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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1903-10-09 · 41 (9.10.1903) · p. Seite 587

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
41 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
Seite 587 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41. Israelitische Wochenschrift. Seite 687. Louis Danziger, im Alter von 69 Jahren nach kurzem Leiden gestorben. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Oktober statt. Hamburg, 5. Oktober. (Ermahnung.) Am Versöhnungstag gedachte Herr Rabbiner Dr. D. Leimdörfer in der Festpredigt vornehmlich der Märtyrer der jüngsten Tage, der Blutzeugen von Kischinew und Homel. Sodann forderte er die Hörer auf, dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Alliance Jsraelite Universelle und dem Hilfsverein der deutschen Juden beizutreten, indem er die Zugehörigkeit zu diesen Vereinen als eine Ehrenpflicht bezeichnete. Die Ehre des Judentums unserer Zeit, fuhr Herr Dr. Leimdörfer fort, verlange noch ganz besonders, den obligatorischen Religionsunterricht in den Mittelpunkt aller jüdischen Bestrebungen zu stellen, um dem Abfall, der Unwissenheit, dem innerlich verelendenden Jndifferentismus zu steuern. Alle religiösen Richtungen müßten sich zur Erreichung dieses Ziels verbinden. Nur auf diese Weise könnten wir den Nimbus des auserwählten Volkes, unfern Horebschmuck, wiedergewinnen. — Die Predigt hat tiefen Eindruck gemacht. München, 2. Oktober. (Dr. Eugen Merzbacher.) Der bekannte Numismatiker Dr. Eugen Merzbacher ist vor einigen Tagen nach längerem Leiden gestorben. Da seine Krankheit ihn hinderte, die von seinem Vater ererbte berühmte Bibliothek — Bibliotheca Merzbacheriana Monacensia — weiter zu verwalten und zu vermehren, hat er sie vor einigen Monaten der Stadt Frankfurt am Main zum Geschenk gemacht. Der Verstorbene hat seine eifrige Tätigkeit den hiesigen jüdischen und anderen Wohlfahrtsinstituten zur Verfügung gestellt, sein besonderes Interesse widmete er dem Verein zur Förderung der jüdischen Wissenschaft. Wien, 4. Oktober. (Luegers Triumph.) Aus Anlaß der jüngst stattgehabten feierlichen Ueberreichung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, das dem Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Wieninger, verliehen wurde, veranstaltete der Wählerverein des ersten Bezirks am Abend im Kursalon im Stadtpark einen Festabend. Bei dieser Gelegenheit hielt Bürgermeister Dr. Lueger eine Ansprache: „Wenn man mir noch vor einigen wenigen Jahren gesagt hätte, daß es möglich wäre, hier in den Räumen des Kursalons ein derartiges Fest der christlichen Antisemiten zu veranstalten, so hätte ich gesagt: „Aber, ich bitt' Sie recht schön, plauschen Sie nicht so viel. Sie sind ja wie der Barabas. Und doch, es ist so gekommen. Christen waren im ersten Bezirk immer, aber sie waren nie beisammen. Wieninger und die anderen wackeren Kämpfer haben es verstanden, die einzelnen Stäbe zusammenzubinden zu einem riesigen Bündel, und mit diesem haben sie dann den Feind erschlagen. Der erste Bezirk, die Innere Stadt von Wien, ist heute die Hochburg des christlichen Antisemitismus und wird es bleiben. Es ist gewiß von großer Bedeutung gewesen, als die außen gelegenen Bezirke erobert worden sind; aber so lange die Innere Stadt ein Bollwerk der Gegner war, so lange war auch das Werk, das wir vor Augen hatten, nicht vollendet. Heute ist es um unsere Idee auch anders bestellt. Jetzt können Sie alle den Mut haben, sich offen als Christen und als Antisemiten zu bekennen. Jetzt haben Sie keine Gefahr zu fürchten. Und wenn zwei, drei Jahre ins Land gezogen sein werden, dann werden sich unsere Gegner fürchten müssen, sich als solche zu bekennen. Dann werden Sie ihnen mit der