Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 16 (18.4.1902)
- Date
- 1902-04-18
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16. Israelitische Wochenschrift. Sette 251. die Herren Hermann N. Israel, Gustav Jacoby, Rechtsanwalt Dr. Franz Lipmann-Wuls, Wolff Lewin und Martin Fernbach. Die beabsichtigte Statuten-Aenderung, die eine Erhöhung der Maximal-Beihtlfen für Nichtmitglieder bezweckte, konnte nicht vorgenommen werden, da die für Aenderung der Statuten erforderliche Mitgliederzahl nicht anwesend war. Die Versammlung stimmte aber dem Vorstands-Antrag, der vorbezeichnete Aenderung zum Gegenstand hatte, in Form einer Resolution einstimmig zu. Es wird beabsichtigt, diesen Antrag des Vorstands einer im Herbst d. I. einzuberusenden außerordentlichen General-Versammlung aufs Neue zu unterbreiten und die geplante Statuten-Aenderung sodann vorzunehmen. Berlin, 13. April. (Verein Lehrlingsheim Pankow.) Heute Vormittag hat im Sitzungsaal der Ressource von 1794 die ordentliche Generalversammlung des Vereins Lehrlingsheim Pankow unter Vorsitz des Kommerzienrat I. Loewe stattgesunden. Der gedruckt vorliegende Verwaltungsbericht für das bis 31. März 1902 reichende sechste Geschäftsjahr teilt mit, daß im vergangenen Jahr von 45 Aufnahmegesuchen nur 18 genehmigt werden konnten. Nach beendeter Lehrzeit haben 7 Zöglinge die Anstalt verlassen. Der Bestand war 31. März vorigen Jahres 40, am 31. März dieses Jahres 45, der Voranschlag 1902/1903 sieht einen Bestand von 45 bis 50 Zöglingen vor. Raum ist für 70 vorhanden. Die Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel hindert die volle Belegung. Der Etatsvoranschlag für 1902/1903 mit 27 000 M. wurde gutgeheißen, die Revisoren wurden wiedergewählt. Berlin, 13. April. (Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums.) Dem zwanzigsten Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin ist der dritte Abschnitt einer Abhandlung von Dr. E. Baneth über „Maimunis Neumondsberechnung" vorausgeschickt. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der ordentlichen Hörer im Sommersemester 1901 sich aus 28, im Wintersemester 1901/02 auf 30 belief, darunter 5 Oefterreicher, 1 Russe, 1 Amerikaner und außerdem 11 Ausländer hospitierten. An dem Lehrkursus zur Ausbildung akademisch gebildeter Lehramtskandidaten und Lehrerinnen für den Religionsunterricht haben im Sommersemester 1901 zwei Lehramtskandidaten und sechs Lehrerinnen teilgenommen. Im Wintersemester ist der Lehrkursus aus Mangel an ausreichender Beteiligung eingestellt worden. Der eiserne Fonds der Anstalt beträgt M. 191890.20, für lausende Ausgaben verwendbar sind außerdem M. 13 748.40, an sonstigen Stiftungen sind M. 33 292.45 vorhanden, insgesamt ein Vermögen von M. 238 831.05. Berlin, 14. April. (Schomer laboker.) Die Mitgliederzahl des Vereins Schomer laboker umischan abelim zur Unterstützung armer Leidtragender hat, wie in der vorwöchigen Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn I. Weinberg sestgestellt wurde, sich von 80 im Jahr 1897 auf 480 im Jahr 1901 erhöht, während die Unterstützungen durch die den Trauernden gesandten verschlossenen Büchsen auf 9707 Mark gestiegen sind. Der Vorstand hat im Berichtsjahr in 635 Fällen die Büchsen versandt; er wußte nicht, wer genommen und wer gegeben hat. Die turnusmäßig aus dem Vorstand ausscheidenden Herren Martin Fernbach, Jgn. Holz, Max Libenstein, Samuel Cohn, ebenso als Revisoren die Herren Carl Cohn und Moritz Rosenow wurden wiedergewählt. Berlin, 15. April. (Bechaurim-Verein.) Wir machen auf die in dieser Nummer befindliche Anzeige des Bechaurim- Vereins aufmerksam, der die diesjährige Feier am Montag, 21. April morgens 67* Uhr, in gewohnter Weise begeht. Den Vortrag hat Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig übernommen, während Herr Kantor Friedmann als Vorbeter fungieren wird. Der Ueberschuß wird an verschämte Arme verteilt. Memel, 13. April. (Aus dem Literaturverein.) Herr Rabbiner Dr. Carlebach sprach in voriger Woche im hiesigen Literaturverein über den Talmud. Der Vortragende übersetzte Talmud mit „Wissenschaft der jüdischen Religion". Damit ist zugleich ausgedrückt, daß Wissenschaft und Religion keine Gegensätze bilden, sondern daß beide ineinandergreisen, durch einander gedeihen und reisen. Der Talmud ist eine Welt in nuce, ein Mikrokosmus, in dem Wissenschaft und Religion aufs innigste mit einander verbunden sind. Die Religion ist keine Feindin der Wissenschaft, sondern ihre größte Besörderin. Sie lehrt uns Gott kennen und damit auch die Welt, die Schöpfung Gottes. Der Talmud ist ein Zeugnis von der unverweslichen Lebenskraft, die das israelitische Volk sich in allem Unglück bewahrt hat. Die erste Anregung zum Talmud gab Hillel, der ums Jahr 60 vor Christus lebte. Herr Scheinhaus, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, drückte Herrn Dr. Carlebach den Dank der Versammlung für den interessanten und von innerer Wärme belebten Vortrag aus. Strehlen, 13. April. (Milde Strafe.) Wie erinnerlich, war von hiesigen Antisemiten vor 4 Monaten der Versuch gemacht worden, die Lüge von einem Ritualmord zu verbreiten. Geschicktes und thatkrästiges Einschreiten der Behörde erstickte die frevelhafte Bewegung im Werden. Nach diesem Mißerfolg verbreiteten einige wackere Genossen jener Parteirichtung, daß der hiesige Schochet seinem christlichen Dienstmädchen die Brust aufgeschlitzt habe, um ihr Blut zu rituellen Zwecken abzuzapsen. Das Mädchen, hieß es, sei im Krankenhaus gestorben; und als man das Mädchen aus der Straße sah, so versicherte man, daß es infolge des Blutverlustes höchstens noch 2 Tage leben könne. Die Urheber der verleumderischen Märchen wurden ermittelt — es waren der Landbriefträger Carl Frödrich und der Gärtner Friedrich Mandel — und zu je 18 M. Geldbuße verurteilt. Schlochau, 13. April. (Die Antisemiten bei der Arbeit.) Das Dienstmädchen eines jüdischen Mannes hier war vor mehr als einer Woche in nächtlicher Weile daoongegangen. Ihr Verbleiben war unbekannt, Nachforschungen waren ohne Ergebnis. Sofort waren die Antisemiten mit der Mordslüge bei der Hand, die sie mit schaurigen Einzelheiten ausschmückten. Gestern Abend wurden bei jüdischen Kaufleuten die Schaufenster eingeworsen. Glücklicherweise fand sich das Mädchen in Kamin in Westpreußen. Die Polizeiverwaltung brachte das heute, Sonntags, durch öffentlichen Ausruf zur Kenntnis der Bevölkerung. Damit ist den antisemitischen Halunken einstweilen das Konzept verdorben. Dabei aber hat es sein Bewenden, daß die friedliche jüdische Bevölkerung ä la merci der Antisemiten bleibt, sobald es