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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · p. Seite 684

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
Seite 684 (sequence 12)
Language
German
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Seite 684. Israelitische Wochenschrift. Nr. 48 Derlin, 24. November. (Bericht des Hilfsvereins der deutschen Juden über Homel.) Dem Hilfsverein der deutschen Juden ist ein ausführlicher Bericht über die Unterstützungsaktion in Homel zugegangen, aus dem uns die folgenden Daten zur Verfügung gestellt worden sind. Die Geschichte der Exzesse ist zu bekannt, als daß wir sie nochmals zu wiederholen brauchten. Das Resultat war für die Juden 8 Tote, 100 Verwundete, 400 Familien ruiniert und ein Materialschaden von 110000 Rubel. Die Unterstützungsaktion wurde, da der Gouverneur nicht, wie in Kischinew, die Bildung eines speziellen Komitees erlaubte, von dem lokalen Hilfskomitee für arme Juden übernommen, an dessen Spitze Dr. A. Salkind steht. Vicepräsident ist Herr M. I. Zeitlin, Kassierer Herr L. Charlapp. Dieses Komitee besteht aus 18 Personen, denen sich für die besondere Aktion noch weitere 18 Herren aus den jüdischen Honoratioren der Stadt anschlossen. Das Komitee wurde in 4 Kommissionen eingeteilt, je eine für Einnahmen, Ausgaben, Informationen und Juriskonsulat. Alle Bittschriften gehen dem Präsidenten zu, der sie der Informationsabteilung zuweist. Dieses nimmt die Prüfung vor, und nachdem deren Ergebnis vorliegt, wird durch das Plenum die Summe festgesetzt, welche man dem betreffenden Bittsteller bewilligt. Man mußte zuerst Nahrungsmittel verteilen, dann aber mit Rücksicht auf die unmittelbar bevorstehenden Feiertage den Aermsten kleine Geldunterstützungen zu teil werden lassen. Sobald aber dies dringendste Bedürfnis mit rund 2000 Rubel Ausgabe erledigt war, widmete sich die Kommission der Aufgabe durch Beschaffung von Handwerkszeug und Waren den geschädigten Familien wieder zu einer Existenz zu verhelfen. Dafür wurden bisher 35 000 Rubel gebraucht, dieser Betrag ist jedoch nicht annähernd ausreichend. Eine weitere Verpflichtung erwuchs dem Komitee in der Fürsorge für die Familien der getöteten oder arbeitsunfähig gemachten Opfer der Exzesse. Dafür sind bisher 15 000 Rubel ausgegeben worden, weitere 10 000 werden noch allein hierfür nötig sein. Endlich muß das Komitee für die Familien derjenigen Juden sorgen, welche bei den Exzessen verhaftet wurden, weil sie angeblich das Recht der Selbstverteidigung überschritten, resp. sich gegen Polizei oder Militär zur Wehr gesetzt haben. Zur Zeit sind noch in Haft aus diesem Grunde 35 Juden, dagegen nur etwa 50 Christen, die wegen ihrer Mitschuld bei den Exzessen angeklagt worden sind. Im ganzen hat das Hilfskomitee bisher verausgabt 57 000 Rubel, wird aber noch ca. 100000 Rubel brauchen. Eingegangen sind bisher 90 000 Rubel, darunter aus Homel selbst ca. 8000 Rubel, aus Rußland noch weitere 37 000 Rubel, vom Hilfsverein der deutschen Juden (inkl. 3500 R. von der Großloge U. O. B. B.) 37 000 Rubel, von der Israelitischen Allianz in Wien ca. 5000 Rubel, vom Hilfskomitee für die russischen Juden in Frankfurt ca. 4500 Rubel, endlich von dem Anglo - Russian Komitee in London ca. 9000 Rubel, in Summa rund 90 000 Rubel. Wie man sieht, ist die nötige Summe noch nicht erreicht, doch fehlt noch von den großen westeuropäischen Organisationen die Alliance israelite universelle, von der das Hilfskomitee in Homel bisher nichts erhalten hat, auch gehen aus Rußland noch immer Beiträge ein. Für den Notfall hat der Hilfsverein der deutschen Juden einen weiteren Beitrag in Aussicht gestellt, und auch die anderen Hilfsorganisationen