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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 20. (1903) · p. Seite 79

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 20. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 Das Wort: Verschaffe Dir einen Lehrer, suche aus Zweifeln herauszukommen und verzehnte nichts nach Gutdünken stimmt ganz genau mit dem Wesen des Mannes übereiu, der nichts dem Gutdünken des Einzelnen überlassen wollte. Und wer wäre denn שמעין בנן anders, als der sofort darauf wiederredende Simon ben Gamaliel II dem Aboth 2 Rabbi folgt? Das sind gerade so offen zu Tage liegende Dinge, daß es sich hier sicher um eine andere Auffassung Bachers handelt, die aber hätte angegeben sein müssen. (Viell. S. 94, Anm. 4?) Gelegentlich der Beratung, ob das Thoralernen die Ausübung überwiegt, oder das Gegenteil, ist die zeitliche Berechnung, wie weit in der Wüste die Erlernung der Ausübung in Palästina vorausging, herkömmlich, aber meines Erachtens nach mit Unrecht auf Jos. Hagelili zurückgeführt; vielmehr ist es Jos. ben Chalafta’s Art, derartige Geschichtsberechnungen zu machen; ist er doch der Verfasser der Seder Olam. Vgl. auch Ende Challah und Anfang Orlah 12 עת שבאן, wo Geschichtsüberlieferungen die Verbindung zwischen beiden Traktaten herstellen und man Jose’s ordnende Hand erkennt Ob Jose bei jener Beratung zugegen war, ist Nebensache; er ist h i e r, wie auch sonst, wo vom Gegensätze zwischen Gamaliel und Josua die Rede, der Ueberlieferer des Ganzen, und so ziehe ich die Lesart Kidduschin 40 b vor. Eine bedeutende Seite des Buches ist die Aufhellung von Beziehungen zwischen Personen oder ganzen Schulen, seien es die der Schule Gamaliels zu Jochanan ben Sakkai, die mustergiltig durchgeführt wird, oder die Eleasar ben Parta’s zu Eleasar dem Modiiten (S. 401). Beim Streite Jose’s des ben Dursmaskith mit Juda über חדרך (S. 891) konnte noch an Deutungen wie לך ומל כרמל oder חשמל erinnert werden, an ירט und ähnl., um auf die gemeinsame Quelle zu führen, die zu Juda ben Bathyra und der Schule Eliesers leitet. S. 141 heißt es ״Josua findet in Exodus 1716 den Vernichtungsplan gegen Amalek zur Messiaszeit angedeutet“. In unserer Abhandlung ״Einiges über die Agada in der Mechiltha“ (Semitic Studies, Calvary, S. 467) heißt es dagegen: ״Wird Amalek durchs Schwert besiegt, so lehrt R. Josua, daß Moses die Feinde■ mild behandelt habe (Am. 1. Ende). Der Vernichtungsbefehl gegen Amalek hat nach ihm nur auf Amalek, höchstens noch auf Hamans Zeit Bezug (2. כי מחה) . . . R. Josua hat ja auch am bo bajom gegen R. Gamaliel den Gedanken siegreich durchgefochten, daß nach den Kriegen Sanheribs die alten Völker sich vermischt hätten und heute nicht mehr vorhanden seien, so daß die Ausnahmegesetze auf sie ihre Geltung vollkommen eingebüßt hätten“. Also handelt sich’s auch dort bei Josua nur um die Gestaltung des Messiasreichs selbst, die ja auch sonst (s. Pes. 50 a Berachot 3 a Tossasoth ועונין LA des Machsor Vitry) mit dem Amaleksabschnitt zusammenhängt. — Daß (S. 150) Elieser Hiob eine Blasphemie zutraut, Josua sie anders deutet, erinnert an Delitzsch’s Urteil über Hiob in seinem zweiten Vortrage; jedenfalls hängt Eliesers Ansicht mit der Johanan ben Sakkai's zusammen (Sotah 55), dessen Worte er gern bestätigt (Succah 28 a), Josua’s mit der des Josua ben Hyrkanos, der er Beifall spendet. (S. S. 160 Anm. 6). — Zu Elieser’s ״tue einen Tag vor deinem Tode Buße“ also täglich (S. 96), ist seine Halacha Keritliuth 63 zu ziehen ״täglich mag man ein freiwilliges אשם תלןו bringen“ und zu S. 97 ״hüte dich vor ihren Kohlen, daß du nicht an ihnen dich verbrennst“ die (S. 99 angeführte) Stelle Ber 16 b ״Ich vermeinte, ihr würdet euch schon an lauem Wasser verbrennen etc.“ — Wo Chanina ben Chachinai und seine Genossen Josua in Nisibis besuchen, deutet die Vieldeutigkeit der Thoraworte und Entscheidungen, die Mahnung, selbst Kinder mitzubringen (zur Hakhelver- Sammlung), den Widerstreit der Halachot nicht zu fürchten, auf den Streit zwischen Gamaliel und Josua hin, wo durch Eleasar ben Asarja’s Einsetzung die Lehrfreiheit gewahrt und der Zutritt zum Lehrhause auch ״den Kindern“ ermöglicht wird. S. unser Eigenes über die Agada in der Mechilta S. 469 und 470. Verfasser hat auch Veranlassung gegeben, an die hellenistische Welt zu denken. Nicht umsonst wird Josuas Name mit Hadrian, mit Rom und Alexandria in Verbindung gebracht (S. 179). Bekanntlich fordert er Hadrian, der Gott sehen will, auf, in die Sonne zu blicken; wie die Sibylle sagt; fr ״Können die Menschen doch nicht einmal in die Sonne blicken und wollen Gott selbst schauen!