Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- Seite 183 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 13. Israelitische Wochenschrift. Seite 183. (E. V.) für das Jahr 1903. Der Verein hat im abgeschlossenen Jahr seine Tätigkeit erweitern können. Ihm ist es gelungen, den Hausbettel seitens israelitischer Hilsbedürftiger vollständig aufhören zu machen. München, 22. März. (N eligions'-.nterricht.) Die lebhaftere Fürsorge der Gemeindeverwaltung für den Religionsunterricht hat die Anstellung einer weiteren Lehrkraft notwendig gemacht. (Siehe Inserat.) London, 18. März. (Jüdische High-Sheriffs.) In der letzten Woche sind in zwei Grafschaften in der Nähe von London Juden zu High-Sheriffs ernannt worden. Die Grafschaft London wählte Herrn Benjamin Samuel Faudel-Phillips, den Sohn des bekannten Sir George Faudel-Phillips. Er ist wie sein Vater in manchen jüdischen Wohlfahrtsanstalten in Ehrenämtern tätig, u. a. im Jüdischen Kranken- und Waisenhaus und in der Jüdischen Taubstummenanstalt. — Der neue High - Sheriff von Surrey ist Edward D. Stern, der ebenfalls in jüdischen Kreisen auf das vorteilhafteste bekannt ist. Iasfy, 20. März. (Aus der Gemeinde.) Die Notablen der Gemeinde, die Herren Schnürer, Dr. Lippe und Rabbiner Dr. Niemirower an der Spitze, haben die Anregung gegeben, durch Einführung einer kleinen Mazzothsteuer die Lage des aus 11 Personen bestehenden Rabbinats zu verbessern. Leider stößt die Anregung auf Widerspruch. — Direktor Dr. Niemirower veranstaltete jüngst ein Fest der Kulturaschulen, das allgemeine Freude hervorrief. Die Schüler hielten rumänische und deutsche deklamatorische Vorträge, die jeden Beifall verdienten, und führten ein hebräisches Drama von M. CH. Luzatto, das Lehrer Goldenkron in Szene gesetzt hatte, vortrefflich auf. Die Zuhörer brachten auf den Reformator unseres Schulwesens, Herrn Rabbiner Dr. Niemirower, die tüchtigen Lehrer des Hebräischen, die I. C. A., die die Schulen unterstützt, stürmische Hochrufe aus. Wew-H)ork, 9. März. (Die vereinigten jüdischen Wohlfahrtsanstalten.) Dem Bericht der vereinigten jüdischen Wohlfahrtsanstalten von New-Pork entnehmen wir, daß im Rechnungsjahr 1903 im ganzen 10 924 Hilfsgesuche an die Vereine gerichtet worden, darunter 0260 von Personen, die vorher noch keine Unterstützungen erbeten haben. Von diesen 10 924 haben nur 7290 berücksichtigt werden können. 21 398 auf Gesuche bezügliche Briefe sind empfangen worden, 37 600 Personen haben sich persönlich im Unterstützungsbureau, 22 448 im Arbeitsnachweis-Bureau vorgestellt. 51875 Kleidungs- und Möbelstücke sind im Berichtsjahr verteilt worden; in der Werkstatt der Vereinigung wurden 5291 Stück neu angefertigt, 7932 Stück ausgebessert. Von 10 865 Arbeitsuchenden konnten nur 2957 mit Arbeit versorgt werden. Das Budget der vereinigten Wohlfahrtsanstalten weist die Einnahmesumme von 244 742 Dollars auf (ca. eine Million Mark), die Ausgaben belaufen sich auf 206 148 Dollar. Diese Ausgaben setzen sich zusammen aus 35 489 Dollar für monatliche Stipendien; 68 692 Dollar für gelegentliche Unterstützungen; 7623 zur Beförderung der Selbständigkeit von Familien; 17 416 für Umzugszwecke; 3839 Dollar für die medizinische Abteilung (einschließlich 1314 Dollar für Milch); 2269 Dollar für Werkzeug; 2836 Dollar für Kohlen usw. Der Vorstand beabsichtigt zur leichteren Bewältigung seiner Aufgabe, den am meisten von Juden bewohnten