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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · p. Seite 188

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
Seite 188 (sequence 17)
Language
German
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Seite 188. Israelitische Wochenschrift. .Nr. 12. fremder Herkunft, darin bestehen, gemeinsam für das Wohl und die Zusammengehörigkeit der Gemeinden zu arbeiten. Mit vorzüglicher Hochachtung P. Arnstein, Sekretär." London, 16. März. (Ein Wohlthätigkeitsdiner.) Das schon vor Monaten angekündigte Diner zum Besten der hiesigen jüdischen Religionsschulen — Jewish Religtous Education Board — hat am Mittwoch unter dem Vorsitz des Herrn Leopold von Rothschild stattgefunden. Man hat vorher gewußt, daß für diesen wohlthätigen Zweck die Summe von 12 000 L. St. ausgebracht werden sollte, und vor Schluß des Festes konnte der Schatzmeister des Vereins den versammelten Gästen Mitteilen, daß die Sammlungen 11 850 L. St. ergeben hätten, und daß soeben ein anonymer Spender die fehlenden 150 L. St. zugelegt habe. Zu den Gästen des Diners gehörten fast die gesammte jüdische Geistlichkeit und die vornehmsten jüdischen Familien aus London. Den ersten offiziellen Toast brachte Claude G. Montcfiore auf die jüdischen Geistlichen aus. Er führte aus, daß ihm bei sonstigen offiziellen Anlässen der obligate Toast auf die Geistlichkeit sehr überflüssig erscheine; im vorliegenden Fall aber gehören die Geistlichen an die erste Stelle. Nicht nur weil sie die Vertreter und Leiter der religiösen Erziehung seien, sondern weil sie auch speziell zu dem Zustandekommen der heutigen Sammlung sehr viel beigetragen. Er selbst habe gemeinschaftlich mit einem Rabbiner, den er nicht nennen wolle, Sammlungen unternommen und bei dieser Gelegenheit bei seinem Begleiter so außerordentliche Talente entdeckt, daß er ihm habe sagen müssen: „Wenn Ihre Beredtsamkeit und Ihr Einfluß aus der Kanzel so groß sind, wie Ihre Geschicklichkeit im Schnorren, so sind Sie einer der mächtigsten und einflußreichsten Geistlichen von allen Glaubensgemeinschaften der ganzen Welt!" Redner schließt mit einem Hoch aus die Rabbiner, speziell aus den Chiefrabbi Dr. Adler. Im Namen der Londoner Geistlichkeit spricht der Chiesrabbi den Dank für die freundlichen Worte des Vorredners aus und erklärt des Weiteren, daß die Rabbinen und Geistlichen in der anwesenden Gesellschaft manche in jüdischer Gelehrsamkeit so gut beschlagene Privatleute fänden, daß sie in mancher Hinsicht sogar von ihnen übertroffen werden. So habe z. B. der heutige Vorsitzende Herr Leopold von Rothschild vor einigen Wochen im Londoner Rathaus als Stadtverordneter eine Rede zu Gunsten des Veit-Hospitals mit einem sehr paffenden und schönen Zitat aus dem Talmud geschlossen und habe dafür den Beifall der der ganzen Versammlung erhalten. Aus den Zweck des Diners zurückkommend, macht Dr. Adler daraus aufmerksam, daß Tausende von jüdischen Eltern mit ängstlicher Spannung aus das Ergebnis der heutigen Sammlung warten, die ihren Kindern den ferneren freien Religionsunterricht zu sichern bestimmt ist, und daß angesichts der großen Anstrengungen, die die verschiedenen Missionswerke zur Bekehrung der Londoner Ostendjuden machen, auch die wohlhabenderen Juden ihr Mögliches thun müssen, um durch geeigneten Unterricht die jüdische Jugend in ihrer Religion zu befestigen und festzuhalten. Der dritte Redner, Herr Leopold de Rothschild, gab nach einigen launigen persönlichen Bemerkungen eine Uebersicht über die Leistungen der Jewish Educational Board. Die aus einem vor drei Jahren stattgesundenen Diner ge, sammelten Gelder haben bis jetzt vorgehalten; die heute erlangte Summe ist für die Ausgaben der nächsten drei Jahre bestimmt. Ungefähr 20 000 jüdische Kinder besuchen die hiesigen Elementar-Schulen. 