Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- Seite 189 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12. Israelitische Wochenschrift. Seite 189. Besuchern die ganze Anstalt und ließ sie die in der Werkstatt arbeitenden Schüler in voller Thätigkeil sehen. Paris, 16. März. (Isidore Cahen.) Nach langer schwerer Krankheit ist der Direktor der Zeitschrift Archives Jsraelites, Isidore Cahen, im Alter von 76 Jahren gestorben. Er hat sein ganzes Leben der Wissenschaft und den Interessen des Judentums gewidmet, nachdem er Philologie studiert, den Doktorgrad erlangt und sich zur Karriere eines Unioersitätsdozenten vorbereitet hatte. Das Beispiel seines gelehrten Vaters, der einer der ersten französischen Bibelüberfttzer gewesen und 1840 die Archives Jsraelites, die erste jüdische Zeitschrift in Frankreich begründet hatte, veranlaßte den jungen Philologen, die Universitätslausbahn zu verlassen und sich mit der jüdischen Literatur zu beschäftigen. Seit 1852 hat Isidore Cahen an den Archives Jsraelites gearbeitet und hat in diesem Blatt und in anderen Schriften stets die Fahne Israels hochgehalten, und sein Volk und seine Religion mit Begeisterung und großer Gewandtheit gegen alle Angriffe verteidigt. Noch während seiner schweren Krankheit hat er sichs nicht nehmen lassen, für das von ihm geleitete Blatt zu arbeiten, das in ihm einen schwer zu ersetzenden Redakteur und Schriftsteller verliert. Der Beerdigung des Verstorbenen, der auf dem Friedhof Montparnaffe beigesetzt wurde, wohnte ein zahlreiches Trauergefolge bei; die Gedächtnisreden hielten der Grandrabbtn von Paris und Herr Prague, der Verleger der Archives Jsraelites. Christiania, 16. März. (Rabbiner Dr. Aschkanaze.) Die vortreffliche hebräische Uebersetzung, die Herr Rabbiner Dr. Aschkanaze von dem norwegischen Grundgesetz angefertigt und herausgegeben hat, ist in der norwegischen Gesellschaft aus das freundlichste und freudigste ausgenommen worden. Die Norweger sind außerordentlich stolz aus ihr Grundgesetz, das in der sogenannten Reichsversammlung in Eidsvold am 17. Mai 1814 endgiltig angenommen wurde. Das Andenken der Eidsvoldmänner wird bis auf den heutigen Tag hoch in Ehren gehalten. Der 17. Mai ist der Nationaltag der Norweger. Die hebräische Uebertragung dieses Grundgesetzes durch den Rabbiner ist von den Lehrern der hiesigen Universität als meisterhaft bezeichnet worden. Alle Zeitungen ohne Unterschied der politischen Partei sind voll Lobes für Dr. Aschkanaze. Ein Mitarbeiter eines hiesigen konservativen Tageblatts „Örebladet" hat Herrn Dr. Aschkanaze regelrecht interviewt. Nehemjas Jsaksohn. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Die beliebte Schriftstellerin Jenny Hirsch ist im Alter von 73 Jahren in Berlin gestorben. — Von den jüdischen Malern, die sich bei der Berliner Akademie der Künste um den Michel Beer-Preis beworben, hat der Maler David Mo so den Preis erhalten. — Bei seinem Scheiden aus dem Lehrerverband der Universität Cambridge ist dem Professor Dr. Sch echter eine von sämtlichen Professoren Unterzeichnete Abschiedsadresse überreicht worden. Vakanzen. Löwenberg i. Schl. Rel.-L., K., Sch., 840M. Geh., 160 M. Nebeneink. Meld. an Herrn S. Müller. — Menzingen. Rel.-L., K., Sch., 630M. Geh., 300 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Herrn Ferd. Ledermann. — Mallstadt, Pfalz. ' K., 400 M. Geh., ft. W., 600 Nebeneink. Meld. an Herrn Karl Kuhn. — Preuß.-Friedland. Rel-L., K, Sch., 1350 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Herrn I. Hirschfeld. — Kirf, Vez Trier. Rel.-L. und K. (ledig). Meld. an Herrn David Kahn. — Erfelden, a. Rhein bei Darmstadt. Lehrer, K., Sch. (ledig), 600 M. Geh., 300—400 M. Nebeneink. Meld. an Herrn Meier Sternfels 1. — Guntersblum. Sem. geb. Rel.-L. und K., 1000 M- Geh., fr. W. Meld. an Herrn Otto Mann. Homberg a. Ohm- Lehrer, K., Sch., 1000 M. Geh., fr. W. Meld. an Herrn Leop. Levi. — Militsch, Bez. Breslau. Rel.-L., K., Sch, 1500 M. Geh., fr. W. Meld. an Vorst. — Köln. Akad. geb. Lehrer. Meld. an Vorst. — Djakovar (Slavonien). Rabb. und Pred., 2000 Kronen Geh., fr. W. Meld. an Herrn Adolf Kohn. Feuilleton. Spinne» und Fliegen. Kulturhistorische Erzählung von Gregorij Bogrow. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Papa", sagte Daniello in spanischer Sprache, „sieh doch, wie hier alles sauber ist! Warum wird behauptet, daß die Juden unsauber seien?" „Rabbi", sagte der Doktor, Platz nehmend. „Wie ich sehe, sind Sie nichts weniger als reich." „Ich bin reicher als selbst Pan Potocki, Doktor." „Wirklich?" sagte der Doktor lächelnd. Daniello sah den Rabbiner erstaunt an. „Jawohl. Ich erfreue mich des größten Reichtums; ich bin mit meinem Los zufrieden." „Sind Sie Philosoph?" „Nein, ich bin nur gläubig." „Wie ich sehe, Rabbi, scheinen Ihnen die Pans viel Böses zugesügt zu haben." „Böses, sagen Sie?!" rief der Greis aufspringend. „Sie haben meine Familie erschlagen, mich, einen feurigen Menschen voll Lebens, Strebens und Höffens in einen siechen Greis verwandelt, in eine wandelnde Leiche; sie haben die Gesundheit meines Weibes untergraben, das säst erblindet ist vom Weinen, meine Enkelin zu einer elternlosen Waise gemacht, die außer uns Greisen keinen Menschen auf der weiten Erde hat." „Verzeihen Sie, mein Freund, verzeihen Sie mir. Ich habe ohne Wissen traurige Erinnerungen in Ihnen wachgerusen. Lassen wir das. Suchen Sie die Vergangenheit zu vergessen; wozu vernarbte Wunden wieder aufreißen?" „Ach nein. Diese Wunde war nie vernarbt, wird nie vernarben, bis daß meine Augen sich schließen zum ewigen Schlaf." „Uebrigens — gestatten Sie die Bemerkung — Sie sind den übrigen polnischen Juden nicht ähnlich, Rabbi. Sie sind nicht in Polen geboren, nicht wahr?" „Eine ähnliche Wahrnehmung glaube ich an Ihnen gemacht zu haben, Doktor; auch Sie scheinen nicht in Polen geboren. Ich fühle, daß mich etwas zu Ihnen zieht. Und ich werde Ihnen alles erzählen, alles. Ich möchte mein Herz ' erleichtern. Wollen Sie es hören?"