Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 197 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 14 Israelitische Wochenschrift. Seite 197 sicht genommen, ebenso die Einführung eines besonderen Predigtgottesdienstes für Freitag abend. Schrimm, 27. März. (Amtseinführung.) Herr Rab. biner Dr. Moritz Silberberg wurde gestern in sein Amt an der hiesigen Gemeinde eingeführt. An der Feierlichkeit in der festlich geschmückten Synagoge nahmen die Spitzen der Behörden teil, darunter der Kreisschulinspektor, der Lokalschulinspektor und der Gymnasialdirektor. Die Antrittspredigt, in der Herr Rabbiner Dr. Silberberg die Ausstellung von seinem Beruf darlegte, fand allgemeinen Beifall. Irankfrrrt a. W., 27. März. (Religionsschule) Der Schulbericht der hiesigen Israelitischen Religionsschule (Dirigent: Dr. Jakob Horovitz) ist erschienen. Er erzählt von erfreulichem Aufschwung der Schule und von erfreulichem Wachstum des Interesses an religiösen Dingen innerhalb unserer Gemeinde und namentlich ihrer Jugend. Zwölf Lehrer und Lehrerinnen erteilen den Unterricht. Den Vorstand der Israelitischen Religionsschule bilden die Herren Rabbiner Dr. Horovitz, Prof. Dr. Werner, Alfred Geiger, Jsaac Weill, Julius Carlebach, L. Mainz, Jac. S. Posen und Nathan Sondheimer. 'Naris, 27. März. (General Leopold See.) Im Alter von 82 Jahren ist hier einer der wenigen jüdischen Offiziere gestorben, die den Generalsrang erworben hatten. Divisions-General Leopold See war nach Absolvierung der Militärerziehungsanstalt von Saint-Cyr als Leutnant in das 3. Inf.-Linienregiment eingetreten. Als im Jahr 1848 in mehreren kleinen Städten des Elsaß gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Unruhen ausgebrochen waren, stand zufällig der jüdische junge Leutnant an der Spitze der Militärabteilung, die zur Bekämpfung der Unruhen abgesandt worden. Er erledigte sich seiner Aufgabe mit großem Takt und außerordentlicher Umsicht. Nach seiner Ernennung zum Hauptmann trat er 1851 in ein Zuavenregiment ein und diente unter General Bourbakr in Algier. Hier leitete er mehrere Expeditionen in das Innere des Landes und ging 1854 nach der Krim, wo er mit seinem Regiment an allen Entscheidungsschlachten des Feldzugs teilnahm und sich trotz zweimaliger Verwundung durch große Tapferkeit auszeichnete. Er erhielt dafür den Orden der Ehrenlegion und wurde trotz seiner jungen Jahre zum Bataillonschef des 96. Linienregiments befördert. Als solcher nahm er 1859 am italienischen Feldzug teil und kämpfte in der Schlacht bei Magenta. 1863 wurde er Oberstleutnant und Offizier der Ehrenlegion und 1868 Oberst im 65. Linienregiment zu Valenciennes. Im deutsch-französischen Feldzug von 1870 zeichnete sich Oberst See in den Schlachten von Borny, Gravelotte und St. Privat aus und erhielt bei Metz eine schwere Verwundung am Bein. Die Verwundung war so schwer, daß der Oberst von preußischer Seite als Invalide angesehen und daß ihm ohne jede Bedingung die Rückkehr nach Frankreich gestattet wurde. Nach seiner Genesung wurde er zum Brigadegeneral ernannt und von der Regierung der Nationalverteidigung mit der Organisation der Linien von Charenton beauftragt. Nach dem Kriege hat General See die verschiedensten Truppenteile kommandiert, erhielt 1876 das Kommandeurkreuz der Ehrenlegion und wurde 1880 zum Divisionsgeneral ernannt. 