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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · p. Seite 252

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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Seite 252. Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. diesen gefällt, einmal ein Mädchen längere Zeit versteckt zu halten. Ratibor, 13. April. (Rumänische Auswanderer.) Am Freitag sind hier 279 rumänische Auswanderer eingetroffen, die auf Kosten der Baron Hirsch-Stiftung über Hamburg nach Kanada geschafft werden. Diese wandelnden Zeugen rumänischer Barbarei strafen die offiziellen und offiziösen Auslassungen Lügen, die von Bukarest aus verbreitet werden, um zu verhehlen, was in Rumänien vorgeht, nicht weil man sich dort der Barbarei schämte, sondern weil man fürchtet, der neueste Pumpversuch möchte nicht gelingen. Bad Ems, 13. April. (Majne hajeschuoh.) Namens des Unterftützungsvereins für arme jüdische Kurbedürftige „Emser Heilquelle" (Majne hajeschuoh) versendet Herr Bezirksrabbiner Dr. Weingarten den Bericht für die Jahre 1900 und 1901. Der Verein hat im Jahr 1900 für 14, im Jahr 1901 für 19 Patienten freie Kur, zum Teil freie ärztliche Behandlung, Bäder, Inhalationen u. s. w. besorgt, auch einen größeren oder geringeren Pensionsbeitrag ihnen gewährt. An Spenden gingen dem Verein in 1900 M. 1526.70, in 1901 M. 1605.20 zu. Für Kurgäste und Arme wurden M. 1189.23 bezw. M. 1834.36 ausgegeben. Der Vermögensbestand war Ende 1901 M. 7660.27. London, 13. April. (Abschiedsbankett für Professor Dr. Sch echter.) Am vergangenen Sonntag hat im Trokadero- Restaurant das Abschiedsdiner stattgefunden, das eine große Anzahl von hiesigen Juden dem scheidenden Professor Schechter gegeben. Die Abschiedsreden, deren Erste vom Chiesrabbi, dem Vorsitzenden der festlichen Veranstaltung, gehalten wurde, feierten die Verdienste des ausgezeichneten Gelehrten und gaben dem Bedauern seiner zahlreichen Freunde Ausdruck über die Trennung von dem persönlichen Freund, dem tüchtigen Lehrer und Gelehrten und dem ausrichtigen braven Juden. Professor Schechter dankte in längerer, von anmutigen Geschichtchen belebten Rede und zitierte zum Schluß die Ansprache, die Abraham Lincoln seinen Mitbürgern in Springfield hielt, als er nach Washington abreiste, um dort den Präsidentensitz einzunehmen. Lincoln sagte, die große Ausgabe, die seiner warte, könnte von ihm ohne den Beistand Gottes niemals erfüllt werden, mit dieser Hilfe aber müsse sie zu gutem Ende geführt werden. Er vertraue aus Gott, der mit ihm gehe und bei den Zurückbleibenden ebenfalls bleibe, und der alles zum Guten führen werde. „Seiner Obhut befehle ich Euch, und indem ich hoffe, daß auch Ihr in Euren Gebeten meiner gedenken werdet, ruse ich Euch ein herzliches Lebewohl zu." Rabbiner Morris Joseph toastete aus Mrs. Schechter, die in einer liebenswürdigen Antwortrede für alle Huldigungen und für die kostbaren ihrem Gatten und ihr dargebrachten Erinnerungsgaben dankte. Auch Israel Zangwill hielt eine längere Rede, in der er u. A. sagte, daß in Erwartung des Rabbinerseminars in Jerusalem Herr Professor Schechter in Amerika dazu beitragen solle, daß dort durch die Fusion der westlichen und der russischen Judenheit der Standard des Judentums in der modernen Diaspora gehoben werden solle. Die Herrn und Frau Professor Schechter überreichten Geschenke bestehen in einer silbernen Sedarschüssel mit der entsprechenden Einrichtung, einem Chanukaleuchter, der das Jahr hindurch auch als Sabbatlampe gebraucht werden kann, einem Sabbatbecher nebst Weinkanne, Silberschüssel und Gewürzbüchse und einer künstlerisch ausgesührten und kostbar ausgestatteten Adresse, die von den bedeutendsten Londoner und vielen Rabbinen aus der Provinz, den Vorständen aller großen jüdischen Gelehrten- und Wohlsahrtsvereinigungen und von vielen hervorragenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und von persönlichen Freunden und Verehrern unterzeichnet worden ist. Am Mittwoch sind Herr und Frau Professor Schechter mit ihren Kindern über Liverpool nach Newyork abgereist. Jassy, 13. April. (Auswanderung.) Die durch die letzten Handwerkergesetze brotlos gemachten jüdischen Handwerker rüsten sich zur Auswanderung. Fast täglich gehen Familien von hier fort, in dieser Woche ist an einem Tag eine Gesellschaft von fünfzig Familien von hier abgereist, um nach Kanada auszuwandern. Wie verlautet, wollen 1000 junge Männer sich zusammenthun, um nach China zu übersiedeln, wo schon mehrere rumänische Juden ansässig sind. Dieser Massenfortzug wird sich hier bald bemerkbar machen, denn die Juden gehören hier zu den geschicktesten Handwerkern, die den rumänischen Arbeitern an Fleiß und Tüchtigkeit weit überlegen sind. Seit dem Jahr 1864 sind immer neue Gesetze eingesührt worden, die den Juden den Weg zu den verschiedensten Berufen, ja sogar zur notwendigsten Schulbildung verschlossen haben; die Juden sind dann Handwerker geworden, haben es in verschiedenen Handfertigkeiten zu großer Geschicklichkeit gebracht — nun will man ihnen auch diesen Broterwerb nicht mehr lassen, was bleibt ihnen übrig, als auszuwandern? Smyrna, 10. April. (Das Rothschildkrankenhaus.) Das seit dreißig Jahren hier bestehende Rothschildkrankenhaus, dem die hiesige jüdische Gemeinde so außerordentlich großen Dank schuldig ist, soll mit Ablaus dieses Jahres geschlossen werden. Die Barone Rothschild hatten bereits 100 000 Francs zum Neubau des Krankenhauses zugesagt, die türkische Regierung will aber den Neubau nur genehmigen, wenn das neue Institut unter türkische Oberhoheit kommt und nicht mehr, wie bisher, dem österreichischen Konsulat untersteht. Aus diese Bedingung wollen die Herren von Rothschild nicht eingehen, und sie haben nicht nur die zugesagten 100 000 Franks zurückgezogen, sondern wollen auch den bisherigen jährlichen Zuschuß nicht mehr an das Hospital zahlen, so daß dieses am 31. Dezember d. I. geschloffen werden muß. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Dr. Kelter aus Breslau ist zum Rabbiner in Potsdam gewählt worden. — Der zweite Band der in Newyork in englischer Sprache erscheinenden Jüdischen Eneyklopädie wird wahrscheinlich am 1. Juni sertiggestellt sein. — Der Oberrabbiner Dr. Moritz der jüdischen Gemeinde in Raab in Ungarn ist zum Stadtrat dieser Stadt gewählt worden. — Zwei jüdische Damen in Kassel, Frau Selma Plaut und Frau Rothfels, haben vom Kaiser die Chinamedaille erhalten. — Der König von Dänemark hat Herrn Trier, den Präsidenten des dänischen Folkething, zum Vorsitzenden der großen parlamentarischen Kommission ernannt, die die Frage der nationalen Verteidigung zu prüfen und zu studieren berufen ist. — Am 13. und 14. Mai wird

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