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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · p. Seite 248

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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Seite 248 Israelitische Wochenschrift. dir. 16. gesetzes befinden. Wie es heißt, hat sich der König „persönlich entgegenkommend" geäußert, aber hinzugefügt, er sei zur Zeit nicht in der Lage, irgend eine positive Aenderung in Aussicht zu stellen. — Etwas Anderes war nicht zu erwarten. Nolite confidere principibus! Die Audienz hat auf der gewährenden Seite den Zweck gehabt, nicht sowohl die Besorgnisse der rumänischen Juden zu zerstreuen — um solche Kleinigkeiten kümmert sich kein echtes Bojarenherz — sondern die Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich der Befriedigung des ewigen rumänischen Pumpbedarfs entgegenstellen könnten. Lediglich aus dieser Rücksicht haben die Minister des Königs Carol die Erteilung der erwähnten Audienz gestattet oder vorgeschrieben oder empfohlen. Die Audienz hat die erwartete Wirkung nicht gehabt. König Carol war zu ehrlich, etwas anderes zu sagen, als was er gesagt hat, und damit war selbst für den freiwillig Blinden klar, daß das hundsföttische rumänische Handwerkergesetz die Juden Rumäniens zur Auswanderung und zur Empörung zwingen muß. Selbst die freiwillig Blinden konnten hiernach nicht umhin, zu sehen, daß Rumäniens wirtschaftlicher Untergang unaufhaltsam ist. Die halbamtliche „Agence Roumaine" hat, um diesen üblen Eindruck abzuschwächen. Befehl erhalten, nachstehende begütigende Unwahrheit zu verbreiten: „Die von geringem Wohlwollen eingegebene, auf Entstellung des Sinns des neuen rumänischen Gewerbegesetzes zurückzuführende Meldung einiger ausländischer Blätter von einer unter den rumänischen Juden bestehenden Auswanderungsbewegung entbehrt jeder thatsächlichen Grundlage. Solche Artikel sind um so bedauerlicher, als sie, wie es vor einigen Jahren der Fall war, eine ungesunde Erregung der Gemüter und eine Bewegung, die sie als vorhanden bezeichnen, wirklich Hervorrufen könnten. Eine derartige Bewegung besteht im gegenwärtigen Augenblick nicht, es liegt für das Vorhandensein einer solchen kein Grund vor." Hier wird also rumänisch-halbamtlich behauptet, daß der König von Rumänien selbst den Sinn des neuen rumänischen Gewerbegesetzes entstellt, mit geringem Wohlwollen beurteilt habe. Die „Jndependance Roumaine" ist in der Verbreitung von unwahren Behauptungen wider besseres Wissen weit positiver. Sie veröffentlicht eine Reihe von Artikeln und Aktenstücken, aus denen hervorgeht, „daß das neue Gewerbegesetz weder nach dem Wortlaut noch nach dem Geist mit den phantastischen Auslegungen gewisser Blätter etwas gemein habe. Insbesondere sei unrichtig, daß Artikel 4, die Hauptquelle der Anfeindungen, die ausländischen Handwerker von der Gewerbeausübung in Rumänien ausschließe. Der Artikel stelle einfach die Bedingungen für solche Handwerker fest, er finde auf eingeborene Juden, die sich nach wie vor des Schutzes der rumänischen Gesetze erfreuen, keine Anwendung." So lautet die Mitteilung, die sich als Privatdepesche in zahlreichen Tageszeitungen findet. Diese angebliche Privatdepesche ist nicht, was sie sagt.. Sie ist von rumänischer Seite dem Wolff'schen Bureau zugestellt. worden, das aus Anstandsgesühl die von ihm als freche Lüge erkannte Meldung nicht unter seiner Verantwortung verbreiten mochte, sondern sie — als „Privatdepesche" den Zeitungen zur Verfügung stellte. Für den Kundigen waren Wert und Tendenz der Auslassung des rumänischen Blattes hinreichend gekennzeichnet. Der Schwindel ist einfach darauf berechnet, einschläfernd zu wirken, die Augen der Welt von der völligen wirtschaftlichen Zerrüttung Rumäniens abzulenken, bis die in Verhandlung stehenden Pumpversuche zur Erledigung gekommen. Rumänien ist ein verlorenes Land, das seinen Untergang tausendmal verdient hat; es ist verrottet und verderbt, nichts mehr heil an ihm und nichts mehr heilbar. Wer sein Geld an Rumänien giebt, wirst das Geld in einen Abgrund und beteiligt sich an den verabscheuungswürdigsten Verbrechen. Die rumänische Regierung hat nur eine Sorge: die Juden zum Schweigen zu bringest, damit die rumänischen Regierungslügen Glauben finden. Sie hat deshalb angeordnet, daß alle auf Organisierung der Auswanderung abzielenden Versammlungen von Juden verhindert werden sollen. In gewohnter Tölpelhaftigkeit hat man bei Ausführung dieser Verordnung auch jüdische Andachts- und Gebetsversammlungen verboten. Wäre bei der rumänischen Regierung eine Spur von Aufrichtigkeit, so würde sie das oben erwähnte Gesetz in bindender Weise interpretiert haben. Das hat sie nicht gethan, das weigert sie sich zu thun. Unsere Glaubensgenossen müssen Rumänien verlassen, um sich zu retten. Es ist die geringste Vergeltung, daß der Häuserkrach in dem verschwindelten und entvölkerten Land sich einstellt, und der Krach der Pfandbrieftnstitute den allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenbruch einleitet. Die PersonknstMdsvtthöltmffk der Iudril in Deutschland. In den „Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik" veröffentlicht Arthur Ruppin den ersten Teil einer Untersuchung über die sozialen Verhältnisse der Juden in Preußen und Deutschland. Dem ersten Kapitel, das über die Personenstands- und Familienverhältnisse der Juden handelt, entnehmen wir folgende Angaben: Während bis zum Jahr 1880 der prozentuale Anteil der Juden gegenüber den Christen (einschließlich aller Sekten und Dissidenten) beständig stieg, ist seit 1880 in Preußen jener prozentuale Anteil von 13,3 aus 11,4 pro Mille zurückgegangen und hat sich für ganz Deutschland von 12,5 pro Mille im Jahr 1871 aus 11,5 im Jahr 1890 vermindert. Ausschlaggebend hierfür ist der überraschend große Rückgang der jüdischen Geburtsziffer. Im Durchschnitt der Jahre 1820 bis 1866 kamen aus 1000 Juden jährlich 37,20 Geburten, 1878—1882 jährlich noch 30,32 Geburten; im Jahrfünft 1893-1897 dagegen ging jene Ziffer aus 22,25 zurück, während sie bei den Christen 38,15 betrug. Ruppin hält diese Thatsache für entscheidend über die Zukunft der Juden in Deutschland: von der Geburtenhäufigkeit hänge es in erster Linie ab, ob sie sich inmitten der christlichen Bevölkerung selbständig erhalten würden. Die innersten Gründe des Geburtenrückgangs lassen sich mit voller Sicherheit nicht an-

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