“ Da haben wir Josua und Alexandria. Der Streit der beiden Schulen, ob Himmel oder Erde zuerst geschaffen, besonders aber der, ob es besser sei, der Mensch sei geschaffen oder nicht? läßt uns in die Kämpfe der gnostischen Schulen oder besser ihrer Vorgänger blicken, die sich mit solchen Streitigkeiten abgaben. An anderen Stellen des vielseitigen Werkes finden wir wiederum mitBefriedigungBestätigungen von Ansichten, welche wir in unseren mischnischen Arbeiten ausgesprochen. Elieser ben Jakob tritt S. 64 ff. mit Halachot nach dem Wortsinne (etwa nach der Art Ismaels) auf, wodurch er zugleich Elieser und den Schammaiten sich nähert. In unserem ״die Mischna, Quellenscheidung (1903, Trübner)“ haben wir S. 85 fl־’, die Gemeinsamkeit Elieser’s, Eliaser ben Jakobs und Ismaels in genau erkennbaren Halachareihen sehammaitischen Gepräges und Geistes (im Taktat Kilaim) nachgewiesen. S. 160 nimmt Josua eine Reinsprechung Jerusalems vor; R. Simon ben Jochai tut etwas Gleiches mit Tiberias (s. die Quellen Grätz IV. Note 19, S. 474 f.). 163 will Josua der Tagesarbeit ihr Recht gegenüber dem ausschließlichen Thorastudium gewahrt wissen; das Gleiche Simon, der nur die אוכלו תריס und di© איכג,ו המן ausnimmt. So haben wir a a. O. in Schebiith (s. Simon das.) die vielfache Abhängigkeit Simons von Josua nachgewiesen. Solche Bestätigungen sind um so wertvoller, als sie unbeabsichtigt sich ergeben. Nun noch eine kleine Bemerkung: S. 197 meint Bacher, ich hätte in meiner Hagada i. d. Mechilta, die ich schon oben erwähnt, einen Teil der Agada Eliesers und des Modiiten in ähnlicher Weise, wie er, behandelt, ohne auf ihn hinzuweisen. Die Aehnlichkeit besteht, wie ich glaube, nur im Stoffe, und der liegt in der Mechilta. Schon oben habe ich gezeigt, daß Bacher geschichtliche Folgerungen nicht gezogen hat, die bei mir den Zweck der Arbeit ausmachen. Ich könnte nun wieder bemerken, daß er in einer zweiten Auflage meine in der Behandlung sich vollkommen unterscheidende Darlegung nicht benutzt hat. Aber das wäre falsch. Unsere Zwecke sind ganz verschiedene; der seinige liegt in der Zusammenstellung und Begründung der Quellen (wie für mich in meinem obenerwähnten ״die Mischna“); der meinige in dem Hervorkehren der geschichtlichen Gründe, welche jene Agada hervorgebracht. Die Ergebnisse unserer Abhandlung über das Bacher’sche Werk sind die gleichen, mit denen wir die Besprechung begönnen. Er hat manches anders aufgefaßt, als wir es getan hätten — das ist unser gemeinsames gutes Recht•. Es gibt Folgerungen, die er n i c h t gezogen hat, und das ist ein Glück; denn dann könnten andere sie nicht ziehen. Das ist das Große an solchen grundlegenden Werken, daß sie viel bieten und noch mehr anregen. Bacher hat sich an seine Aufgabe gehalten, und die ist so groß, daß sie, ganz eng gefaßt, ein Menschenleben erfüllt. Er hat im Vorbeigehen einzelnes darüber hinausgehende hingeworfen — sollte er damit zurückhalten, weil er nicht alles, was sich geschichtlich folgern läßt, bieten konnte? Oder sollte er nicht früher hervortreten, bis er etwa die Arbeit von hundert Forschern geleistet hätte? Er hat in der Bewältigung und geistigen Durchdringung dieses Riesenstoffes ein Riesenwerk bewundernswürdiger Art geboten. Ist die Aufhellung jedes Zusammenhangs textlicher und geistiger Art (s .die Einleitung zu unserem ״die Mischna“ etc. S. XXII ff.), die Auffindung jeder Halachareihe, also auch jeder Hagadakette, ein Fortschritt für die Wissenschaft — wie hoch ist die Arbeit nicht zu schätzen, welche sich über so entlegene Quellen erstreckt! Was wir oben insbesondere gezeigt und angemerkt haben, das sind keine Mängel, sondern V o r z ü g e des Buches. Wir haben nicht gezeigt, was demselben fehlt, sondern nur, nach wieviel Seiten es unseren Blick lenkt. Erst wenn ein ganzes Gebiet so dargestellt vor uns liegt, können die verschiedenartigsten Forschungen daran geknüpft werden. Hat Bacher seine in Wirklichkeit das Ganze so machtvoll beherrschende Persönlichkeit scheinbar zurücktreUn lassen, so erscheinen die Gegenstände nur ursprünglichei, d. h. ohne fremden Aufputz vor dem Beschauer. Von 1884 bis 1903 hat es bis zur zweiten Auflage des ersten Bandes gedauert. Soll das etwa die Bewahrheitung des Satzes sein יכי ח□ חייגי יאירך ימינן רן daß man lange

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