Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-01-02 · 1 (2.1.1902) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605839-9605840--8625-9605857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 1. Israelitische Wochenschrift. Seite 13. Vortrag findet am Montag den 5. Januar 1903 statt. — Wir beglückwünschen den rührigen Vorstand des Talmud- Vereins zu dieser nachahmenswerten Einrichtung und hoffen, daß recht viele Damen und Herren davon Gebrauch machen werden. Berlin, 29. Dezember. (Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.) Am 28. und 29. d. Mts. tagte im Sitzungssaal des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes der provisorische Ausschuß des „Vereins zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Er faßte Beschlüsse über die weitere Organisation der Propaganda, die mit gutem Erfolg begonnen und dem eisernen Fonds bereits beträchtliche Beträge zugesührt hat, sowie über die Fassung der Statuten, die der nächsten ordentlichen Mitglieder-Versammlung zur endgilttgen Festsetzung vorgelegt werden soll. Berlin, 30. Dezember. (Makkabäer-Feier.) Der kürzlich gegründete hebräisch-literarische Verein Sapha Berurah begeht am Samstag, 3. Januar, abends 8'/, Uhr, mit „Ansprachen, Gesang, Konzert, Deklamationen, Belustigungen und Tanz" sein Stiftungsfest und eine Makkabäerseier. Gäste sind willkommen. — Hier feiert man eben die Feste, wie sie nicht fallen. 8r. Hildesheim, 28. Dezember. (Ableben des Banquiers August Dux.) Die hiesige Synagogen-Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Am 20. ds. Mts. ist einer ihrer edelsten und verdienstvollsten Männer, Herr Banquier August Dux, nach langer und schwerer Krankheit im fast vollendeten 54. Jahr seines arbeits- und erfolgreichen Lebens von Hinnen geschieden. Zwei Jahrzehnte hindurch hat er als Vorsteher der Gemeinde und als Vorsitzender des Gesamtvorftandes eine überaus segensreiche Thätigkeit entfaltet. Mit unermüdlichem Eifer, mit seltener Hingebung und Pflichttreue hat er seines verantwortungsvollen Amtes allezeit gewaltet und die Gemeinde nach innen und nach außen aufs würdigste vertreten. Ausgestattet mit selten guten Herzenseigenschasten, hat er nicht nur allen in der Gemeinde bestehenden Wohlthätigkeitsvereinen, deren Vorsitzender oder Vorstandsmitglied er gewesen, seine größte Fürsorge zugewandt, sondern auch selbst eine Reihe wohlthätiger Stiftungen ins Leben gerufen. Um den weniger Bemittelten der Gemeinde helfend zur Seite zu stehen, begründete er eine Darlehnskasse. Nach Vollendung des neuen Gemeinde- und Schulhauses überwies er der Gemeinde einen Fonds zur Beschaffung einer Schulbibliothek und einer Prämie für den besten Zögling der ersten Volksschulklasse. Anläßlich der Bar-Mizwahseier seines einzigen Sohnes errichtete er im Verein mit seiner Gattin die „August und Elsbeth Dux'sche Schenkung" für Bar-Mizwah und Konfirmanden. Sein 25 jähriges Geschästsjubiläum gab ihm willkommene Veranlassung, in hochherziger Weise der Gemeinde eine namhafte Summe zuzuwenden, um an Stelle des nicht mehr ausreichenden Meyer Meyerhos'schen Stistshauses ein neues erbauen zu können, in dem ehrbare arme jüdische Witwen freie Wohnung erhalten. Diese letzte Stiftung bekundete so recht seine edle Gesinnungs- und Denkungsart, denn er legte ihr nicht seinen Namen bei, sondern widmete sie in wahrhaft ausrichtiger Pietät dem Andenken seiner seligen Eltern Wolf Wilhelm Dux und Henriette