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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-12-19 · 51 (19.12.1902) · p. Seite 797

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
51 (19.12.1902)
Date
1902-12-19
Page
Seite 797 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51. Israelitische Wochenschrift. Seite 797. Und eurer Schafe Mehrung! Fluch auf euch Beim Kommen wie beim Gehn! Es schickt der Herr Zerrüttrung euch und Unheil und Verderben In eurer Hände Werke alle, bis Ihr ausgetilgt seid und gar bald vergangen, Der argen Bosheit eurer Thaten wegen, Und weil ihr euren Gott verlassen habt. Die Pest schickt euch der Herr und reibt euch auf Im Land, von dem ihr jetzt Besitz ergreift. Er schlägt mit Schwund und Fieber, mit Entzündung, Mit Brandkorn euch, mit Rost und Pein und Dürre, Die bis zum Untergang euch quälen sollen. Der Himmel über eurem Haupt wird Erz, Und Eisen unter euch die Erde. Asche Und Staub schickt Gott statt Regens eurem Lande Vom Himmel her auf euch, bis ihr vertilgt seid. Geschlagen übergiebt euch Gott dem Feinde; Auf einem Wege zieht ihr wider ihn. Und flieht vor ihm, zerstreut, auf sieben Wegen, Ein Spott und Fangball allen Königreichen. Des Himmels Vögel und das Wild des Waldes, Sie fressen eure Leichen — Niemand scheucht sie. Egyptens Aussatz bringt der Herr auf euch, Mit Beulen, Ausschlag, unheilbarem Leiden. Er schlägt mit Wahnsinn euch, mit Sinnbeläubung Und Blindheit, daß am hellen Tag ihr tappet, So wie der Blinde tappt in ewgem Dunkel. Auf euren Wegen findet ihr kein Glück, Nur Unterdrückung, Tag für Tag Beraubung — Und nirgend läßt sich euch ein Helfer sehn! Verlobst du dir ein Weib — ein andrer nimmt es; Du baust ein Haus — du wirst darin nicht wohnen; Den Weinberg, den du kaufst, darfst du bepflanzen — Die Lese wird ein Andrer darin halten; Vor deinen Augen wird dein Rind geschlachtet — Doch essen darfst du nicht davon; es wird Dein Esel dir geraubt — nie kehrt er wieder; Die Schafe, die du zogst — des Feindes sind sie — Und nirgend läßt sich dir ein Helfer sehn! Es werden eure Söhne, eure Töchter Dahingegeben einem andern Volk. Das sehen eure Augen; sehnend schmachten Sie jenen nach den ganzen Tag, doch machtlos Sind eure Hände. Eurer Felder Ernte Und eurer Müh Ertrag verzehrt ein Volk, Das ihr nicht kennt. Zertreten-, unterdrücktsein Jedweden Tag — das ist eur künftig Los. Was eure Augen schauen, wird in Wahnsinn Den Geist euch tauchen. Schlagen wird euch Gott Mit bösem Aussatz so an Knien wie Schenkeln, Unheilbar von der Sohle bis zum Scheitel. Mitsamt dem König, den ihr über euch Gesetzt, führt euch der Herr zu einem Volk, Das ihr und eure Väter nicht gekannt; Ihm, dessen Götzen Holz und Stein nur sind. Müßt ihr in harter Frohne dienstbar sein. Zum Abscheu werdet ihr, zum Spott und Beispiel Den Völkern sein, zu denen Gott euch jagt. Mit reicher Aussaat geht ihr auf das Feld, Doch wenig bringt ihr ein — Heuschrecken haben Die Ernte aufgezehrt. Den Weinberg mögt Ihr pflanzen und bebauen; doch werdet ihr Von seinem Wein nicht trinken noch ihn keltern — Der Wurm hat alle Mühe euch vernichtet. Oelbäume stehn euch überall; doch werdet Ihr nicht mit Oel euch salben, denn der Baum Hat seine Früchte unreif abgeworfen. Ihr ziehet Söhne auf und Töchter — nicht Für euch; es wird Gefangenschaft ihr Los. Was euch auf Bäumen, auf dem Felde wächst, Das tilgt die Grille kahl. Der Fremdling, der In eurer Mitte weilt, wächst über euch Nur immer mehr hinauf, ihr aber schrumpfet. Euch leiht er — er bedarf des Leihens nicht; Er wird zum stolzen Haupt, und ihr zum Schweif. So werden euch, weil ihr Gehorsam weigert Des Ewgen, eures Gottes, Pflichtgebot, Die Flüche alle treffen und verfolgen Und euch erreichen, bis ihr ausgetilgt, Ein Zeichen wider euch und eure Kinder! Ihr habt dem Ewgen, eurem Gotte, nicht Gedient in Freuden, guten Herzens und Im Ueberfluß — so sollt ihr Feinden dienen. Die euch der Herr geschickt, sollt ihnen dienen In Hunger, Durst und Blöße, allem Mangel, Ein eisern Joch auf eurem Hals, bis daß Ihr allesamt getilgt seid und vernichtet! Der Herr führt über euch aus weiter Ferne Vom End der Welt ein Volk mit Adlersschnelle, Deß Sprache ihr noch nie gehört, ein Volk Von hartem Antlitz, das den Greis nicht achtet Und sich des Knaben nicht erbarmt. Das soll Eur Vieh und eures Lands Ertrag verzehren, Bis daß ihr hin seid! Von Getreide, Most Und Oel, von jungem Vieh, der Schafe Zucht Soll nichts euch bleibeü, bis ihr ganz zu Grunde Gerichtet seid! Es soll auch jenes Volk In allen euren Thoren euch belagern. Bis hingesunken eure hohen Mauern, Die festen, drauf ihr trutztet, rings im Land. Belagern soll es euch in allen Thoren Im ganzen Land, das euch der Herr gegeben, Daß ihr des eignen Leibes Frucht verzehrt. Das Fleisch der eignen Söhne, Töchter, die Der Herr, eur Gott, euch gab — so groß wird Angst, Bedrängnis, Not und Elend bei euch sein! Und wer am meisten unter allen Männern Verweichlicht und verzärtelt ist, der wird Mißgünstgen Augs auf seinen Bruder schauen, Auf seiner Liebe Weib, den Rest der Kinder. Die er am Leben ließ, und keinem gönnen Ein Stück vom Fleisch der Söhne, das er selbst Verzehren will, weil nichts sonst ihm geblieben In aller Not und im Belagrungskampf, Da wild die Feinde drängen an den Thoren! Und die am meisten unter allen Frauen Verweichlicht und verzärtelt ist, die sonst Noch nie den Fuß gestellt auf nackten Boden, Die wird mißgünstgen Augs auf ihren Gatten, Auf ihren Sohn, die eigne Tochter sehn Und auf das Neugeborne ihres Schoßes,

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