7000—8000 davon gehen in die jüdischen Schulen, die übrigen davon verteilen sich aus die städtischen und die Kirchenschulen und auf andere nichtjüdische Unterrichtsanstalten, wo weder hebräischer noch Religionsunterricht erteilt wird. In der Stephanskirchenschule in Spitalfields sind 304 jüdische Schüler, in der Christkirchen- Nationalschule über 100. Die Schulbehörden dieser beiden Kirchenparochien haben sich an den Chiesrabbi mit dem Ersuchen gewendet, für den Religionsunterricht dieser Kinder Sorge zu tragen, und diesem Wunsch muß unbedingt willfahrt werden. Die Gesamtausgaben unseres Vereins für das abgelaufene Jahr betrugen 4075 L. St., die fast vollständig für Lehrerhonorare, Schulmaterialien und Mietszahlung an die städtische Schulbehörde für Ueberlassung der Schulräume verwendet worden waren; die gesamten Verwaltungsunkosten haben sich nur aus 158 L. St. belaufen, ein Beweis dafür, daß in der Hauptsache mit uneigennützigem Fleiß und Eifer für die gute Sache gearbeitet wird. Sir Philip Magnus toastete auf die Londoner Schulverwaltung, deren Entgegenkommen die Thätigkeit der jüdischen Religionsschulen bedeutend erleichtere, und G. L. Bruce, ein Mitglied dieser Verwaltung, dankte für die Anerkennung und führte aus, daß die städtischen und die jüdischen Schulbehörden dieselben Ziele verfolgen und deshalb auch Hand in Hand gehen müssen. Mit einer längeren Dankrede an den Vorsitzenden und das mit ihm arbeitende Komitee und einer daraus folgenden bescheiden abwehrenden Entgegnung des Herrn Leopold de Rothschild wurde die Reihe der offiziellen Tischreden geschlossen. Paris, 16. März. (Die Ecole normale Jsraelite.) Die in Auteuil belegene von der Alliance Jsraelite begründete „Ecole Normale Jsraelite" hat kürzlich durch Freigebigkeit des Herrn Konsul Simon aus Hannover die nötigen Mittel zur Anlegung einer Zimmerwerkstatt erhalten. Bei einem kürzlichen Besuch in Auteuil tras Herr Simon zufällig mit dem Präsidenten der Alliance, Herrn N. Leven, und mit dem Vorstandsmitglied der Anglo-Jewish Association, Madame Otterbourg, zusammen, die eben eine Inspektion der Anstalt vornehmen wollten. Herr Leven nahm die Gelegenheit wahr, um Herrn Konsul Simon für seine großmütige Gabe zu danken, und sprach die Hoffnung aus, daß der Handsertigkeitsunterricht den von der Alliance herangebildeten jungen Lehrern zu großem Vorteil gereichen würde. Herr Leven kam dann auf die von Herrn Simon beabsichtigte Reise nach Nordasrika und machte ihn darauf aufmerksam, daß er dort wahrscheinlich verschiedene von dieser Schule vorgebildete junge Leute in Thätigkeit sehen würde. Er bat ihn, seine dortigen Erfahrungen und die ihm daraus kommenden Anregungen der Alliance mitzuteilen, die ihm dafür sehr dankbar sein würde. Herr Konsul Simon sprach mit seinem herzlichsten Dank für die liebenswürdige Anerkennung seine Bewunderung für Herrn Leven aus, der vor 42 Jahren mit den berühmtesten Vertretern der Judenheit die Alliance Jsraelite begründet und gegen dessen erfolgreiche Thätigkeit seine eigene kaum nennenswert sei. Der Direktor der Schule, Herr Danon, zeigte den

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