Dux, geb. Ellrodt. Kurz, der Heimgegangene hat in seiner Herzensgüte jede Gelegenheit benutzt, Werke der Wohlthätigkeit und der Nächstenliebe zu üben, nicht nur gegen seine Glaubensgenossen, sondern gegen alle Menschen ohne Unterschied der Konfession. — Am Dienstag, den 23. ds. Mts., ist die sterbliche Hülle dieses edlen und guten Mannes zu Grabe getragen worden. Die Teilnahme bei seiner Beerdigung war eine allgemeine, auch seitens der nichtjüdischen Bevölkerung folgten viele seiner Bahre, unter anderen der hiesige Arbeiterbildungsverein, dessen langjähriges Ehrenmitglteed er gewesen. Zuvor hatte im Sterbehause die Trauerseier stattgesunden. Herr Landrabbiner Lewinsky hielt in tiesergreisender Weise die Trauerrede und schilderte, anknüpsend an die Schristworte 1. Buch Moses, Kap. 39,5: „Und der Segen des Ewigen war in allem, was sein war, sowohl im Hause wie aus seinem Arbeitsfeld draußen", wie der Dahingeschiedene in jeder Weise segensreich gewirkt, in seiner Familie, in der Gemeinde, in der Stadt und weit über deren Grenzen hinaus, wie er allezeit alles Wahre, Edle und Gute unterstützt und gefördert habe. — Auf dem Friedhof widmete der Redner dem Verblichenen noch tiefempfundene Abschiedsworte namens der Hinterbliebenen Gattin und Kinder, der Verwandten und Freunde, des Gesamtvorstandes und aller Gemeindemitglieder, sowie in seinem eigenen Namen. — Wohl jeder verließ den Gottesacker mit den Worten: „Das Andenken des Gerechten ist zum Segen." — In Ergänzung des an der Bahre entrollten Lebensbildes des Verklärten gedachte Herr Dr. Lewinsky am Schluß seiner gestrigen Sabbat - Chanukapredigt der besonderen Verdienste, die sich der Verstorbene in seiner Eigenschaft als Synagogenvorsteher, als Delegierter des Deutsch-Israel. Gemeindebundes, sowie überhaupt um die Förderung der Interessen des Gesamtjudentums erworben hat. Der Redner wies dabei daraus hin, wie der Dahingeschiedene, wenn es galt, einzutreten für die Heiligtümer unserer Religion gegen gehässige Angriffe der Gegenwart oder Anfeindungen, Zurücksetzungen und Beschränkungen abzuwehren, mit der Kraft seiner Persönlichkeit und mit der Macht seiner Ueberzeugungstreue in die Schranken trat. — Diesen erhebenden Ausführungen waren die Wo te, aus dem 2. Buche der Chronik, Kap. 24, 16 zu Grunde gel-- S: I „Er that Gutes in Israel vor Gott und seinem Hause."1 Wien. 25. Dezember. (Tod des Freiherrn v. Krasst- Ebing.) Kurze Zeit nach dem Verscheiden des Freiherrn von Suttner ist ihm sein Freund, der bekannte Psychiater Freiherr von Krafft-Ebing in den Tod nachgesolgt. Der Mann, dem die Psychiatrie und Nervenheilkunde grundlegende Arbeiten von dauernder Bedeutung verdankt, war Mitbegründer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in Oesterreich. Wien, 28. Dezember. (Gastpredigten.) Die Anstellung von neuen Predigern, die für die hiesige Gemeinde zur Notwendigkeit geworden, hat die Berufung von etwa 18 Kandidaten veranlaßt, so daß die Gemeindemitglieder Gelegenheit haben, etwa 18 Probe- oder Gastpredigten zu hören. Diese Einrichtung der Gastpredigten war nie schön, die Massenhastigkeit ist nicht dazu angethan, ihr neuen Reiz zu geben. Gerade große Gemeinden sind in der Lage, eine Auswahl zu treffen, ohne dem künftigen Rabbiner in eine Lage zu bringen, die ihn, wenn auch nur äußerlich, dem „aus Engagement" gastierenden Schauspieler nahe bringt. , \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.