östlichen Stadtteil von New- Pork in vier Distrikte mit gesonderter Verwaltung einzuteilen. Ilew-Hork, 6. März. (Jahresbericht des Gemeindebundes.) Die Vertretung des Reformjudentums in den Vereinigten Staaten, der „Verband der jüdischen Gemeinden Amerikas" hat soeben ihren 30. Jahresbericht veröffentlicht. Der Verband besteht aus 125 Gemeinden und hat 13 083 persönliche Mitglieder. Die größte der zugehörigen Gemeinden ist der Tempel Emanuel in New-Pork, der 771 zahlende Mitglieder aufweist; die zweite ist die Sinai-Gemeinde in Chicago (512 Mitglieder), die dritte Keneseth Israel in Philadelphia (506 Mitglieder). Die lausenden Ausgaben des Berichtjahres überstiegen die ordnungsmäßigen Einnahmen um 7723 Dollar, mit dieser Summe beträgt das Defizit des Verbandes bereits 44 575 Dollar. Wenn die Gelder für die Erinnerungsstiftung an Jsaac M. Wise vollständig eingezahlt sein werden — im letzten Jahr sind 60 000 Dollar eingezahlt worden — wird der Verband kein Defizit mehr haben. Das dem Verband unterstehende „Hebrew Union College" hat im Berichtsjahr eine Subvention von 27 000 Dollar erhalten. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Rabbiner Dr. Plato in Köln a. Rhein hat bei der Niederlegung seines 35 Jahre lang verwalteten Amts als Direktor des jüdischen Lehrerseminars den Roten Adlerorden erhalten. Vakanzen. München. Sem. geb. Rel.-L., 2400 M. Geh., 600 M Wohn.-Zuschuß. Meld. an Herrn Justizrat Ofner. — Ober-Gleen. Sem. geb. Rel.-L. u. K. (led.) 800 M. Geh., fr. W. Meld. an Vorst. — Eichtersheim. Sem. geb. Rel-L, 1000 M. Geh, fr. W., 300—400 M. Nebeneink. Meld. an Herrn Rabbiner Dr. Doctor in Bruchsal. — Bensheim. K. u. Sch., 600 M. Geh., 600 M. Geb , fr. W. Meld. an Vorst. Feuilleton. Ei« Frauknlkben. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) Er verstummte — der alte Baron, den er seit vielen Jahren genau kannte, dem er schon oft mit geschäftlichem Rat gefällig gewesen, und der sonst gegen den allgemein geachteten Bankier die Artigkeit und Verbindlichkeit selbst war (es lag kaum eine Woche hinter ihnen, seit der Herr Intendant Emil Stahl mit Schmeicheleien über seine reizende niece mit der charmanten Stimme überhäuft) dieser nämliche vor kurzem -noch so leutselige Herr umgab sich heute mit einer Atmosphäre von eisiger Unnahbarkeit und zur Schau getragenem Hochmut, daß Emil die freundlichen Begrüßungsworte schier auf der Zunge erstarben. Hoch aufgerichtet stand der Aristokrat in seiner ganzen, eleganten Hagerkeit vor dem behäbigen Bankier und erwiderte dessen tiefe Verbeugung mit kaum merklichem Kopfnicken. Emil, bis ins Innerste erkältet, nahm jetzt gleichfalls eine sehr steife Haltung an und fragte gemessen: „Womit kann ich dem Herrn Baron dienen?" Der Baron trat an den Tisch und musterte Stahl mit hochmütigem Blick, als wäre der Mann da vor ihm ein Bettler, und er, der Adlige, der Hochgeborene, im Begriff, ihm ein Almosen von unsagbarem Wert vor die Füße zu werfen. Er mußte offenbar erst selbst der eigenen Erregung Meister werden, ehe er mit unfreundlicher und harter Stimme begann: „Mein Herr, ich suche Sie auf in einer Angelegenheit — ich danke, ich setze mich nicht — in einer Angelegenheit, die mir ebenso schmerzlich als beschämend ist. Beschämend insofern, als ich die allerdings höchst unschuldige Veranlassung gegeben habe, in ein dem Thron nahestehendes Fürstengeschlecht Leid und Familienzwist hineinzutragen..."