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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · p. Seite 685

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
Seite 685 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Seite 686. Frankfurt am Main, 33. November. (Philantropin- Jubiläum.) Nach dem nun feststehenden Programm für die Feier des hundertjährigen Bestehens des hiesigen Philanthropins wird am Donnerstag den 14. April 1904 vormittags eine akademische^ Feier stattfinden, der am Nachmittag eine Festaufführung, veranstaltet von jetzigen und früheren Schülern und Schülerinnen der Anstalt, folgen wird. Nachfeiern in Gestalt von turnerischen Darbietungen, sowie Veranstaltungen geselliger Art werden an den beiden folgenden Tagen geboten werden. — Da die Adressen mancher der ehemaligen Schüler trotz eifriger Bemühungen des Adressen-Ausschusses bisher nicht zu ermitteln waren, so werden die früheren Zöglinge des Philanthropins, denen aus diesem Grund bisher eine direkte Mitteilung über das Jubiläum nicht zugekommen ist, gebeten, ihre genauen Adressen an Herrn Direktor Dr. Adler, hier, Rechneigrabenstraße 16, zu senden. Posen, 33. November. (Zionistenspektakel.) Der Zentralverein der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte auf einen Abend voriger Woche eine Versammlung anberaumt, zu der zahlreiche Vertreter des Vereins aus der Provinz und die Vorsitzenden Rechtsanwalt Horwitz und Justizrat Dr. Fuchs aus Berlin erschienen waren. Die hiesigen Zionisten hielten die Gelegenheit zu einer Propaganda für ihre Zwecke für günstig und verschrieben sich Herrn Dr. Heinrich Loewe aus Berlin. Der tat, was er konnte: Er verekelte den Hörern sich und den Zionismus aufs gründlichste. Das ging selbstverständlich nicht ohne Brüllen und Lärmen ab, aber die Wirkung war vollständig. Paris, 23. November. (Der Kultusetat in der Deputiertenkammer.) Bei der vor einigen Tagen auf der Tagesordnung stehenden Beratung des Kultusetats hat die Deputiertenkammer folgende, die jüdischen Gemeinden betreffenden Positionen einstimmig angenommen: Gehälter für Angestellte 133,150 Francs; Zuschuß für das jüdische Lehrerseminar 22,000 Francs; Beitrag für den Baufonds protestantischer und israelitischer Gotteshäuser 5 t,000 Francs. Diese Summen erreichen denselben Betrag, der schon während der letzten Jahre für diesen Zweck bewilligt worden war. London, 33. November. (Der Chanukagottesdienst für jüdische Soldaten.) Das offizielle Militärverordnungsblatt enthält die Ankündigung, daß der öffentliche Chanukagottesdienst für die im Heer dienenden Juden am Nachmittag des 13. Dezember in der Neuen Westend-Synagoge stattfinden wird, und daß alle Soldaten, die daran teilzunehmen wünschen, sich bis zum 1. Dezember bei dem amtierenden Geistlichen Rabbiner F. L. Cohen zu melden haben. Der Kommandeur der Garde und der übrigen in London und Umgegend garnisonierenden Regimenter, General Oliphant, hat die Absicht, der diesjährigen Chanukafeier beizuwohnen. Bischof Taylor- Smith, der Generalkaplan der Armee, und General Lord Grenfell, Kommandeur des 4. Armeekorps, mußten die geplante Teilnahme an diesem Gottesdienst aufgeben, weil sie an dem betreffenden Tag infolge früherer Abmachungen auf Dienstreisen von London fern sein werden. London, 20. November. (Zionistenversammlung.) In den verschiedensten jüdischen Kreisen Londons ist man recht unzufrieden mit dem Verlauf der Zionistenversammlung, die für letzten Samstag von dem West-Zentral- und dem West- London-Zionistenverein einberufen worden war. Die anwesenden Redner waren' fast durchweg Anhänger des Ostafrikaprojekts und verurteilten alle Zionisten, die sich als Gegner dieses Plans erklärt hatten. Besonders