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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-04-01 · 14 (1.4.1904) · p. Seite 195

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 195 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14. Israelitische Wochenschrift. Seite 196. stellung der Oeffentlichkeit wurde alsbald mit der zweiten Lesung des Etats begonnen. Gleich bei dem Titel I der Einnahmen beantragte Herr Weinberg, von den Ueberschüssen der Vorjahre 330 000 M. bereitzustellen, um im Stadtteil Moabit eine Synagoge zu erbauen, und den etwa verbleibenden Ueberschuß für das Krankenhaus zu verwenden. In seiner ausführlichen Antragsbegründung legt er die Notwendigkeit einer Synagoge, speziell in dortiger Gegend, dar und polemisiert nochmals gegen das Krankenhaus zugunsten der ungleich wichtigeren Synagogenbauten, für die er seit dem Jahr 1888 kämpfe. Er erfülle mit diesem Antrag speziell seine Pflicht gegen seine Wähler, da er auf dieses Programm gewählt sei. — Herr Jacoby erwidert darauf, daß die Fertigstellung der Synagoge Rykestraße zunächst abzuwarten sei, ehe an weitere Synagogenbauten gedacht werden könne. Zudem sei es gar nicht erwiesen, ob gerade im Hansaviertel die Synagoge am notwendigsten sei. Wenn es schließlich soweit sein würde, so würden dazu die Mittel vorhanden sein, auch ohne daß eine ausdrückliche Bestimmung für die Verwendung der Ueberschüsse festgelegt werde. Gegen das Krankenhaus zu kämpfen, sei völlig verfehlt, da die Polizei sonst einfach die Schließung der bisherigen Anstalt anordnen würde, und die Gründung des Krankenhauses diene ebenso der Förderung der religionsgesetzlichen Bestimmungen wie die Synagogenbauten, die übrigens nicht nur den „auf das Programm gewählten" Repräsentanten, sondern auch dem gesamten Vorstand am Herzen läge. Den Beweis liefern die in den letzten Jahren neu erbauten drei Synagogen in der Linden-, Lützow- und Rykestraße. Es sei Zeitverschwendung, die Versammlung jetzt mit solchen Anträgen aufzuhalten. — Herr Martin Simon führt aus, wie unklug es wäre, den Vorstand darauf festzulegen, daß in einer bestimmten Gegend eine Synagoge erbaut werden müsse. Die Terrainspekulation würde sich diese bald bekannt werdende Tatsache zunutze machen und die Bodenpreise in die Höhe treiben. Er empfehle Ablehnung des Antrages. Es sei auf dem Gebiet gearbeitet und würde auch weiter gearbeitet werden, aber ohne Ueberstürzung, die wohl nach außen einen sehr guten Eindruck machen solle. Die Herren Cohn und Bodenstein bringen darauf einen modifizierten Antrag in Form einer Resolution ein. Die Repräsentanten erachten es für dringend wünschenswert, daß der Gemeindevorstand den Bau einer Synagoge im Nordwesten der Stadt ins Auge fasse. Zugunsten dieser Resolution, die einstimmig angenommen wird, zieht Herr Weinberg seinen Antrag zurück. Nun wird die Etatberatung fortgesetzt und sämtliche Titel werden wit den in der geheimen Sitzung aufgenommenen Modifikationen en bloc angenommen. Der Antrag Blumenthal zum Titel Subventionen, dem jüdischen Mädchenstift unter Leitung des Dr. Strelitz einen jährlichen Zuschuß von 500 M. zu bewilligen, wird auf Anraten des Vorstands als nicht hierhergehörig zurückgezogen. Alsdann wird der ganze Etat genehmigt. Es stellen sich die Ausgaben für: 1904/05 1905/06 1906/07 1 728 081,89 1 767 505,80 1 816 305 72 M. Einnahmen:. 