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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 7. (1904) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 7. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27' Geplänkel, da doch Reime und Alphabete selbst ein weniger genauer Ausdruck nicht das Herz des Werkes betreffen. Nun kommt aber der halachische Vorstoß, nun folgt mir Blau auf das Glatteis des Pilpul und kehrt das Innerste meines Buches um. Er will nämlich ״Berge, die bei mir an einem Haar hängen“, nachweisen. Wir werden sehen, was der Berg gehären wird. Ich nehme an, Berakhot 1 3 ß, wo R. Tarphon nach seiner eigenen Erzählung den Schamma'iten folgt und deshalb in Lebensgefahr gerät, eine Baraitha ist, welche Rami ben Jecheskel und R. Joseph als Mischna noch nicht gekannt. Nach Rami darf man im Gegensatz zu obigem Satz beiden Schulen folgen und R. Joseph bringt den Beweis, daß man sich nach dem Hilleliten zu richten hat, aus Succah. Die Tossafoth haben diesen merkwürdigen Umstand wohl gemerkt und suchen in ihrer Weise einen Ausgleich. Aber, was bei ihrem Scharfblick für mich spricht, aufgefallen ist es ihnen. Erst R. Nachman bar Jizchak führt als Nächstliegendes den Satz des R. Tarphan an. Im Jeruschalmi steht er z. St. als Nachsatz zur Tossefta von R. Ismael und R. Eleasar ben Asarja, wo etwas ähnliches behandelt wird, und im Babli z. St. wird die Frage, welche Rami und R. Joseph darlegen, auch nach jener Tossefta gestellt. Von dem אר״ט als Mischna ist keine Rede. Nachträglich erst fand ich, daß die Stelle in der dem Jeruschalmi vorgedruckten Mischna fehlt. Noch später sah ich, daß Frankel das als einen Fehler des Abschreibers ansieht. Das sind doch merkwürdige Dinge, welche für meine Ansicht sprechen. Blau will aus Jeruschalmi z. St. den Nachweis führen, daß R. Jochanan die Stelle gekannt hat. Was will das besagen? Hat er sie als Mischna oder als Baraitha gekannt? Aber genau hingesehen ist dem Rez. der Nachweis, daß R. Jochanan unseren Satzim Auge hat, vollkommen mißglückt. R. Jochanans Worte von der Vorzüglichkeit der soferischen Gebote den Thorasatzungen gegenüber beziehen sich garnicht auf unsere Berakhotstelle, sondern auf Jeruschalmi Mischna Sanhedrin 11 5; ja, es hat den An־ schein, als wenn R. Jochanan auch jene Sanhedrinmischna nicht als solche vorausgesetzt, sondern eine inhaltsgleiche und gleichberechtigte Baraitha angeführt hätte; sieht sie doch dort recht wie ein später mischnischer Zusatz aus; drängt sie sich doch in den Zusammenhang wie ein fremder Bestandteil hinein. Daß aber gerade R. Jochanan oft in solchem Verhältnis zur Mischna steht, muß Rez. doch auch S. 46 bezüglich der Mischna Peah 1! ß' gesehen haben, wo selbst Tossafoth und Jesaia Berlin die Stelle als Baraitha oder gar als Memra behandelt und, wenn man nicht drehen und drücken will, man doch sieht, daß R. Jochanans Worte und die der jetzigen Mischna Peah 1 1 ß eins und dasselbe sind. Wozu soll er aber eine Mischna als Memra aussprechen, wenn er sie als solche schon kennt? Weshalb wundert sich denn übrigens Rez. über solche Erscheinungen? Hat er denn nicht S. 18 gelesen, wie im Alfassi eine Baraitha zur Mischna gemacht wird? Laßt einen Abschreiber der Gemara I nach Alfassi das Wort מחני׳ davorsetzen, und der Satz wandert dann in die Mischnajotbücher hinein, findet endlich sogar seinen Weg in den Jeruschalmi. Kennt er Bicc IV, Pesachim IV Ende, Sotah Ende nicht? Lauter Stellen, die man eben nur noch als Baraithot bei ihrem Uebergange in die Mischna festgehalten hat? Weiß er nicht, welche Stellen im Münchner Manuskript fehlen, daß er ein solches Aufheben von einer derartigen so wohl begründeten Behauptung macht? Ein auch nur oberflächlicher Kenner der einschlägigen Fragen wird sich über so, etwas nicht wundern. Damit ist der halachische Vorstoß beendet. Ich atme beruhigt auf. Blau hat zum Glück nicht bemerkt, daß ich versäumt habe, nochmals S. 25 Peah 85 zu wiederholen, daß wir hier den schon vorher genannten Armen zehnt vor uns haben; daß ich, aus dem Gedächtnis schreibend, S. 22 (35 Peah) nicht Baumstümpfe angegeben; ebenso S. 40 bei Juda; (so genau muß der Verf. und auch der Rez. nachsehen); daß in den Bemerkungen Jose Chisma statt R. Eleasar ben Chisma steht. Ich nehme diese Gelegenheit wahr, das zu berichtigen. Was hätte Blau gesagt, wenn er gemerkt hätte, daß mir bei sorgfältigster Nachprüfung der Belegstellen bezüglich der Zahlen so manches Menschliche begegnet ist! Mir fehlte dabei der Genosse. Das alles ist ihm entgangen und wohl noch vieles Andere, wovon ich bis jetzt nichts weiß, worüber mich nur ein im einzelnen peinlich vorgehender Rez. unterrichten könnte. Ein solcher würde aber auch wissen, daß dies alles den Wert eines Werkes nicht gefährdet, wenigstens nicht vernichtet. Nachdem Blau ״Berge, die an einem Haare hängen“ bei mir gefunden hat, sagt er mit einem Mal herablassend: ״Indes waren verfehlte Auf- Stellungen und Mißgriffe in Einzelheiten nicht von Belang, — “ (dies ist der Vordersatz, den ich zuerst allein betrachte.) Woher mit einem Mal dieser Rückzug? Er sagt vorher: ״Die Annahmen von amoräischen Zusätzen sind in den allermeisten Fällen, um ein mischnisches Wort zu gebrauchen, ״Berge, die an einem Haare hängen“. Nun gebe ich deren nicht zu wenige an. Ich habe eben gezeigt, welchen zweifelhaften Wert die Zweifel Blaus bezüglich Berakhot 13 ß haben. Wenn sich all’ das nun wirklich als haltlos herausstellte, wäre das in einer Quellenscheidung nicht von Belang? Entweder Blau erkennt, daß diesen Einzelheiten andere gegenüberstehen können, welche als begründet mehr Wert haben, und dann muß er stillschweigend zu• geben, daß meine Arbeit schon nicht so vollkommen unbrauchbar sei, wie er vorgiebt. Oder sollte ich annehmen, daß ihm die Magerkeit seiner Ausbeute selbst unangenehm erschienen sei und daß er einer etwaigen Entgegnung meinerseit damit schon vorbeugen wollte, als wären diese Mängel nicht die hauptsächlichen? (Schluß folgt.)

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