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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-10-09 · 41 (9.10.1903) · p. Seite 586

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
41 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
Seite 586 (sequence 14)
Language
German
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Seite 586. Israelitische Wochenschrift. Nr. 41. Mannes den Teilnehmern noch einmal ins Gedächtnis riefen. Mehr aber noch tat das der ganze Charakter der sinnigen Feier; sie war ein Symbol für die Liebe, die Raphael Kosch in tausend Herzen gesät hat und die er noch heute allenthalben in der dankbaren Nachwelt genießt. Nach dem weihevollen Vortrag einer eigens für die Gelegenheit gedichteten Kantate durch Herrn Oberkantor E. Birnbaum hielt der Vorsitzende des Kuratoriums der Waisenerziehungsanstalt, Herr Apothekenbesitzer Guttmann, folgende Ansprache: „An ernster Stätte haben wir uns zusammengefunden, um das Andenken des Mannes zu feiern, der zu den bekanntesten und hervorragendsten seiner Zeit gehörte. Ich will einem berufeneren Munde überlassen, hier auszusprechen, was Dr. Raphael Kosch, dessen hundertjährigen Geburtstag wir heute feiern, für die Gemeinde, für die Stadt und den Staat gewesen ist; mir möge es nur gestattet sein, ihn als Wohltäter in Erinnerung zu bringen. Im Aufträge des Kuratoriums der Stiftung, die seinen Namen führt, habe ich die Ehre, Sie, hochgeehrte Festversammlung, zu begrüßen und Ihnen im Namen der Stiftung für Ihr Erscheinen zu danken. Bei der hohen Begabung, bei den vorzüglichen Charaktereigenschaften von Dr. Raphael Kosch ist es nur natürlich, daß wir heute in Liebe und Verehrung zu ihm aufblicken und unserer Dankbarkeit durch diese Feier Ausdruck geben. Er ist es, der seit nunmehr dreißig Jahren den Aermsten unter den Armen, den Waisen der jüdischen Gemeinde, durch die hochherzige Begründung unserer Anstalt ein Familienheim geschaffen hat. Dankbar gedenken wir auch in dieser Stunde der edlen Frauen und Männer, die im Sinne des Stifters die Anstalt geleitet und an den Zwecken derselben mitgearbeitet haben. Dr. Raphael Kosch hat selbst die Grundsätze der Stiftung in seinem Testament niedergelegt, und..gerade aus diesen Grundsätzen leuchtet seine Charaktergröße. Er, dem die Freuden des Familienlebens versagt geblieben sind, hat seinen Sinn hierfür dadurch betätigt, daß seiner Bestimmung gemäß die Waisen schon im zartesten Alter in seine Anstalt ausgenommen werden können; er hat ferner bestimmt, daß die Knaben in der Regel zu Handwerkern und die Mädchen zu häuslichen Diensten erzogen werden sollen, aber auch hierbei vorgesehen, daß bei hervorragender Begabung die Zöglinge höheren Schulen zugewiesen werden. Die Erziehung zu Handwerkern und zu häuslichen Diensten verdient um so mehr Erwähnung, als ja bekannt ist, mit welcher Ueberzeugung andererseits Dr. Raphael Kosch für die Gleichberechtigung der Glaubensgenossen bei Besetzung von höheren Staatsämtern eingetreten ist. Von diesem Gefühl der Gleichberechtigung zeugt auch, daß nach seinem Testament achtzehn verschiedene Legate an wohltätige Vereine, gemeinnützige städtische und staatliche Institute zur Verteilung gekommen sind. Wie stolz die Gemeinde auf Dr. Raphael Kosch, unseren Wohltäter, war, geht aus den Berichten über hie Trauerfeierlichkeiten hervor, die sowohl hier als in Berlin stattfanden, wo er in seiner Eigenschaft als Abgeordneter weilte und wo er am 27. März 1872 nach mehrwöchentlichem Krankenlager starb. Auch wir wollen stolz darauf sein, daß er der Unsrige gewesen, und wollen seiner würdig bleiben, indem wir seinem Wesen nacheifern. Er war gewissenhaft in der Gesinnung, wahrhaft im Wort und mannhaft in der Tat!" Es folgte die eigentliche Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein, die Raphael Kosch als einen der großen Menschen feierte, die in ihrem Wirken fortleben und deren X Andenken für die Lebenden zu einer Quelle wahren sittlichen ^Lebens wird. Denn in Kosch war alles vorhanden, was der Prophet als den Inbegriff wahren, echten Menschentums bezeichnet: Recht tun, Liebe säen und demütig handeln. Man dam nicht eine Seite dieser seiner umfassenden Tätigkeit auf Kosten der anderen hervorheben, sie geben erst alle zusammen das Bild dieses Mannes. Und dabei war sein innerstes Wesen von der Sehnsucht nach Frieden erfüllt. Sein Ideal-war die Befreiung der Menschheit und durch sie die Befreiung des Individuums. WahrheitAnd^Gerechtigkeit waren die Grundsäulen seines Handelns und bestimmten ihn, wo auch immer er in das öffentliche Leben hinaustrat. Auch in den äußeren Formen drang er stets auf die Wahrung des Rechtes, und so war er in allen Versammlungen, an denen er teilnahm, der treueste, unbestechlichste und berufenste Hüter der Geschäftsordnung — nicht aus Neigung zum Formelkram, sondern weil er auch diese Formen unter höheren Gesichtspunkten betrachtete. Alles, was er tat, kam aus einem liebevollen, menschenfreundlichen Herzen. Den besten Beweis aber für seine Gesinnung gibt sein Testament. Aus allen Kämpfen ist Kosch ohne persönliche Feindschaft hervorgegangen. An ihm bewahrheitete sich das Wort: „Wenn der Ewige Gefallen hat an eines Mannes Wegen, so söhnt er auch seine Feinde mit ihm aus." Nach der sehr wirkungsvollen Festrede trug Herr Oberkantor Birnbaum den 117. Psalm „Der Herr hat unser gedacht" vor, und dann begab sich die Festversammlung an das von einem schlichten Eisengitter eingerahmte Grab des Gefeierten. Hier sprach ein Zögling der Kosch'schen Anstalt Worte des Dankes und Gelöbnisses an den Stifter, und eine kurze Liturgie beschloß die schöne Feier. Görlitz, 4. Oktober. (Geschäftsjubiläum.) Als ein schöner Beweis der geschäftlichen Solidität am hiesigen Platz ist zu verzeichnen, daß eine der angesehensten hiesigen Firmen heute die Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens begeht. Es handelt sich um die im Jahr 1853 von dem 1880 verstorbenen Kommerzienrat Albert Alexander Katz gegründete Firma Albert Alexander Katz, deren heutige Inhaber die Herren Emanuel Katz seit 1854 und Arthur Katz seit 1884 sind. Die Geschäftsräume der Firma befanden sich 44 Jahre lang in dem Haus Obermarkt 21, Ecke Breitestraße, zunächst in den Parterreräumen und später nach der Vergrößerung auch in den Räumen der ersten Etage, und erst nachdem auch dies zu klein geworden, verlegte die Firma ihr Geschäft nach der Elisabethstraße. Das alte Schild der Firma war ein Wahrzeichen des Obermarktes und bekannt als eines der wenigen noch vorhandenen, die in den vor fünfzig Jahren gebräuchlichen Schriftzeichen hergestellt waren. Aber nicht allein der Erhaltung und Ausdehnung ihres Geschäftes haben sich die Firmeninhaber gewidmet, sie sind auch jederzeit für das öffentliche Interesse eingetreten, und bei Zeichnungen für Wohltätigkeitszwecke rc. hat man die Namen der beiden Inhaber der Firma stets an erster Stelle gesehen. Der Seniorchef, Herr Emanuel Katz, ist Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde, Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, der Handelskammer, des Kuratoriums der städtischen Sparkasse, gehört lange Jahre der Einschätzungskommission an, ist Ehrenmitglied des Gewerbe- Vereins und im Vorstand verschiedener anderer Vereine. Auch Herr Arthur Katz hat sich in den Dienst der Oeffentlichkeit gestellt, wie erst neuerdings seine Ernennung zum Handelsrichter am hiesigen Handelsgericht beweist. Er ist Mitglied des Vorstandes des Kaufmännischen Vereins, des Vereins der Musikfreunde, des Komitees der Schlesischen Musikfeste, wie überhaupt sein Haus in Künstlerkreisen als gastfrei wohlbekannt ist. Die Chefs der Firma haben der Handelskammer zur Errichtung einer kaufmännischen Fortbildungsschule 50000 M. überwiesen. 4'iegnitz, 4. Oktober. (Louis Danziger.) Heute Nachmittag ist hier der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr

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