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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-11-06 · 45 (6.11.1903) · p. Seite 641

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
Seite 641 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 45. Israelitische Wochenschrift. Seite 641. Juden übergehen würde, die ihre Macht dann zur Zerstörung der Kirche benutzen würden. Ein Parlamentsmitglied fügte hinzu, daß den Juden einen Ruheplatz in England zu geben, eine Hauptbedingung für den christlichen Glauben vernichten würde. Ein andrer erinnerte die Minister, zu welcher Ausbreitung und zu welcher Macht die Juden es in 430 Jahren in Egypten gebracht hätten. Die Gefühle des Volkes wollten es nicht erlauben, und trotz des unbestreitbaren Niedergangs des kirchlichen Geistes gab es keine Frage, in der die öffentliche Meinung so empfindlich wäre." Von der rumänischen Judenpolitik sagt er an anderer Stelle: „Sie bildet eins der schmählichsten Kapitel der modernen Geschichte und hat mehr als alles andre dazu beigetragen, die früheren Sympathien für die orientalischen Christen zu verringern." Mr. Leckys vorzeitiger Tod ist sehr zu beklagen, und keine Klasse des englischen Volkes wird ihn mehr betrauern, als die Juden. Aber wir haben den Trost, daß sein Einfluß nicht mit ihm gestorben ist. Bücher, wie die „Geschichte des Rationalismus" werden immer gelesen werden und für viele Generationen werden Englands Leser ihre Begeisterung für Freiheit und Toleranz aus seinen Spalten schöpfen. Sprrechscrcrl. Eingesandt. Berlin, 29. Oktober 1903. Sehr geehrter Herr Redakteur! Nach dem, was die sogenannten konservativen Repräsentanten, als sie noch zur Kandidatur standen, alles für das konservative Judentum zu tun versicherten, sollte man es nicht für möglich halten, daß dieselben Herren Leute, wie Göiger, Dr. Schäfer u. s. w., in den Vorstand eines „Talmud- Thora"-Vereins wählen konnten. Wo bleibt da „Ehre und Gewissen", wo „Treue und Glaube", worauf sie als konservative Kandidaten und später gewählte Repräsentanten von ihren Wählern verpflichtet worden sind, wenn ein Mann, wie Geiger, der da behauptet, Uwi Cepsjamo sei eine Schmach des jüdischen Gebetes, wenn ein Mann, wie Dr. Schäfer, der da behauptet, die Beschneidung, das ewig untrügliche Zeichen des Judentums, sei ein Frevel, wenn man solche Leute als Vorstandsmitglieder eines jüdischen Vereins von solcher immenser Bedeutung für das traditionelle Judentum wählt! Vorausgesetzt, daß einige zur konservativen Richtung gehörende Repräsentanten nicht für diese Herren gestimmt haben, weshalb legen diese ersteren nicht unbedingt Wert darauf, daß ihre Namen öffentlich genannt werden, um so ihren Wählern Gelegenheit zu geben, festzustellen, wem sie für die Folge Vertrauen entgegen zu bringen haben, und wen sie bei der nächsten Wahl von der Bildfläche verschwinden lassen sollen! — Auch bezüglich der geplanten Orgelsynagoge in der Rykestraße ist es für die Wähler von Bedeutung, zu wissen, wer von den Repräsentanten für und wer gegen dieselbe ist, da es zweifellos dem Gros der jüdischen Wähler im Norden daran gelegen ist, eine Synagoge nach Ritus der Haidereutergaffe dort zu haben. Eine etwaige Entschuldigung, daß der Vorstand der Gemeinde sich nicht nach dem Willen der Repräsentanten richtet, ist Nonsens, da die Herren Repräsentanten vor der Wahl so sehr mit ihrem steifen Rückgrat renommierten. Habe ich es doch allein — wie ich dies durch schriftliche Beweise feststellen lassen kann — anläßlich der letzten Repräsentantenwahlen fertig bekommen, nachdem ich mit der ganzen Wucht meiner Energie dafür eingetreten bin, daß trotz aller Widersprüche Kandidaten, welche heute als „Leuchte" der Repräsentanz gelten, auf die Liste gestellt und später auch mit großer Majorität gewählt worden sind; weshalb sollten es Viele nicht haben vereiteln können, daß erstens solche Männer nicht in den Vorstand des Talmud- Thora-Vereins gewählt werden, zweitens eine Orgel in der Synagoge Rykestraße zu unterlassen ist? — Wenn die betr. Herren das Vertrauen ihrer Wähler nicht besser rechtfertigen, wenn ferner die wahrhaft konservativen Repräsentanten nicht den Mut haben, ihre Namen bei allen derartigen, den traditionellen Gefühlen widersprechenden Entscheidungen öffentlich zu nennen und dadurch die Wähler auf die event. Gefahren bei den nächstens stattfindenden Wahlen rechtzeitig aufmerksam zu machen, dann können die Herren im liberalen Lager schon heute „Viktoria!" rufen. Emil Bernstein, Weinbergsweg 11a. Die Politik. (Tod des Professors Theodor Mommsen.) Am letzten Sonntag starb zu Charlottenburg Theodor Mommsen, der Senior der deutschen Gelehrten, der größte Stolz der deutschen Wissenschaft. Es ist hier nicht der Ort, seiner Verdienste zu gedenken. Wir wollen nur daran erinnern, daß Mommsen, der stets für Freiheit und Recht eingetreten ist, auch für die Juden eintrat: er war einer der Begründer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Mommsen's Andenken wird nicht untergehen. ' * * * (Ein teutscher Mann.) „Um zur politischen Arbeit für den Mittelstand ganz frei zu werden", hat Herr Krösell sein Pastorat niedergelegt. So hat er seinen Wählern erzählt. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete habe nicht bloß auf sein Pfarramt, sondern zugleich auf die Rechte des geistlichen Standes verzichtet. — Da wir nicht annehmen können, daß der Vorkämpfer für teutsche Tugenden seinen Wählern wissentlich eine Unwahrheit gesagt, daß er mit einer freiwilligen Hingabe an eine freiwillig übernommene Pflicht bloß geprahlt hat, so müssen wir natürlich glauben, daß Herr Krösell auch auf die Rechte des geistlichen Standes verzichtet hat, einzig „um zur politischen Arbeit für den Mittelstand ganz frei zu werden". — Am Ende sind schon die Krösell'schen Beziehungen zu seiner Hausdame der Ausdruck seiner Mittelstands - Opferfreudigkeit gewesen. * * ' * (Die russischen Judengesetze.) Der Londoner „Times" zufolge hat der russische Minister des Innern an die Gouverneure der Provinzen und an andere Behörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie aufgefordert werden, über die Schwierigkeiten zu berichten, auf die man bei Durchführung der auf die Juden bezüglichen Gesetze gestoßen wäre. Es wird zugegeben, daß viele der Gesetze veraltet, einander widersprechend und im Wortlaut ungenau seien. Die Folge davon wäre, daß die Auslegung nicht nur bei verschiedenen Gerichten, sondern manchmal in ein und demselben Gerichtshöfe eine verschiedene

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