Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 20. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 eben muß, ehe man einen Erfolg der Thoraworte sieht? Forsc^er1 gebildete Leser, Gemeinden, Bibliotheken, Vereine — hier ist das Werk — die anderen Bände sollen auch eine neue AuGaSe erleben: Das ist Eure Ehrenpflicht! Ich aber schließe dem Wunsche, den ich an anderer Stelle bei der Besprechung der Schwarz’schen Tossefta Chullin ausgesprochen: ״Geht mir viele solche Werke! Ich will sie besprechen, dagegen Streiten und — mich daran freuen!“ Vermischtes. I. Man hat sich vielfach gemüht, Alphabetisches in der biblischen Dichtung zu finden, auch wo die Ueberlieferung darüber Nichts sagt. Ich gebe folgendes Beispiel aus dem als alphabetisch schon bekannten Psalm 34 zu bedenken: תמיר תהלתיבפי ישמעו ענוים ןישמחו ונרוממה שמו יחדיו. אברכה את ח׳ בבלעת בה׳ תתהלל בפשי גדלו לה׳ אתי Daß wir mit Uebergehung der Beugungssilben die Wurzelbuchstaben benutzen, dürfte Niemanden befremden, der die einschlägigen Fragen kennt. Der erste Wurzelbuchstabe hat, wie wir gelegentlich der Quelle A3 in unserer ״Mischna, Aufbau und Quellenscheidung״ S. VIII gezeigt haben, eine große Bedeutung in den Lautspielen der hebräischen Sprache. Wir hätten dann in obigen drei Psalmversen ein biblisches Beispiel für das א״ת ב״ש vor uns. Daß wir nur die drei ersten Reihen dazu benutzen und dann die weiteren Spuren schwer mehr verfolgen können, ist auch nichts Auffallendes, da ich über Ps. 9 und 10 an anderer Stelle die Verbindung von alphabetischen Bruchstücken nachgewiesen habe. Die ersten drei Sätze können aus einer anderen Quelle stammen, als Einleitung hier benutzt sein, während mit דרשתי der eigentliche Hauptinhalt beginnt. II. In meiner Septuaginta, von Lambertus Bos herausgegeben (Franequerae 1709), ist für den Namen חגי aus der Barberinischen Handschrift als Ueber- Setzung angegeben heortai. Demnach ist der Name des Propheten von חג Fest oder einem aram. Plural חגי abgeleitet. Sehen wir uns den Propheten genauer an, so ist diese Uebersetzung nicht so ganz äußerlich aus dem Wortklange des Namens hergeleitet. Haggai spricht (I.) im sechsten Monat, am ersten des Monats — das ist der Neumondstag des Ellul; II! ist es der 21. des siebenten Monats, der Hoschanna Rabbah; ILo ist es der 24. des 9. Monats, laso der 24. Kislew, an dessen Abend wir die Ohanukalichter anzuzünden beginnen; ILo spricht er wiederum am selben Tage. Ist es nicht merkwürdig, daß wir hier drei Festtage finden, die erst im nachbiblischen, und was den 1. Ellul anbelangt, erst im mittelalterlichen Gemeindeleben ihre Bedeutung gefunden haben? Sollte der Name Haggai tatsächlieh mit חג Zusammenhängen? III. In derselben Ausgabe der Septuaginta findet man sehr lehrreiche Prolegomena. Was die Anzahl der Uebersetzer anbelangt, so steht der Herausgeber nicht mehr auf dem Standpunkte des Aristeasbriefes. Im Anfang des ersten Kapitels sagt Bos: Non etiam tot homines, ut vulgo feruntur, nimirum LXX vel LXXII, hoc opus aggressi fuisse videntur; sed pauciores numero, et forsan, uti ego quidem existimo, quinque tantum, quae sententia confirmatur traditione veterum Judaeorum, quemadmodum videre est apud Hodium. So haben wir hier bereits die Ansicht, daß 5 Uebersetzer, wie in Massechthoth Soferim angegeben, die Thora in’s Griechische übertragen haben. Wahrscheinlich hat man schon damals die Verschiedenheit des Stils gemerkt, die «ich in der Uebersetzung der fünf Bücher geltend macht. IV. Berachoth 11a zur Mischna ובערב מברך שתים אחריה אחת ארוכה ואחת קצרה erklärt Raschi, die längere Formel sei יאמת ואמונה die kürzere השכיבנו Das bemängelt Tossafoth יאחת ארוכה da auch השכיבנו eine gewisse Länge hat und in der Tosseftha nicht unter die kurzen Formeln gerechnet wird. R. Tarn erklärt das zwiefache אחת mit bald — bald —, da am Abend nach dem Brauche der palästinensischen Gemeinden (Berachoth 14 b) an והיה אם שמוע eine kurze Formel angehängt wird, demnach der betreffende Segensspruch bald lang, bald kurz gesagt wird. . R. Tarn las also in der Toss. Ber. 16י wo die kurzen Berakhoth angegeben werden, u. A. וכרכה יאחרונ׳ שבברכת המזון worunter הטוב והמטיב zu verstehen ist. Raschi dagegen hatte die andere Lesart vor sich, die Zuckermandel aufgenommen hat, wo an gleicher Stelle steht ייברכה אחרונה שבק״ש wonach allerdings השכיבנו, nach Raschi’s Erklärung, die kurze Beracha unserer Mischna ist. V. Am Ende der Gemara Chullin lesen wir eine Deutung der Schule Jacobs, wonach jede Thorasatzung ihren Lohn an der Seite hat; das wird dadurch dargetan, daß für שילוח הקן und כיבוד אם ואם Glück und langes Leben verheißen ist. Nun kommt dort eine Erörterung vor, die das tatsächliche Eintreffen dieser Verheißungen aus Tatsachen des Lebens für zweifelhaft hält. Es stieg Jemand hinauf, um für seinen Vater Tauben zu holen, übte שילוח הקן aus und stürzte und starb beim Herabsteigen. War das der Lohn für die Ausübung seiner beiden Pflichten? (Fortsetzung folgt.) Inhalt der Nummer 20■ Wissenschaftliche Aufsätze: Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig, Berlin. (Fortsetzung.) — Zur zweiten Auflage eines Meisterwerkes. — Vermischtes. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin. J