Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 51 (19.12.1902)
- Date
- 1902-12-19
- Page
- Seite 795 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 51. Israelitische Wochenschrift. Seite 796. und einem größeren Publikum zugesührt werden. Die literarischen Arbeiten der Gelehrten der Gegenwart gestalten sich daher immer mehr in Sprache und Darstellung einfacher und faßlicher. Es werden da auch die Ergebnisse älterer Forschungen thunlichft weiter ausgebaut, für die alle Klassen der jüdischen Gesamtheit, Gemeinde, Schule und Haus, allmählich gewonnen werden. Wir nennen als hierher gehörig die Geschichtswerke von Jost, Grätz, Julius Fürst, Herzfeld, D. Cassel, M. Levin u. a. m. Von Bedeutung wurden die Literaturgeschichten, die das jüdische Schrifttum in ihren Hauptepochen darstellen und besprechen. Es sind dies die rühmlichen Arbeiten von M. Steinschneider u. a. m. Nicht minder wichtig ist die Herausgabe von Encyklopädien, die in ihren Artikeln das gesamte Wissen der talmudischen Literatur umfassen. Es gehören hierher die talmudische Encyklopädie von Lampronte, ferner die von S.L.Rappaport, betitelt „Erechmilin", von der nur der erste Band, Buchstabe „N", erschienen ist. Diesen in hebräischer Sprache abgefaßten Werken folgte eine in. deutscher Sprache, die „Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud" von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mecklbg.), die er später zu einer „Real-Encyklopädie des Judentums" erweiterte, so daß sie gegenwärtig aus drei Abteilungen besteht, von denen Abteilung I in sieben Heften (zu 10 Bogen) die Artikel des biblischen Schrifttums enthält. Abteilung II bringt in acht Heften (1331 S.) die Artikel aus den Talmuden, Midraschim, den Apokryphen, den Schriften des Josephus und des Philosophen Philo in Alexandrien. Die Abteilung III enthält in ihren sechs Heften die Artikel aus der Literatur der jüdischen Gelehrten der nachtalmudischen Zeit bis zum Anbruch der Neuzeit, ebenso finden wir da mehrere Artikel, die die Arbeiten in Abteilung I und II ergänzen. So behandelt diese Real-Encyklopädie den Lehrinhalt des biblischen, talmudischen und nachtalmudischen Schrifttums der Juden bis zur Neuzeit, der Dogmatik, der Ethik, des Kultus, des Rechts, der Religionsphilosophie, der Geschichte, der Länder- und Völkerkunde u. a. m. In Abteilung I dieser Real-Encyklopädie werden die dogmatischen Artikel: „Gott", „Allgegenwart Gottes", „Allmacht Gottes", „Einheit Gottes", „Allwissenheit Gottes" u. a. m. zum Unterschied von der hellenistischen Ausfassung und der philonischen Philosopheme in ihrer rein biblischen Lehre mit Heranziehung von Aussprüchen aus den Talmuden dargestellt. Auch den Biographien hervorragender Persönlichkeiten in der Bibel, sowie den Angaben der Länder und Völker im nachbiblischen Schrifttum sind mehrere Notizen gewidmet. Die- Ethik des Judentums wird in dem Artikel „Sittenlehre" in ihren Hauptpunkten und Grundzügen angegeben. Als ihr Prinzip wird die Verwirklichung der Gottähnlichkeit des Menschen (s. d. A.) durch Werke der Heiligkeit, Menschenliebe und Freiheit angegeben. In Bezug daraus wird auf den Namen für „Ethik" im biblischen Schrifttum hingewiesen, als „Weg des Ewigen" „'n -pl" mit dem Zusatz „zur Vollziehung des Wachstums und des Rechts" (1. Mos. 18, 18) oder „Pfade des Ewigen" 'n mniN (Jrs. 25, 10). Speziell werden die Werke der Ethik in den Artikeln „Nächstenliebe", „Fremder", „Freund", „Feind", „Feindesliebe", „Arme", „Armenfürsorge", „Dienerschaft", „Sklave", „Arbeit", „Tagelöhner", „Aufrichtigkeit", „Gerechtigkeit", „Bescheidenheit", „Dankbarkeit", „Obrigkeit", „Richter", „Krieg", „Gefangene", „Freiheit", „Heiligkeit" u. a. m. bezeichnet. Auch in diesen Artikeln wird auf die Eigentümlichkeit der ethischen Bibellehre und die Unterschiede zwischen ihr und der Ethik anderer Kulturvölker des Altertums aufmerksam gemacht. Der Kultus hat zur Beleuchtung der biblischen Angaben über seine Gestaltung einen ausführlichen Artikel „Kultus" in der Abteilung II dieser Real-Encyklopädie, aus den wir besonders aufmerksam machen. Wir zitieren hier aus ihm: „Der Kultus eines Volks ist das Sinnbild seiner Gottesanschauung; er repräsentiert den Grad seines Gottesbewußtseins. Auch der Kultus des Judentums ist der lebendige Ausdruck seiner Gottesidee mit ihren Lehren der Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit und Freiheit. Der Gott in der Lehre des Judentums ist keine bloße Idee, kein sogenannter höchster Gedanke, sondern ein reales, absolutes Sein. Er ist nicht bloß ein erhabenes, fernes, jenseitiges Wesen, sondern der den Welten und Geschöpfen nahe Gott, ein Lenker und Leiter ihrer Geschicke. Dieses im Herzen des Israeliten tief liegende Gottesbewußtsein mit den daran sich knüpfenden Lehren und Pflichten fand in der Gestalt des Kultus seine symbolische Abspiegelung. „Gott mit und für die Welt", „Gott mit und um den Menschen", „Gott mit und in Israel in seinen Eigenschaften der Liebe, Heiligkeit und Gnade" — soll durch den Altar, den Tempel und nach ihm durch die Synagoge bildlich vergegenwärtigt werden." (Fortsetzung folgt.) iluil) liitb Sfijni. Uebersetzt von M. A. K. (Nachdruck verboten.) 5. Buch Mose, Kap. 27 und Kap. 28, 1—68. Befehlend richtet Mose, in der Mitte Der Aeltsten Israels, ans Volk die Rede: „Beachtet wohl, was ich euch heute heiße! Wenn ihr den Jarden überschritten habt Und in dem Lande seid, das euer Gott, Der Herr, euch giebt, so nehmet große Steine, Die ihr mit Kalk bewerft, und schreibt darauf. Sobald ihr eingezogen, all die Worte, Die heute ihr vernehmt; daß ihr gewinnet Das Land, das euer Gott, der Herr, euch giebt. Darinnen Milch und Honig fließt, wie einst Der Herr, der Väter Gott, euch kundgethan. Wenn ihr den Jarden überschritten habt, So schichtet jene Steine, kalkbeworfen. Auf Ebals Berge; bauet eurem Gott, Dem Herrn, aus Steinen, über denen nie Ein Eisen noch geschwungen, einen Altar. Nehmt ungebrochne Steine zu dem Bau Des Altars, den ihr eurem Gotte weiht. Und bringt darauf Brandopser eurem Gotte, Mahlopfer auch, und speiset dort in Freuden Vor eurem Gott, dem Herrn, und schreibet deutlich Und klar die Worte alle dieser Satzung, Die heut vor eurem Ohr verkündet wird!"