Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 47 (20.11.1903)
- Date
- 1903-11-20
- Page
- Seite 665 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 47. Israelitische Wochenschrift. Seite 665 *je'V und Lust zur Landwirtschaft und mit einem Kapital von ungefähr 300 L. St. Herkommen, um hier zu bleiben, und für ihren eigenen Bedarf und für den Export arbeiten und produzieren Leuten ohne Geldmittel muß dringend vor der Niederlassung in Ostafrika abgeraten werden, denn es ist durchaus erforderlich, daß die Ankömmlinge sich mit massiven Häusern und den notwendigsten Einrichtungsstücken versehen. Das Klima ist gut, doch darf nicht vergessen werden, daß das Land dicht am Aequator liegt und daß die Gebäude Sonne und Regen müssen Widerstand leisten können. Jeder angehende Ansiedler, der über die obenerwähnten Mittel verfügt, wird imstande sein, sich zu ernähren und bequem zu leben." Das sind die Informationen, die ich Ihnen vorzulegen wünschte und die ich dahin resümieren kann: Ein Land in der Nähe des Aequators, das 70 000 Personen aufnehmen kann, 300 Meilen von der Meeresküste entfernt liegt, verhältnismäßig kühles Klima mit tropischen Regengüssen und während der Regenzeit morastiger Boden hat; plötzlicher Wetterwechsel, der Fieber und andere Krankheiten zur Folge hat; ein Land, dem außer der Eisenbahn jedes Verkehrsmittel fehlt; keine Wasserwege; unregelmäßige Regen und gelegentliche Trockenheit; der Boden noch jungfräulich, wo er nicht bereits von Eingeborenen bebaut worden, und andererseits dichte, undurchdringliche Wälder mit wilden Tieren, die die Menschen und ihre Feldfrüchte bedrohen. Diesen Beschreibungen aus englischen Quellen will ich zufügen, was über das benachbarte Deutsch-Ostafrika in Meyers Konversationslexikon steht: „Große einförmige Ebenen, die von felsigen Schluchten und Tälern durchkreuzt werden, in der Regenzeit gutes Weideland, in der trockenen Jahreszeit ausgedörrte Wüsten, bilden diesen Teil des Landes." (Schluß folgt.) Sprechfaul'. Krdkckte» Hauptes. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die verehrliche Redaktion gestatte mir, zu der Tragikomödie, die sich in einer früheren Repräsentantensitzung aus Anlaß einer jüngst wieder zur Sprache gebrachten Resolution -des Verbandes der Synagogenvereine abgespielt hat, das Wort zu nehmen. Einstweilen möchte ich nur über die barhäuptige Schulinspektion sprechen, die in der Sitzung so viel Aufregung verursacht hat. Der Brauch, das Haupt bedeckt zu halten, zählt keineswegs zu den „Tarjag" Geboten und Verboten; er ist ebenso Minhag oder Middas Chassidus, wie der Brauch, am Sabbat nur hebräisch zu sprechen. Allerdings ist jener leichter zu üben, als dieser, dessen obligatorischer Charakter manchen unserer eifrigen Frommen zu sabbatlichem Verstummen nötigen würde. Im Schulchan Aruch, Orach Chajim 91, 3 heißt es: „Einige sagen, daß es verboten sei, den heiligen Gottesnamen entblößten Hauptes auszusprechen; und einige sagen, daß es zu verwehren sei, entblößten Hauptes ins Gotteshaus zu kommen". Hierzu bemerken hervorragende Kommentatoren: „Wenn Orach Chajim 2, 6 vorgeschrieben ist, nicht vier Ellen weit entblößten Hauptes zu gehen, so ist das als Middas Chassidus aufzufassen". Die bedeutendste rabbinische Autorität des 15. Jahrhunderts, Rabbi Israel Jsserlein, der nicht nur seiner Gelehrsamkeit, sondern auch seines frommen, selbstlosen und entschiedenen Sinnes wegen weithin Verehrung genoß, schließt ein Responsum (Peßakim 203) auf die Anfrage, ob ein Eid entblößten Hauptes bei dem vierbuchstabigen Gottesnamen geleistet werden dürfe, mit den Worten: „Entblößten Hauptes zu schwören, ist über- Haupt gar nicht als religiös bedenklich anzusehen". Der Midrasch läßt bei Erwähnung des Brauchs, auch in den Bethäusern das Haupt bedeckt zu halten, Gott zu Israel sagen: „Sehet, wie wenig ich Sklavendienst von euch verlange — ich habe euch nicht einmal bemühen wollen, das Haupt zu entblößen, während ihr das Sch'ma lest und mich als Wellenkönig anerkennt". Sonach steht nicht zu besorgen, daß das Judentum untergeht, auch wenn barhäuptig inspiziert wird. Gleichwohl bin ich für Beibehaltung der alten Sitten des Kopfbedeckens beim Unterricht, aber auch — für Belehrung der Jugend über die bezüglichen Ansichten unserer Weisen. Nach solcher Belehrung wird den Kindern die — allerdings besser unterbleibende — Hauptentblößung des Inspizienten nicht allzu erheblich scheinen. Darf man einer Aeußerung der verehrlichen Redaktion entgegensehen? Amitti. * * * Wenn unserer Alten Einer oder Einer, der ihnen gleich wäre, in der Ferne hörte, daß man in Berlin das Abnehmen der Kopfbedeckung seitens des Inspizienten beim Religionsunterricht zum Gegenstand hochnotpeinlicher Anklage machte — er würde die Berliner Gemeinde als die frömmste aller Gemeinden preisen. Käme er aber zu uns, so würde er erstaunt und zürnend fragen: „Und andere Sorgen habt ihr gar nicht?" Die Redaktion. Die Synagoge in Crone a. §. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der „Posner Zeitung" wird aus Crone a. B. unter dem 18. v. Mgeschrieben: „Das Gotteshaus der hiesigen jüdischen Gemeinde befindet sich in schlechtem Zustande und ist eine Reparatur bezw. Renovation notwendig geworden. Diese ist jetzt beschlossen worden. Durch Wegzug vieler kapitalkräftiger Mitglieder in den letztönJahren ist die Gemeinde nicht in der Lage, diese erheblichen Reparaturkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Es hat sich deshalb in Berlin ein Komitee von einigen aus Crone gebürtigen Herren gebildet, das sich an die in Crone Geborenen und Erzogenen mit der Bitte um einen einmaligen Beitrag gewandt hat. Schon heute können wir von einigen bedeutenden Zeichnungen, wie 500, 400, 300, 200, 100 Mk. rc. berichten. Es ist daher die Hoffnung vorhanden, daß das Ergebnis erheblich sein wird. Jeder Interessierte wird gebeten, sein Scherflein beizutragen, und den Komiteemitgliedern, die sich in Erinnerung an ihre Geburtsstadt der gewiß nicht unerheblichen Arbeit unterzogen haben, gebührt öffentliche Anerkennung und Dank." Wir haben dem hinzuzufügen: Es ist wahrhaft anerkennenswert und rührend, wie selbst viele Damen, die in Crone geboren, aber durch Verheiratung nach auswärts den Angelegenheiten ihrer Vaterstadt fernstehen, freudig ihren Beitrag zeichneten. Andererseits haben Männer, die dort geboren und sich in den besten Verhältnissen befinden, deren —%