Kundschaft ausbleiben." — Lueger prophezeit damit den Untergang Wiens. Vielleicht hat er Recht; vielleicht aber ist er ein Luegenprophet. Lemberg, 4. Oktober. (Panik in-der Synagoge.) In Strzeniska Nowe im Bezirk Poprka hat sich eine schwere Katastrophe ereignet. Am Abend des Versöhnungstages befanden sich in der Synagoge viele Andächtige. In einer Entfernung von dreihundert Schritten von der Synagoge hatte in einer Wohnung das Tischtuch plötzlich Feuer gefangen, worauf ein in der Wohnung zurückgebliebenes Mädchen durch ihre Schreckensruse alles alarmierte. In der Synagoge entstand eine Panik. Hunderte von Frauen eilten die engen Stiegen hinab. Es entstand ein entsetzliches Gedränge, bei dem die 26jährige Paran, die 28jährige Seidel und die 54jährige Berliner zu Tode getreten wurden. Vier andere Personen sind lebensgefährlich verletzt, zwei Personen leichter verwundet. Rotterdam, 4. Oktober. (Rumänische Auswanderer.) In der in vergangener Woche abgehaltenen Jahresversammlung des Vereins „Montefiore" wurde festgestellt, daß während des Jahres 1902 2557 aus Rumänien gekommene Auswanderer — 560 Männer, 607 Frauen und 1390 Kinder — hier empfangen und bis zu ihrer Weiterreise nach Amerika auf Kosten der I. C. A. untergebracht und verpflegt worden sind. Die dafür aufgewendete Geldsumme betrug 161126 Gulden. Der Bürgermeister und die städtischen Behörden haben dem Verein ein größeres Gebäude zur Unterbringung der Durchreisenden unentgeltlich zur Verfügung gestellt, weil das bisher zu diesem Zweck geliehene Gebäude anderweitig gebraucht wurde. Gdelsa, 2. Oktober. (Neue Talmud Thora-Schulen.) In zwei Vororten von Odessa werden demnächst neue Talmud Thora-Schulen eröffnet werden, zu deren Errichtung die Genehmigung der Regierung bereits erfolgt ist. Die zum Betrieb der neuen Unterrichtsanstalten erforderlichen. Mittel ^nwr den aus dem Ertrag der jüdischen Fleischsteuer bewilligt. Mit der Errichtung dieser beiden Schulen wird einem dringenden Bedürfnis abgeholfen. Die alte und wegen ihrer tüchtigen Leistungen weitberühmte Odessaer Talmud Thora-Schule hat im lausenden Jahr von 350 angemeldeten neuen Schülern nur 96 aufnehmen können. Die neuen Vorstadtschulen werden hoffentlich zur Unterbringung aller Schüler ausreichen und in ihren Leistungen den älteren Instituten nicht nachstehen. Konstaniinopel, 30. September. (Von den Allianceschulen.) Auf ihrer kürzlich beendeten Orientreise haben Baron und Baronin Edmond von Rothschild aus Paris an allen von ihnen besuchten Plätzen die Schulen der Alliance Jsraelite besichtigt. Fast überall hat Baron Edmond Gelegen heit genommen, den Schulvorständen in eindringlichster Weise vorzustellen, daß nach dem Unterricht in der Landessprache dem hebräischen Sprachunterricht ein großer Spielraum im Schulplan gelassen werden muß. Die Kenntnis des Hebräischen ist nach seiner Meinung für jeden Juden eine dringende Notwendigkeit, die westeuropäischen Sprachen dürfen erst in zweiter Reihe berücksichtigt werden. In Rhodus hat Baron Rothschild am Sterbetag seiner Mutter die Synagoge besucht und hat erhebliche Geldbeträge für Wohlfahrtsanstalten gespendet. Die Baronin schenkte zum Ausbau des Schulgebäudes 15 000 Frcs. Philadelphia, 27. September. (Rabbinerkongreß.) Vor einigen Tagen ist hier der zweite Jahreskongreß der orthodoxen Rabbiner abgehalten worden. Die Errichtung von Parochialschulen für Religions- und wissenschaftlichen Unterricht wurde lebhaft befürwortet und den Gemeindevorständen empfohlen. Ueber Trauungen und Scheidungen wurde in großer Ausführlichkeit beraten und der Beschluß gefaßt, Trauungen nur dann vorzunehmen, wenn die vom Landesgesetz dafür vorgeschriebenen Formalitäten erfüllt sind, und Scheidungen nur in

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