heftig waren die Angriffe gegen den in der Versammlung nicht anwesenden Chacham Dr. Gaster, der sich, trotz vorheriger getreuer Anhängerschaft an den Zionismus, vor kurzem als Gegner Dr. Herzl's bekannt und das Ostafrikaprojekt energisch bekämpft hat. Man findet dieses Vorgehen gegen den allgemein verehrten Rabbiner besonders rücksichtslos, auch in zionistischen Kreisen, weil er nicht persönlich zur Stelle war, um seinen Standpunkt zu rechtfertigen. Es heißt, Dr. Gaster werde demnächst eine Zionisten-Versammlung einberufen, um sich zu verteidigen, und als Gast würde dieser Versammlung Sir Harry Johnston beiwohnen, der wiederholt englischer Gouverneur in ostafrikanischen Kolonien gewesen, und der aus ökonomischen Gründen ein großer Gegner der Ansiedelung in jenen Gegenden ist. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der der englischen Regierung der Dank für das Anerbieten „einer autonomen jüdischen Niederlassung in Britisch-Ostafrika" und dem Dr. Theodor Herzl ein Vertrauensvotum als Leiter der zionistischen Bewegung ausgesprochen wird. Helsmgsors, 23. November. (Sel st verständliche Ausnahme.) Eine vom Kaiser bestätigte Verordnung vom 10.d. M. gestattet den russischen Untertanen, die nicht finische Bürgerrechte genießen, unbewegliches Eigentum jeder Art in Finland zu erwerben und solches mit denselben Rechten zu besitzen, wie die finischen Eingeborenen. Die früheren Einschränkungen behalten ihre Giltigkeit nur für Juden. — Selbstverständlich! Kopenhagen, 20. November. (Jubiläumsgottesdienst.) Unter den vielen feierlichen Veranstaltungen, die bei Gelegenheit des vierzigjährigen Regierungsjubiläums unseres Königs hier abgehalten worden, ist der Festgottesdienst in der festlich geschmückten Synagoge besonders ausgefallen durch die glänzende Rede des Oberrabbiners Dr. Lewenstein, die in beredter Weise ausführte, wie der Jude in allen Zeiten, allen Ländern und in allen Lebenslagen treu der Regierung und ihrem Oberhaupt anhängt. Er knüpfte diese Darlegungen an bte Haftarah der vergangenen Woche an. Die vortreffliche Ansprache machte um so größeren Eindruck, als unser verehrter, als Talmudgelehrter und Prediger gleich berühmter Rabbiner trotz der kurzen Zeit seines hiesigen Aufenthalts die dänische Sprache mit einer Eleganz und Meisterschaft handhabt, die bei einem Ausländer zu den größten Seltenheiten gehört. Petersburg, 33. November. (Ein Rundschreiben des Kriegsministers.) Ein hiesiger Korrespondent ausländischer Zeitungen ist in den Besitz eines Geheimzirkulars gelangt, das vom russischen Kriegsminister unter dem 31. Januar d. I. an alle höheren Militärbehörden des Reichs verschickt worden sein soll. Das Rundschreiben bespricht die Bestrebungen der revolutionären Gruppen, ihre regierungsfeindliche Propaganda unter den Juden in Rußland zu verbreiten, und enthält folgende Stelle: „Es ist ferner erwünscht, daß sowohl die Wohnungen der jüdischen Soldaten wie ihr gesamter Verkehr auf das sorgfältigste überwacht werden. Es ist erwiesen, daß diese Soldaten an ihren Garnisonplätzen Beziehungen mit dort wohnenden Juden pflegen, und daß unter diesen Juden viele revolutionäre Elemente zu finden sind." Warschau, 23. November. (Aus dem Gemeindeleben.) Vor einiger Zeit wurde hier neben den vielen anderen Wohltätigkeitsinstituten ein Verein gegründet D^irp ntHü, der einem sehr stark empfundenen Bedürfnis abhelfen soll. Der Name sagt schon den Zweck an; wenngleich die Mittel noch nicht hinreichen, allen Ansprüchen zu genügen, so wirkt er doch schon sehr segensreich. Es ist zu wünschen, daß er sich immer weiter und kräftiger entwickle. Zu dem Zweck hielt auch der rühmlich bekannte Herr Dr. phil.

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