werden nicht fehlen, falls noch weitere Beiträge nötig sein sollten. So darf man hoffen, daß wenigstens der dringendsten Not auch diesmal noch gesteuert werden kann. Kerlin, 23. November. (Die Orgelfrage.) Am vergangenen Donnerstag Abend fand in einem Saal der Königstädtischen Brauerei eine von Herrn Geheimrat Dr. Blumenthal berufene und geleitete Versammlung jüdischer Gemeindemitglieder statt, in der Herr Aaron Hirsch über die Frage referierte, ob die neue Synagoge in der Rykestraße mit einer Orgel auszustatten sei oder nicht. Er legte dar, daß s. Z. bei der Bauvorlage an die Repräsentantenversammlung in dem Plan wohl ein Platz für die Orgel vorgesehen gewesen, daß aber unter den spezifizierten Geldforderungen keine enthalten war, die Aufwendungen für die Orgel in sich schloß. Die konservativen Repräsentanten würden gegen die Orgeleinrichtung stimmen, obwohl der Vorstand in seiner Mehrheit und sogar ein Mitglied des Rabbinats dafür sei. Herr Geheimrat Blumenthal betonte in seinen ergänzenden Ausführungen, daß den konservativen Repräsentanten daran gelegen sein müsse, in ihrer Stellungnahme — nicht in ihrer Abstimmung — dadurch gefestigt zu werden, daß aus der Mitte der beteiligten Gemeindemitglieder mit besonderem Nachdruck die Ablehnung der Orgel gefordert werde. — Das geschah denn auch in recht deutlicher Weise. Eine entsprechende Resolution wurde angenommen, nachdem in längerer Debatte die Orgelgegnerschaft recht ausgiebig zu Worte gekommen war, einzelne Mitglieder zudem Gelegenheit genommen hatten, ihre weitergehenden orthodoxen Wünsche vorzutragen. Von seiten der anwesenden konservativen Repräsentanten wurde verheißen, daß sie eine Statutenänderung mit Einschluß der Bezirkseinteilung ernstlich in Angriff nehmen wollten. — Credat Judaeus Apella! ßerlin, 22. November. (Wohltätigkeits-Fest.) Die Wohltätigkeits - Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen „Judas Töchter" veranstaltet zugunsten ihrer Unterstützungskassen am Sonntag, 39. November, im Saal des Langenbeck- Hauses, Ziegelstraße 10-11, einen Vortragsabend, bei dem namhafte Künstler und Künstlerinnen Mitwirken werden, wie Kgl. Hof-Opernsängerin Frau Lieban-Globig, Fräulein Irene Triesch (Deutsches Theater), Fräulein Hedwig Reicher (Neues Theater), Fräulein Emmy Kanitz (Rezitation), Fräulein Marie Hilbert, Opernsängerin, Herr Hans Land, Herr Johannes Cotta u. a. m. Der Anfang ist auf 8 Uhr präzise, der Eintritt auf Mk. 1.— inkl. Garderobe festgesetzt. Billets sind Abends an der Kasse erhältlich. Derlin, 25. November. (Judentags-Wehen.) Am kommenden Sonntag, 29. November, findet hier abermals eine verschwiegene Beratung zur Begründung eines Deutschen Judentags statt. Man gibt sich recht überflüssige Mühe, den Nachweis zu erbringen, daß der D.-J. G.-B. auch den bescheidensten Erwartungen nicht entspricht. Das ist erwiesen, ohne daß man deswegen einen neuen Verein mit denselben Männern zu machen braucht. Königsberg i. Pr., 24. November. (Das Vereinsleben.) Der Obersekretär der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Klein, hat in diesen Tagen, wie seit einer Reihe von Jahren, eine tabellarische Uebersicht über die Wirksamkeit der in hiesiger Gemeinde befindlichen Wohltätigkeitsvereine und Institute gefertigt. Hiernach betrug am Schluß des Jahres 1902 das Gesamtvermögen der Vereine und Institute 1401 262,41 M. (+ 40 886,47 M.), die Gesamtsumme der gewährten Unterstützungen 101 459,01 M. (+ 851,88 M.). Die Jahresbeiträge der Mitglieder beliefen sich auf 29 228,45 M. (+ 955,60 M.). Es ist erfreulich, daß sich die Leistungsfähigkeit überall gegen das Vorjahr gehoben hat.

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