Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- Seite 182 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 182. Israelitische Wochenschrift. Nr. 13. gewiesen. Der Kapitalfonds des Vereins ist mehr als unzulänglich und reicht nicht entfernt aus, die Verpflichtungen gegenüber den Schwestern zu sichern. ILertin, 20. März. (Jüdisches Mädchenstift.) Das Jüdische Mädchenstift, Lothringerstr. 16, das in einem besonderen, von der Hausmutter Frau Henriette Baer geleiteten Heim unbemittelte jüdische Mädchen für den Dienstbotenberuf heranbildet, versendet seinen 14. Jahresbericht zugleich mit den im^Zusammenhang mit der Eintragung' des Vereins abgeänderten Satzungen. Die Anstalt hat im abgelaufenen Jahr 6 und im ganzen bereits 64 Zöglinge in den Dienst treten lassen und unter diesen 12 für 2—9 jährige treue Diensttätigkeit bei derselben Herrschaft mit einer Prämie ausgezeichnet. Sie bedarf zur Aufrechterhaltung ihres Bestandes von 16 Zöglingen dringend größerer Mittel, da der insgesamt 9040 M., d. i. 565 M. pro Kopf, betragenden Ausgabe eine satzungsgemäß zur Deckung bestimmte Einnahme von nur 8441 M. gegenüberstand. Das Vermögen beläuft sich auf 46 887 M. Vorsitzende sind Waisenhaus-Direktor Strelitz und Frau Julie Neumann. Die General-Versammlung, zu der auch Gäste willkommen sind, findet Donnerstag, 24. d. Mts, 6 Uhr, Schadowstraße 6, statt. Königsberg, 20. März. (Lehrerverein.) Der Verein jüdischer Lehrer zu Königsberg hielt am 15. d. M. seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Vogelstein, erstattete den Jahresbericht, Herr Lehrer Sandler gab für den behinderten Kassierer den Kassenbericht. Die Wahl des Vorstands ergab Wiederwahl des Herrn Rabb. Dr. Vogelstein zum Vorsitzenden, Waisenhaus-Inspektor Peritz zum stellvertretenden Vorsitzenden und Schriftführer und Kantor Cohn zum Kassierer. Nach Erledigung einiger weiterer geschäftlichen Angelegenheiten, hielt Herr Waisenhaus-Inspektor Peritz ein Referat über die religionswissenschaftlichen Ideen in Herm. Cohens beiden letzten Religionsschriften. („Kritik der Lazarusschen Ethik und die Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und Religionsphilosophie" usw.) Der Referent gab aus Herm. Cohens Schriften, Ausführungen folgender Fragen bezw. Themen: I. Vom Wesen der jüdischen Religion. Welches ist es und wie findet man es? Worauf beruht die Fortentwicklung und der Fortbestand des Judentums? (Wodurch sichert man der jüdischen Religion ihre Bedeutung als Kultur- und Weltreligion?) Die Notwendigkeit einer dogmatischen Behandlung der jüdischen Religion. — II. Die Bedeutung der Gottesidee in der Religion. Der Inhalt der jüdischen Gottesidee. Was sie im Gegensatz zu andern Religionen ausschließt. Die Bedeutung der Transzendenz Gottes für die Immanenz der menschlichen Sittlichkeit. Die Einheit im Judentum. III. Der Grundgedanke des Judentums. Unser Gott der Gott der Weltgeschichte. Die Bedeutung der messianischen Idee. IV. Die Einheit des Glaubens und die Sittlichkeit im Judentum. Das nähere Verhältnis beider im Judentum. Gott und die Sittlichkeit bezw. das Sittengesetz. Das Zeremonielle im Judentum, seine sittliche Wertung und religiöse Bedeutung. V. Das Verhältnis der Religion zur Philosophie. Gibt es eine Ethik des Judentums? Die Bedeutung der Philosophie für die Religion. Das Verhältnis der wissenschaftlichen Ethik zur Idee Gottes. Das Problem: Die Kontinuität der sittlichen Prinzipien in der geschichtlichen Entwicklung der Relrgion des Judentums. Die Idee des Rechts gegenüber dem Prinzip der Liebe in der Religion. Der lebendige Zusammenhang der jüdischen Gottesidee mit der reinen wissenschaftlichen