Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- Seite 187 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israelitische Wochenschrift. Seite 187. Nr. 12. schastlicher Lehrer an der Schule der hiesigen jüdischen Gemeinde und als Religionslehrer am hiesigen Gymnasium zum Grauen Kloster. Am Köllnischen Gymnasium ist Herr Rektor Meseritz seit 20 Jahren Religionslehrer. - ars. Charlottenburg, 18. März. (Siebzigster Geburtstag.) Heute feierte der auch in weiteren Kreisen bekannte Stadtrat Rudolf Jsaac seinen siebzigsten Geburtstag. Große Ehrungen wurden ihm zu Teil. Unter Führung ihres Vorsitzenden des Herrn Dr. Edel beglückwünschte der Vorstand der Charlottenburger Religionsgemeinde den langjährigen Kollegen. Herr Dr. Bernstein überbrachte namens des Freisinnigen Wahlvereins des Kreises den Ausdruck freudiger Anteilnahme der politisch Gleichstrebenden. Auch die Loge wie die städtischen Verwaltungen ehrten die wackeren Dienste, die Herr Jsaac in langen Jahren dem Gemeindewohl geleistet hat. Seine geistige Regsamkeit und körperliche Rüstigkeit sichern Gleiches noch aus Jahre hinaus. Frankfurt a.M., 18. März. (Israelitische Religionsschule.) Der Verwaltungsbericht der hiesigen Israelitischen Religionsschule für das abgelaufene Schuljahr giebt die Zahl der mit Religionsunterricht versorgten Schüler und Schülerinnen aus 586 an. Davon entfallen auf die Schule am Hermesweg 312, auf die Schule an der Unterlindau 80, aus die 3 Gymnasien und die Adlerflychtschule 172, auf das Bethhamidrasch 12, auf die Vorbereitungsklasse für den rabbinischen Beruf 10. Danzig, 17. März. (Vortrag.) Am 11. ds. hielt Herr Rabbiner Dr. Beermann aus Insterburg einen äußerst beifällig aufgenommenen Vortrag im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Vor der zahlreich erschienenen Hörerschaft sprach Redner, der zum ersten Rial in Danzig war, über die Erfolge des Judentums in der griechischrömischen Kullurwelt. Nach einer schwungvollen Einleitung, deren Hauptinhalt eine Verherrlichung der Geschichtswissenschaft war, schilderte Herr Dr. B. in kurzen, markigen Zügen das Milieu in der griechisch-römischen Kultuxwelt. Judenhaß gab es auch in damaliger Zeit. Cicero, Tacitus und andere Schriftsteller ließen erkennen, wie groß damals die Abneigung gegen die Juden war, wenn auch einige Schriftsteller, wie namentlich Philo, den Wert der Juden und ihrer Religion hochschätzten. Interessant war zu hören, daß zum ersten Mal von Apion in Alexandrien das Märchen vom Ritualmord in die Welt gesetzt worden war. Nichtsdestoweniger fand die jüdische Religion bei Männern und Frauen des römischgriechischen Kaiserreichs Eingang. Damit war Redner auf das eigentliche Thema seines Vortrags gekommen- Mit Angabe von Beispielen führte er ausführlich aus, wie Männer und weit mehr noch Frauen den jüdischen Glauben annahmen, ganz nach jüdischer Art lebten und Fest- und Fasttage beobachteten. Man schätzte die Zahl der Uebergetretenen aus mehrere Tausend. Alsdann warf Herr Dr. B. die Frage aus, warum nicht das Judentum, wie später das Christentum, eine sogenannte Weltreligion geworden sei. Die Antwort: weil der Kaiser Hadrian bei Todesstrafe den Uebertritt verboten habe, hielt er für falsch, denn auch der Uebertritt zum Christentum war bei Androhung derselben Strafe verboten. Der wahre Grund, nach der Meinung des Redners, war der, daß das Judentum den Uebertritt nicht erstrebte, im Gegenteil ihn möglichst erschwerte und vor allen Dingen nichts von den Grundprinzipien seines Glaubens und den Vorschriften seiner Religion aufgab. In wirkungsvollster Weise richtete zum Schluß der Vortragende einen Appell an seine Zuhörer, unter den eigenen Glaubensgenossen Proselyten zu machen und sie zum Judentum zurückzusühren und ihnen den wahren und unausrottbaren Gottesglauben zu predigen. In dem etwa einstündigen Vortrag hat Herr Dr. B. mit solcher Begeisterung gesprochen, daß die Anwesenden vollkommen in seinem Bann standen. Er versteht es aber auch durch die Art seines Vortrages, durch die Begeisterung, die er selbst empfindet, seine Zuhörer von Anfang bis zu Ende zu fesseln. London, den 16. März. (Die neuen Dajonim.) Der Vorstand der United Synagogue hat jetzt offiziell die aus dem neulichen Protestmeeting der Ostend-Juden gefaßte Resolution in Bezug aus die Wahl der neuen Dajonim erhalten und hat sie in folgendem Schreiben an Herrn B. Solomon beantwortet: „Sehr geehrter Herr! Die in einem am 1. d. M. stattgehabten Meeting gefaßte Resolution ist in Ihrem am 2. cr. abgegangenen Schreiben dem Vorstand zugegangen und ihm in der Sitzung vom 4. er. unterbreitet worden. Zu ihrer Beantwortung bin ich mit der Mitteilung an Sie beauftragt, daß die Vorstandsbeschlüsse bezüglich der Anstellung von Dajonim nach der sorgfältigsten Ueberlegung und nach zahlreichen Beratungen zwischen dem Chiesrabbi und den Ehrenbeamten gefaßt worden sind, und daß sie vom Vorstand unter der Zustimmung vieler Mitglieder angenommen wurden, die mit dem Ostend und seinen Bedürfnissen genau vertraut sind, auch mit den Wünschen der im Ausland geborenen Ostend- Juden. Die Absicht der vorgeschlagenen Anstellungen ist seit längerer Zeit bekannt gewesen und ist in der jüdischen Presse ausführlich behandelt worden, in der auch zu Meldungen für die betreffenden Stellen ausgefordert worden ist. In angemessener Frist wird über die eingelausenen Meldungen verhandelt werden. Es wird niemand angesteüt werden, der nicht nfcOn mnn besitzt, in der Bibel, dem Talmud und dem Schulchan Arucy genau Bescheid weiß und Seine Ehrwürden den Chiesrabbi von seinen streng orthodoxen Prinzipien und seiner allgemeinen Eignung für die hohen und heiligen Pflichten überzeugen kann, die zu erfüllen er berufen werden soll. Ich muß noch hinzusügen, daß der Vorstand bei den beabsichtigten Anstellungen nach besten Kräften bemüht sein wird, für den Ostend solche Beamten zu finden, die das Vertrauen und die Achtung der Juden dieses Distrikts verdienen. Mit der beabsichtigten Anstellung hofft man eine Angelegenheit zu gutem Ende zu bringen, die dem Vorstand sehr am Herzen liegt. Es ist immer sein ernstestes Bestreben gewesen, den religiösen Gefühlen und den Sympathien der im Londoner Ostend wohnenden Juden von fremder Herkunft die größte Achtung zu erweisen und in naher Fühlung mit ihnen zu bleiben, damit sie selbst sich als Mitglieder derselben Gemeinde fühlen, der ihre englischen Brüder angehören. Der Vorstand war jederzeit bereit und wird immer bereit bleiben, jeder Anregung Gehör zu geben, die für die Interessen irgend eines Teils der Londoner Juden wünschenswert sein sollte, und er hofft zuversichtlich, daß die Ziele aller, ob englischer oder