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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-01-02 · 1 (2.1.1902) · p. Seite 14

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
Seite 14 (sequence 18)
Language
German
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Seite 14. Israelitische Wochenschrift. Nr. 1. Odessa, 25. Dezember. (Eine zionistische Schule.) Hier ist vor einiger Zeit eine jüdische Knabenschule gegründet worden, deren Schülerzahl einstweilen von behördlicher Seite aus 80 beschränkt ist. Die Kinder, für die nur ein geringes oder gar kein Schulgeld entrichtet zu werden braucht, erhalten in zwei Klassen Unterricht in allen bürgerlichen Lehrgegenständen. Der hebräische Unterricht wird nach bekannter Methode in hebräischer Sprache erteilt. Der Erfolg ist überraschend günstig. Die Kinder lernen, sich der hebräischen Sprache mit Gewandtheit und Sicherheit als Umgangssprache zu bedienen, und haben in kurzer Frist schon einen stattlichen Vokabelschatz gewonnen. Die Schule heißt nach ihrem Begründer, dem Arzt Herrn Dr. Ph. Awinowitzky, einem eifrigen Zionisten, und steht unter der Aussicht eines zionistischen Komitees, an dessen Spitze der Schriftsteller Herr A. L. Lewinsky ist. — Diese Art zionistischer Bethätigung wird sicher überall Beifall und Anerkennung finden. Paris, 21. Dezember. (Eröffnung einer Kinderpoliklinik.) In Gegenwart des Unterrichtsministers Chaumie wurde heute die von Baron Dr. Henri von Rothschild neu eingerichtete Ktnderpoliklinik in der Rue Mareodet, mitten in einem sehr bevölkerten und armen Stadtviertel, eröffnet. Herr Dr. von Rothschild hat sich in den Jahren seiner ärztlichen Thätigkeit hauptsächlich mit Kinderkrankheiten und, damit zusammenhängend, mit Fragen der öffentlichen Hygiene beschäftigt. Bekannt ist, daß er eine eigene Meierei eingerichtet hat, um in der Lage zu sein, wirklich gute und auch sorgfältig sterilisierte Milch an arme Leute verteilen zu können. — Die neue Poliklinik soll gleichzeitig den Interessen der armen, kranken Kinder und der wissenschaftlichen Kinderheilkunde dienen. Kinder bis zum Alter von 15 Jahren werden — z. T. von Spezialärzten — unentgeltlich behandelt und bekommen auch Medikamente und Milch unentgeltlich geliefert. — Außerdem wird ein Ambulanz-Dienst ins Leben gerufen, damit Leute, die auf der Straße verunglückt oder plötzlich krank geworden sind, sofort in ein Krankenhaus gebracht nrc^den können. Zu diesem Zwecke steht in der Poliklinik »Automobil bereit, das jederzeit requiriert werden kann. Jv oer Poliklinik sollen Vorlesungen und Kurse für Studenten gehalten und Laboratorien für wissenschaftliche Arbeiten eingerichtet werden. Der Einweihung, die außerordentlich feierlich verlies, wohnten die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, der Großrabbi Zadok Kahn, Großrabbi Dreyfus u. a. bei. Am Schluffe dankte der Unterrichtsminister Herrn Baron Dr. von Rothschild im Namen der französischen Regierung dafür, daß er sein Vermögen und sein Können in so bewundernswerter Weise in den Dienst der Allgemeinheit stellt. London, 28. Dezember. (Lord Roberts bei der Chanukafeier.) Am gestrigen Samstag wohnten 500 jüdische Soldaten der Chanukafeier in der Synagoge bei. Der Lordmayor Sir Marcus Samuel hatte sich im Staatsgewand eingestellt, auch der Feldmarschall Lord Roberts hatte sich, den jüdischen Kameraden zu Ehren, in Uniform eingefunden. London, 18. Dezember. (Versammlung.) In Jew's College fand eine Versammlung der jüdischen Literarisch-sozialen Vereinigung und der Jew's College-Gesellschaft statt, in der das Thema diskutiert wurde, wie sich die Juden dem Antisemitismus gegenüber verhalten sollten. Aus der einen Seite wurde die Ansicht verfochten, daß es das einzig Korrekte sei, die antisemitischen Hetzereien vollständig zu ignorieren, weil jede Opposition die antisemitische Bewegung nur stärke, und weil die Uneinigkeit, die regelmäßig in jedem antisemitischen Lager herrsche, den Juden die Mühe des Kampfes abnehme. Dagegen wurde von anderer Seite betont, daß durch die passive Haltung nie etwas erreicht worden wäre, daß die Männer, die wirklichen Erfolg gehabt hätten, wie Moses Montefiore u. a., den Kamps immer ausgenommen und mit berechtigten Mitteln zu Ende geführt hätten. Shanghai, 19. Nvbr. (Jüdische Schule in Shanghai.) Durch eine Sammlung, die 1600 Dollars ergeben hat, ist die Errichtung einer jüdischen Schule in Shanghai gesichert. Die Kinder sollen dort Religionsunterricht erhalten und in der hebräischen und englischen Sprache unterwiesen werden. Zur Ausarbeitung eines genaueren Lehrplans ist ein Komitee ernannt worden. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Dr. Hirsch, Mitglied des Abgeordnetenhauses, hat am Dienstag, 30. Dezember, in erfreulicher Rüstigkeit den 70. Geburtstag gefeiert. — Der bekannte Nervenarzt Prof. Dr. Remak in Berlin ist zum außerordentlichen Professor an der Berliner Universität ernannt worden. — Dem verdienstvollen leitenden Arzt der israelitischen Heil- und Pflege-Anstalt für Nerven- und Gemütsleidende zu Sayn bei Coblenz, Herrn Dr. Behrendt, ist der Titel Sanitätsrat verliehen worden. — In Odessa starb der Bankier Salomon^G. "Sußmann, Chef "verschiedener^ Bankhäuser. Er vertrat seit 1897 im Stadtrat die Interessen der Juden, wozu er von der Regierung ernannt worden war. Er war als Autorität in Finanzfragen anerkannt und hatte großen Einfluß auf den ganzen Handel von Odessa. Herr Sußmann war einer Her Gründer der Diskonto-Bank und der Handels- Bank. — Dr. Adolph Szili, außerordentlicher Professor an der Universität und Chef-Arzt der Augenabteilung des jüdischen Krankenhauses in Budapest ist wegen seiner Verdienste um die Hygiene vom Kaiser in den ungarischen Adelsstand erhoben und von Steuern befreit worden. Vakanzen. Hamm i. W. Lehrer und Kultusb., 2550 M. Geh. Meid, an Vorst. — Trabelsdorf bei Bamberg. Rel.-L., K, Sch., 1100—1200 M. Eink. Meld. an Herrn Joseph Wachsmann. - Edenkoben. Hilfsk., Sch. und Scham., 1100 M. Mindesteink. Meld. an Herrn Leo Kern. Feuilleton. Z« spät. Skizze von A. Gersdorfer. Das Theater ist von neugierigen Zuschauern überfüllt. Entzückt lauscht man den Worten der berühmten Schauspielerin, die in der Rolle der „Maria Stuart" zuweilen das ganze Haus von Beifallsrufen erdröhnen läßt. Mit welcher hinreißenden Kraft spricht sie den Monolog vor der^Gartenseene:

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