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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-01-02 · 1 (2.1.1902) · p. Seite 12

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
Seite 12 (sequence 16)
Language
German
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Seite 12. Israelitische Wochenschrift. Nr. 1. stands mit dem der beiden Ausschüsse nicht in Einklang zu bringen war, weshalb der Vorstand sich noch eine rechnerische Prüfung Vorbehalten will, ehe er sich für weitere Zugeständnisse entscheidet. Die bisherige Besoldung betrug pro Jahresftunde ohne Unterschied der Anciennität 135 M. Eine Gehaltserhöhung der Assistenzärzte am Krankenhaus für das erste Jahr von 600 M. auf 750 M., für das zweite von 900 M. aus 1000 M. wird debattelos bewilligt. Alsdann folgt eine Reihe von Rechnungsabschlüssen. Dir Religionsschulen weisen infolge der neuen Bestimmung für die Erhebung des Schulgeldes eine erhebliche Verringerung ihrer Einnahmen auf. — Der Bibliotheks-Verwaltung, die mit einem Minderverbrauch von 1978,21 M. abschließt, wird gleichfalls Decharge erteilt. — Die Waisenkommission schließt mit einem Minderverbrauch von 141,80 M. Es waren am 31. März 1901 26 Kinder in fremde Familien in Pflege gegeben und 299 gegen einen Zuschuß bei den Müttern belassen worden. Der Fonds zur Verfügung der entlassenen Waisen beträgt 1103,18 M. — Die Vermietung der Plätze in der Synagoge Lützowstraße ergab eine Einnahme von 14 371 M. Schluß der öffentlichen Sitzung um 1 Uhr. Berlin, 30. Dezember. (Chanuka-Bescherung in der Frauenvereinigung Ahawas Scholaum.) Eine aus mehreren hundert Personen bestehende Feftgeseüschaft war es, die sich am Abend des Sabbat Chanuka ein Stelldichein in Kellers Festsälen, Köpenickerstraße 96, gab, um der von der Frauenvereinigung Ahawas Scholaum veranstalteten Chanuka- Bescherung für arme jüdische Kinder beizuwohnen. Aus langen Reihen von Tischen lagen nach Zahlen und Alphabet geordnet, die den Wünschen und Bedürfnissen der zu bescherenden Kinder entsprechenden Gegenstände. Jedes einzelne der Kinder wurde von Kopf bis Fuß eingekleidet. Um 8 Uhr eröffnete der Mitgründer des Vereins, Herr Emil Bernstein, die Feier durch eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Frauenvereine hinwies. Es sei, so meinte der Redner, eine den jüdischen Frauen angeborene Charaktereigenschaft, Helsen zu müssen. Auch in dem hier vorliegenden Fall habe sich dies bestätigt, denn nur dem opferfreudigsten Gefühl der Handsdamen sei es zu danken, daß es dem Verein ge- V, j’en sei, den Kindern dieses Fest zu bereiten, den Kindern, denen es leider im eigenen Heim nicht vergönnt sei, hier die Lichter der Freude anzuzünden. Redner ging dann auf die Erklärung der Bedeutung des Chanukasestes ein; er bemerkte, daß das Chanukasest hervorgegangen sei aus schweren Kämpfen der Makkabäer und ihrer glänzenden Siege. Auch hier haben die Damen des Vereins nach schweren Kämpfen erst zu diesem glänzenden Erfolg gelangen können, denn während alle derartige von den Frauenvereinen ausgehende Bescherungen durch namhafte Unterstützungen seitens großer Geschäftsinhaber gefördert werden, seien die Vorstandsdamen dieses Vereins lediglich auf die engsten Kreise ihrer Bekannten angewiesen gewesen, nachdem größere Firmeninhaber jedwede Spende abgelehnt hatten. Redner ermahnte die Kinder, dankbar zu sein gegen ihre Eltern, Lehrer und Wohlthäter, denn in der Dankbarkeit liege Schönheit und Sittlichkeit, und dieses seien besondere Vorzüge, um gerüstet zu sein zum Kamps für das Judentum. Und so, schloß der Redner, wollen wir unsere Chanuka-Ltchtchen anzünden zum Beweis, daß das Judentum noch lebt und zum Kamps gerüstet ist, jetzt, wie in den Tagen des Juda Maccabi.