1887 nahm General See seinen Abschied, nachdem er schon zwei Jahre früher zum Großoffizier der Ehrenlegion befördert worden war. Fünfundvierzig Jahre lang hatte er seinem Vaterland als Soldat gedient; nach seiner Pensionierung widmete der immer noch frische und rüstige General seine Tätigkeit den Wohlfahrtsinstituten seiner jüdischen Brüder und vertrat u. a. bis zum Jahr 1896 die Stadt Paris im Zentralkonsistorium der Juden Frankreichs. Bei der Beerdigung wurden dem Heimgegangenen General alle herkömmlichen militärischen Ehren zuteil. Vor dem Sterbehaus waren Detachements von Artillerie, Infanterie und Kavallerie unter der Führung eines Generals, Großoffiziers der Ehrenlegion, aufgestellt, Vertreter der Regierung und des Generalgouverneurs von Paris wohnten dem Leichenbegängnis bei. Auf dem Friedhof Montmartre hielt Rabbiner^JsraeljLevi^die Trauerrede. London, 28. März (Neue Synagoge.) Im Stadtteil Bow in der Lincolnstraße ist am letzten Sonntag eine neue Synagoge eröffnet und eingeweiht worden, die erste in jenem Stadtteil. Die Gemeinde, die dieses neue Gotteshaus errichtet hat, besteht schon seit einundzwanzig Jahren und hat bisher ihren Gottesdienst in verschiedenen Privathäusern verrichtet. Die neue Synagoge ist ein einfacher freundlicher Bau mit Glasdach; sie ist mit Sitzplätzen für 150 Männer und 50 Frauen versehen, die erforderlichen Mittel sind vom Vorsitzenden und Schatzmeister der Synagogengemeinde vorgestreckt worden. Die Leitung des Einweihungsgottesdienstes und die Festrede hat der Chiefrabbi Dr. Adler übernommen, der Rabbiner der neuen Gemeinde G. Davids stand ihm dabei zur Seite, und der Chor der neuen Synagoge führte in vortrefflicher Weise die Festgesänge aus. Alle für den Ritus erforderlichen Gegenstände, auch Vorhang und Kandelaber sind von Mitgliedern und Freunden der Gemeinde als Geschenke dargebracht worden. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Dr. Arnold Lazarus vom Rabbinerseminar in Breslau ist zum Hilfs predig er der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. gewählt worden. — Das neue Gesetz für SonntagsHeiligung, das jetzt im holländischen Parlament beraten wird, enthält in der Klausel 362 die Bestimmung, daß alle Personen, die in Ausübung ihrer Religion an einem anderer: Tag als dem Sonntag keinerlei Arbeit verrichten, dafür am Sonntag ihren Geschäften nachgehen dürfen. — Der König von Italien hat zwei Juden zu Senatoren ernannt: den bekannten Schriftsteller Signor Eduardo Arbib und den Professor der italienischen Literaturgeschichte an der Universität Pisa, Dr. Alessandro d'Ancona. — Der seit dreißig Jahren als Rabbiner in Nizza fungierende Rabbi Honel Meiß ist zum Oberrabbiner von Marseille gewählt worden. Die Wahl wird ohne Zweifel sowohl vom jüdischen Zentralkonsistorium wie vom Unterrichtsminister bestätigt werden. — In Charlotten bürg ist Justizrat I)r. Maximilian Bernhard gestorben. Feuilleton. Ei« i'raiinilfbfn. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) Posthuma hatte sich geschwind gebückt und überreichte dem alten Herrn mit artiger Verneigung sein Portefeuille und das Papier. „Herr Baron, ich habe die erste Ihrer Conditiones nun gehört; die'. Auseinandersetzung der folgenden bitte ich höflichst mir zu ersparen. Niemals werden Sie mich glauben machen, daß Graf Alfred eine Ahnung davon habe..." „Ganz recht, mademoiselle; wie ich Ihnen eben erklärt habe: nicht Graf Alfred, sondern die Frau Fürstin-Mutter und dero Sohn, Fürst Adalbert, das Oberhaupt der Familie, sind es, die von Ihnen unbedingte Unterwerfung und gehorsame