343 815,95 341 615.95 339 415,95 „ so daß aufzubr. sind 1 384 265,94 1 425 889,85 1 476 889 77 M. Wegen der zum Etat seitens des Vorstands gestellten Anträge veranlaßt Herr Weinberg noch eine kurze Debatte. Alsdann erfolgt auch deren Annahme, einschließlich des Antrages, den Blumenthal-Nachlaß von 63 000 M. dem Pensionsfonds zuzuschlagen, gegen den Herr Weinberg nochmals Einspruch erhob, ohne jedoch eine Mehrheit zu erreichen. Schließlich wird dem Religionsverein Friedrichsberg noch eine Subvention von 2000 M. bewilligt und für die Speisung der Gefangenen in Insterburg und Kottbus am Peßach werden je 50 M. bereitgestellt. Schluß der öffentlichen Sitzung 2 Uhr. Wertin, 28. März. (Silberne Hochzeit.) Am Samstag hat das Rabbiner Dr. Eschelbachersche Ehepaar das Fest der silbernen Hochzeit gefeiert. Die zahlreichen Freunde, die Herr Dr. Eschelbacher und seine liebenswürdige, allezeit hilfsbereite Gattin sich in den wenigen Jahren ihres hiesigen Aufenthalts erworben, haben mit Freuden die Gelegenheit wahrgenommen, dem Jubelpaar ihre Sympathien kundzugeben. Kostbare Geschenke waren von allen Seiten dargebracht worden, die ganze Wohnung der Rabbinerfamilie war in einen Blumenhain verwandelt. Die Vorstände der beiden Synagogen Heidereutergasse und Kaiserstraße, in denen Dr. Eschelbacher ausschließlich funktioniert, haben einen prächtigen silbernen Tafelaufsatz überreicht; andere wertvolle und geschmackvolle Gaben kamen von Wohlfahrtsvereinen, denen Herr und Frau Dr. Eschelbacher als Vorstandsmitglieder angehören — wir nennen nur die Montefiore-Loge, den jüdischen Taubstummenverein, den Verein „Judas Töchter" und „Frauen-Unterstützungsverein" — und von den persönlichen Freunden des Hauses. Zahlreiche Besuche brachten ihre Glückwünsche persönlich dar und bewiesen dem Silberpaar, daß die von ihm ausgesäte Liebe auf dankbaren Boden gefallen ist. Werli», 30. März. (Gedächtnisfeier.) Die Freie Wissenschaftliche Vereinigung an der hiesigen Universität hat gestern abend im Brandenburger Haus eine Gedächtnisfeier für ihren bei Owikokorero gefallenen Alten Herrn Regierungsbaumeister Joseph Bendix veranstaltet. Wertin, 27. März. (Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums.) Das Verzeichnis der im Sommer- Semester 1904 an der hiesigen Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu haltenden Vorlesungen ist erschienen. Herr Dr. Baneth wird lesen: 1) Talmud Babli stat. Kidduschin Kap. II, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 2) Jore De'a (Tur und Schulchan 'Aruch, 83—86) zwei Stunde::, Montags und Donnerstags 10—11 Uhr. 3/ Eben ha'ezer XVII, 1 Stunde, Donnerstags 11—12 Uhr. 4) Mischne Tora, V. Buch, 2 Stunden, Montags unh Donnerstags 12—1 Uhr. 5) More N'buchim II, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 11—12 Uhr. 6) Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden, Mittwochs 11—1 Uhr. 7) Einleitung in den Talmud, 1 Stunde, Montags 11—12Uhr. Herr Dr. Elbogen wird lesen: 1^ Erklärung des Propheten Jesaia (Fortsetzung) 2 Stunden, Montags und Mittwochs 10—11 Uhr. 2) Die fünf Megillot, 1 Stunde, Sonntags 10—11 Uhr. 3) Talmud Babli curs., Schabbath Kap. VII, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr. 4> Geschichte der Juden in Deutschland vom XII.—XV. Jahrhundert, 2 Stunden, Dienstags 9—10, Freitags 10—11 Uhr. 5) Geschichte des Synagogenkultus und der synagogalen Literatur, Fortsetzung, 2 Stunden, Dienstags und Donnerstags 10—11 Uhr. 6) Judäa unter hasmonäischen und herodianischen Fürsten. (Für Studierende aller Fakultäten.'» 1 Stunde, Dienstags 6—7 Uhr. Herr Prof. Dr. Maybaum wird lesen: 1) Homiletik. 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2) Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr.

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