds feines Jünglingsantlitz gebreitet lag. „Schlecht Wetter", murmelte Postel zaghaft. „Sollte er am Ende das Unerfreuliche ahnen, das ich ihm sagen muß?" Urban, der immer in der Nähe der hübschen Agnes zu finden war, lungerte vor der Haustür. Der Graf warf ihm die Zügel zu und trug ihm die Sorge für das Pferd auf — dann nahm er hastig Agnes den dargereichten Schlüssel aus den Händen und stand in wenigen Sprüngen auf der Veranda. „Was soll das bedeuten, Posthuma?" fragte er finster. „Ich sende einen Ehrenmann zu Ihnen, um Sie zu werben, wie es einem Edelmann ziemt, und Sie bestellen mich heimlich zum Rendezvous? Wie dürfen Sie sich derartig erniedrigen?!" Postel errötete. „Wenn ich eine Aussprache mit Ihnen wünschte, lieber Graf..." „Wozu bedarf es einer langen Aussprache?" unterbrach er sie kurz. „Sie antworten mir „Ja" oder „Nein", und mein Schicksal ist besiegelt." Posthuma merkte, wie ihr die Flammen in die Augen traten, aber sie zwang sich äußerlich zur Ruhe: „Ich bin diesen Ton nicht gewöhnt, Graf Leuchtenburg, besonders von Ihnen nicht. Und wo es sich um meine Person handelt, habe ich ein Recht darauf, daß Sie Gründe für meine Entschuldigung anhören." Sie nötigte ihn mit sanfter Gewalt, sich neben sie auf die kleine Bank zu setzen, die vor dem Wind und den Augen der Straßenpassanten durch einen zellartig gespannten Vorhang geschützt war. Alfred stieß ungeduldig seine Peitsche auf den Boden und murmelte: „Sprechen Sie, und bringen Sie mich nicht langsam um!" „Alfred", begann Postel sanft, „Sie haben mir die höchste Ehre bezeigt, die ein Weib erfahren kann, und das soll mein Stolz bleiben für mein ganzes Leben. Aber ich würde Ihnen mit schlechtem Dank lohnen, wenn ich Ihre Großmut annähme." „Ich bin nicht großmütig, ich liebe Sie." „Muß ich Sie erinnern, was uns trennt?" „Nichts trennt uns, wenn Sie ernstlich wollen." Er sprang auf. „Ich merke wohl, der alte Schwarzenstein hat Ihnen den Kopf warm gemacht mit Uebertritt und Taufe. Das ist ja alles dummes Zeug. Kommen Sie mit mir, wie Sie da gehen und stehen! In ein paar Tagen sind wir in Straßburg. Die Papiere beschaffe ich leicht. Dort traut man uns nach dem Code, und Sie mögen um meinetwillen Jüdin bleiben bis an Ihr Lebensende." Postel sah ihn gerührt und dankbar an. Wie gut er war, stets darauf bedacht, ihre Ueberzeugungen und ihre Empfindlichkeit zu schonen! Es siel ihr unendlich schwer, zu antworten: „Sie fordern Unmögliches, lieber Freund. Kein Gesetz, kein König kann zusammengeben, was nie und nimmer zu einander gehört. Der Fürstensohn steht zu hoch für die kleine Jüdin. Sie werden sagen, ich habe Ihre Hand und die Grafenkrone erschlichen." Alfred richtete seine Augen drohend auf sie; Postel er-

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