Ethik. — Die durch den Referenten gebotene Auslese wurde in der folgenden Diskussion von den Mitgliedern fürihre Belehrungreichlich ausgenützt. Küstrin, 22. März. (Schächtverbot.) Die Angelegenheit des Schächtverbots ist in ein neues, günstigeres Stadium gerückt. Gerade den Bemühungen des Herrn Rechtsanwalts Arnholz ist es zuzuschreiben, daß das Verbot noch nicht publiziert worden ist und sich die Aussicht eröffnet, es werde gelingen, zu einer allseitig befriedigenden Verständigung zu gelangen. Danzig, 22. März. (Unterrichtsbericht.) Der dritte Jahresbericht über den jüdischen Religionsunterricht in hiesiger Gemeinde ist von Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal erstattet worden. Die Religionsschule hatte am 22. April v. I. 146 Zöglinge, darunter sämtliche jüdischen Schüler der Volks- und Mittelschulen, an denen kein besonderer jüdischer Religionsunterricht erteilt wird, ferner 39 Schüler der höheren Lehranstalten. Das Lehrerkollegium besteht aus dem Dirigenten (Rabbiner Dr. Freudenthal), den Lehrern Herren Schreiber und Friedländer und der Lehrerin Fräulein Berg. Am Samstag hat die Schlußfeier stattgefunden. Eßorn, 22. März. (Denkmalsenthüllung.) Heute hat hier die Enthüllung eines Denkmals Kaiser Wilhelms I. stattgefunden, zu der der Kronprinz in Vertretung des Kaisers erschienen war. Zu der Feier und dem danach folgenden Frühstück war mit den Geistlichen der verschiedenen Konfessionen auch unser Rabbiner, Herr Dr. Rosenberg, eingeladen worden. Hessen, 22. März. (Siechenhaus.) Der Verwaltungsbericht des jüdischen Kranken- und Siechenhauses (Rohrsche Stiftung) für das Jahr 1903 ist erschienen. Im Berichtsjahr sind 393 Patienten ausgenommen worden, die 12 889 Verpflegungstage beanspruchten. Frankfurt a. M) 20. März. (Philanthropin-Jubiläum.) Für die Jahrhundertfeier des Philanthropins ist nunmehr das Festprogramm ausgestellt und wird in den nächsten Tagen verschickt werden. Das Fest wird Donnerstag den 14. April in Gegenwart der staatlichen und städtischen Behörden, sowie wissenschaftlicher Korporationen und Vertreter der schulen durch eine akademische Feier im großen Saal des Saalbaues eingeleitet werden. Nachmittags finden daselbst musikalisch-theatralische Aufführungen durch frühere und jetzige Schüler und Schülerinnen der Anstalt statt. Für Freitag vormittag ist ein Schauturnen vorgesehen, und den Abschluß bildet eine gesellige Vereinigung in den Räumen des Palmengartens am Samstag den 16. April, abends 8 Uhr. Alle künstlerischen Veranstaltungen werden von früheren Schülern und Schülerinnen der Anstalt geboten; insbesondere haben die Damen Frl. Alice Aschaffenburg und Lony Eppstein, sowie die Herren Konzertmeister AlfredHeß, FriedrichHeß, Adolf Müller und S. Würzburger die Aufführung des musikalischen Teils und Herr Alfred Auerbach die Regie des dramatischen Teils freundlichstübernommen. Für den Schlußabend hat außerdem der Sängerchor des Lehrervereins seine Mitwirkung bereitwilligst zugesagt. Am Abend des 9. April findet eine von dem Verein ehemaliger Schüler des Philanthropins veranstaltete Vorfeier statt. Vom 10. April an wird im Schulgebäude eine Ausstellung geöffnet sein; neben Erinnerungen an die Geschichte der Schule sind schon jetzt hervorragende Werke namhafter Künstler, die ihre Schulbildung dem Philanthropin verdanken, angemeldet. Die Anmeldungen für Karten für die einzelnen Veranstaltungen kann schon jetzt erfolgen und hat unter Benutzung von Bestellformularen zu geschehen, die im Bureau des Festausschusses (Schillerstraße 22 I) zu haben sind. Wiesbaden, 22. März. (Unterstützungsverein.) Der 33. Jahresbericht des israelitischen Unterstützungsvereins