— Nachdem ein Schüler die Lichte angezündet, erklang aus mehr als hundert Kinderkehlen, begleitet von den Stimmen der Frauen und Männer, die Chanuka - Hymne. Der Eindruck war ein derart überwältigender, daß man in vielen Augen der Erwachsenen Thränen stehen sah! — Großartigen Beisatt erzielte die Lehrerin Fräulein Joseph, die zu diesem Feste mit acht ihrer Schülerinnen eine „Chanuka-Scene" einstudiert hatte. Auch die Schülerinnen der Religionsschule Ahawas Scholaum, Pasmentier, Sollna, Szyckier ernteten mit ihren Vorträgen „Leuchte voran", Vertragt Euch im Licht", Die drei Freunde" reichen Beifall. Hierauf erfolgte die Verteilung der Geschenke. Auf Veranlassung des Vorsitzenden hatte der Bäckermeister Adolf Jany, Prenzlauerstr. 43, eine große Kiste Honigkuchen geliefert, so daß sämtliche anwesenden Kinder ausgerufen und beschert wurden. — Der zweite Teil des Festes wurde durch eine Ansprache der Vorsitzenden, Frau Jda Bernstein, eröffnet, in der sie allen Wohlthätern und allen denen, die sich um das Zustandekommen dieses Festes bemüht hatten, den Dank abstattete. Während der Kaffeepause waren es besonders die Damen Fräulein Hirschberg, Milly Müller, sowie die Herren Leo Hirschberg, Almus und Siegbert Lesser, die viel zu der fröhlichen Stimmung beitrugen. Launig bemerkte einer der Gäste, daß diese Nacht keine verlorne sei, denn man habe hier an der Quelle des Ahawas Scholaum, des Glückes, des Friedens und des Segens zugebracht, und als der neue Tag schon längst herangebrochen war, mußte die Kapelle unter Leitung des Herrn Schmerl „immer noch eins" spielen. Berlin, 31. Dezember. (Die Krankenküche.) Das von von dem Ehepaar Hermann und Johanna Abraham begründete israelitische Heimathaus, Gormannstraße 3, wird den Kreis seiner wohlthätigen Wirksamkeit durch Einrichtung einer Krankenküche noch erweitern. Gegen mäßige Vergütung sollen einzelne Personen Krankenkost erhalten, die unter ärztlicher Beaufsichtigung nahrhaft und schmackhaft hergestellt werden wird. Berlin, 31. Dezember. (Hilssverein der deutschen Juden.) Der Hilfsverein der deutschen Juden hat am Sonntag Abend seine erste ordentliche Generalversammlung abgehalten, die auch von außerhalb zahlreich besucht war. Die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan wiederholten die in Provinzialversammlungen mehrfach gemachten Mitteilungen. Die vorgeschlagenen Statuten wurden angenommen- Berlin, 28. Dezember. (Vortragscyclus.) Der Talmud-Verein, der erst vor kurzem das Fest seines 50jährigen Bestehens feiern konnte, hat, von dem Bestreben geleitet, seine hehren Ideale in die weitesten Kreise zu verpflanzen, beschlossen, das Gebiet seiner Thätigkeit auszudehnen. Neben den täglichen Talmudvorträgen soll auch denen, deren Berus es nicht gestattet, sich diesem Studium zu widmen, Gelegenheit geboten werden, sich die Kenntnis der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner geistigen Strömungen anzueignen. Zu diesem Zweck wird Dr. I. Bleichrode einen Cyclus populärer Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur an jedem Montag Abend 8lh Uhr pünktlich in Cassels Hotel, Bergstraße 16 halten. Eintritt und Garderobe, auch für Nichtmitglieder frei. Der erste

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