Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 801 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 51. Israelitische Wochenschrift. Seite 801. (Frankfurt a. O.): Das innere Wachstum des Judentums im 19. Jahrhundert. Einlaßkarten zu 5 Mark für den ganzen Cyklus, zu 1 Mark für eine Vorlesung sind zu haben bei Herren Gebr. Friedländer, Unter den Linden 28, und beim Eingang in den Saal. Berlin, 17. Dezember. (Frauenvereintgung „Ahawas Scholaum".) Die Frauenvereinigung „Ahawas Scholaum" arrangiert am 27. Dezember, abends 7lh Uhr, in Kellers Festsälen, Köpnickerstraße, eine Chanukabescherung für arme jüdische Kinder. Dank der aufopfernden Thätigkeit der Vorstandsdamen ist der Verein in der Lage, ca. 60 arme jüdische Kinder von Kopf bis Fuß einzukleiden, eine Leistung, die um so bedeutender ist, da der Verein erst ein Jahr besteht und größere Firmen jedweden Beistand abgelehnt haben, der Verein also lediglich aus die engsten Kreise seiner Angehörigen angewiesen ist. Außer dieser Bescherung war der Verein in der glücklichen Lage, in letzter Zeit mehrere Gesuche armer jüdischer Familien um Unterstützung zu berücksichtigen und so seinen Tendenzen, „Gutes zu thun und Wohlthaten zu üben", zu genügen. Meldungen neuer Mitglieder (Jahresbeitrag 3 Mk.) nimmt die Vorsitzende, Frau Jda Bernstein, Berlin N., Weinbergsweg 11a zu jeder Zeit gern entgegen. Frankfurt a. M-, 12. Dezember. (Bildungei nesLokalkomitees sür den „Hilfsverein der deutschen Juden".) Am Sonntag, 7. Dezember, fand im Sitzungssaal der israelitischen Männerkasse unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Horovitz eine Notablenversammlung statt, der auch eine Anzahl Herren der benachbarten größeren Gemeinden beiwohnten. Die Versammlung war von angesehenen Persönlichkeiten der hiesigen Gemeinde einberufen worden, den Herren Dir. Dr. Adler, Rechtsanwalt Dr. Blau, Charles L. Hallgarten, Rabbiner Dr. M. Horovitz, Rechtsanwalt Flotke, Josef Wisloch, behufs Bildung eines Lokalkomitees für den „Hilssverein der deutschen Juden". Herr Dr. P. Nathan aus Berlin hatte das Referat über die Ziele und die bisherige Thätigkeit des Vereins übernommen. Er gab eine Uebersicht über die bisherigen Erfolge des Vereins, der trotz seines kurzen Bestehens eine Organisation geschaffen hat, die sich über fast ganz Deutschsand erstreckt. Dem Verein gehören bereits über 3000 Mitglieder an, die Einnahmen belaufen sich aus mehr als 100 000 Mk. Das eigentliche Arbeitsgebiet des Vereins ist bisher Galizien und Rumänien, während für den Orient die Vorarbeiten noch nicht beendet sind. In Galizien wurden durch die Einführung der Hausindustrie sehr günstige Resultate erzielt. Bei der Hilfsaktion für unsere bedrängten Glaubensgenossen in Rumänien geht der Verein Hand in Hand mit der Alliance Jsraelite Universelle. Der Redner betonte nachdrücklichst das gute Verhältnis des Hilssvereins zu sämtlichen großen Organisationen, die sich der notleidenden Juden im Osten annehmen, insbesondere zu den „Bnei-Bnth-Logen". Den sehr beifällig ausgenommenen Ausführungen folgte eine angeregte Diskussion, nach deren Verlaus die Bildung eines Lokalkomitees in Frankfurt a. M. einstimmig beschlossen worden ist. Auch die anwesenden Vertreter der Nachbargemeinden versprachen in ihren Bezirken Lokalkomitees für den Hilssverein zu bilden und die Propaganda in ihren Orten zu betreiben. So hat auch der Hilssverein in der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands eine seinen humanitären Bestrebungen würdige Vertretung gesunden, von die er das Beste für seine weitere Entwickelung zu erwarten berechtigt ist. Posen, 15. Dezember. (Gründung einer jüdischen Krankenküche.) Seitens der Bne-Brith-Loge war die Gründung einer rituellen Volksküche angeregt worden. Daraufhin traten die Vorstandsmitglieder verschiedener hiesiger Wohlthätigkeits-Anstalten und -Vereine zu einer Besprechung zusammen. Es wurde in Aussicht genommen, zunächst eine Kraukenküche für Unbemittelte einzurichten. Ein Ausschuß wurde gewählt, der die Frage prüfen und geeignete Vorschläge machen soll. Würzburg, 13. Dezember. (Rechenschaftsbericht der israelitischen Lehrerbildungs-Anstalt.) Die hiesige israelitische Lehrerbildungs-Anstalt besteht nunmehr achtunddreißig Jahre. Sie hat während dieser Zeit, wie aus dem soeben zur Versendung gelangten Rechenschaftsbericht hervorgeht, 323 Lehrer ausgebildet. Im abgelausenen Schuljahre hatte die Anstalt 30 Zöglinge, die Unterricht, Wohnung und Beköstigung, teilweise unentgeltlich, erhielten. Der Vermögensstand genügt zur Bestreitung der laufenden Ausgaben, reicht aber für die dringend nötige Gründung einer Pensionskasse für die Lehrer der Anstalt nicht aus. Wien, 14. Dezember. (Studentenschlägerei.) Samstag Mittag erschienen, obwohl dies verboten ist, Angehörige einiger Studentenverbindungen in Couleur in der Universität. Während der Promenade gab es Reibereien und erregte Wortwechsel zwischen den Mitgliedern der deutsch-nationalen Verbindung „Fidelitas" und jüdischen Studenten. Vor dem Universitätsgebäude kam es dann zu sehr heftigen Szenen, die in eine arge Schlägerei mit den Stöcken ausarteten, sodaß die Polizei eingreisen mußte. Harmannsdorf, 12. Dezember. (Tod des Freiherrn von Suttner.) Freiherr Arthur Gundaccar von Suttner, der Gatte der bekannten Schriftstellerin und Friedenssreundin, ist auf seiner Besitzung Harmannsdorf in Niederöfterreich verschieden. Er war einer der Begründer des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus in Oesterreich und hat ihm an leitender Stelle bis zu seinem Tode angehört, unbekümmert um die gehässigen Angriffe, die ihm dafür von antisemitischer Seite zu Teil wurden. London, 16. Dezember. (Militärische Chanukaseier.) Am 28. Dezember findet hier ein Chanukagottesdienst für jüdische Offiziere und Soldaten statt; daran wird sich Konzert und gemeinsames Abendessen anschließen. Christliche Soldaten haben den jüdischen Kameraden ihre Dienste für den Tag zur Verfügung gestellt. Bukarest, 12. Dezember. (Naturalisationskommission.) Die Kommission, die von der Kammer zur Erwägung der Frage der Fremden-Naturalisation gewählt worden ist, setzt sich ausnahmslos aus bekannten Antisemiten zusammen. Die Hoffnungen der Juden aus Erteilung des Bürgerrechts sind damit vollständig zerstört. Konstantinopel, 8. Dezbr. (Kaiserliche Bestätigung.) Der Sultan hat das im Vorort Haskwi seit einigen Jahren bestehende Rabbiner - Seminar durch ein Jrade bestätigt. Dieser Erfolg ist den Bemühungen der Alliance Jsraelite und