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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · p. Seite 186

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
Seite 186 (sequence 15)
Language
German
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Seite 186. Israelitische Wochenschrift. Nr. 12. und Führung der Kinder besonders verdient. Den Bemühungen der Herren Oberkantor Sarasohn in Stettin und Lehrer Borchardt in Samter sind sehr zahlreiche Freistellen zu verdanken. Berlin, 16. März. (Jüdischer Privatschulzirkel.) Fräulein Anna Peltesohn, geprüfte Schulvorsteherin, die schon seit einer Reihe von Jahren Unterrichts- und Spielkurse eingerichtet und geleitet hat, beabsichtigt, zum April einen neunklassigen Schulzirkel zu eröffnen. Dieser Schulzirkel ist staatlich konzessioniert, sein Lehrplan stimmt mit dem der städtischen höheren Mädchenschule überein. Fräulein Peltesohn hat ihn wegen der wiederholten Abweisung jüdischer Schülerinnen von den Töchterschulen besonders des Westens ins Leben gerufen. Aus diesem Grund ist auch der Stundenplan so eingerichtet worden, daß am Sonnabend in der Schule nicht geschrieben wird, so daß Kinder aus frommen Häusern dort ohne Versäumnis am Unterricht teilnehmen können. Da jede der neun Klassen nur höchstens sechs Kinder ausnehmen darf, konnte die Zahl der Stunden aus die Hälfte herabgesetzt werden, so daß durchweg 2Vs Stunden täglich unterrichtet wird. Neben den wissenschaftlichen und technischen Fächern wird aus den Religionsunterricht besondere Sorgfalt verwendet. Der technische Unterricht wird von Fachlehrerinnen, der fremdsprachliche von Ausländern oder im Ausland ausgebildeten Lehrkräften erteilt. Der Unterricht findet Motzstraße 8 in besonders dazu eingerichteten Räumen statt. Für den Eintritt gelten die in allen hiesigen Privatschulen üblichen Bedingungen. — Wir wünschen dem Unternehmen das beste Gelingen. Berlin, 16. März. (Verein „Amicitia".) Die „Amicitia", die jetzt in das 32. Jahr ihres Bestehens getreten ist, hielt am 13. d. M. die Gedenkfeier für ihre Heimgegangenen Gönner und Wohlthäter ab. Zu ihr waren außer dem Vorstand auch eine Anzahl von Ehrengästen erschienen. In einer an den Wochenabschnitt anknüpsenden Rede wies Herr Dr. Eschelbacher auf die edle Gesinnung, das gute Herz als die Quelle aller guten Stiftungen und gemeinnützigen Anstalten hin. Wie bei der Ausstattung des Stistszelts nur freiwillige Gaben zugelaffen wurden, wie nur Liebe, reine Begeisterung und herzliche Teilnahme als die treibenden Faktoren wirken, so sind heute noch dieselben Gesinnungen und Empfindungen die Triebfeder, die Institutionen und Veranstaltungen wie die „Amicitia" entstehen lassen. Diese uralte schöpferische Kraft der Bruderliebe bleibt in Israel ewig jung und setzt sich in zahlreichen Werken der Barmherzigkeit in die äußere Erscheinung. Die Gründer und Wohlthäter der Anstalt hätten sich mit tapferer und fleißiger Hand erst selbst ihr Lebensglück gezimmert, seien aber nicht in den Zerstreuungen und Behaglichkeiten des Daseins ausgegangen, sondern bewahrten sich auch aus der Höhe ein Herz für fremdes Weh und fremdes Leid. Besonders habe sich ihr fürsorgliches Herz der „Amicitia" zugewendet, die mit Recht den Namen „Freundschaft" führt. Denn die Urheber und Stifter wollten in ihren Schützlingen nicht Fremde, Arme und Erniedrigte sehen, sondern ihnen in Achtung und Freundschaft, in brüderlicher Liebe und Zuneigung die Hand reichen. Dazu besaßen sie neben dem guten Herzen auch den festen Geist, den freien Blick und die gereiste Erfahrung des Lebens. Mit der Aufforderung an die Schüler, ihren ganzen Eifer beim Erwerben von Kenntnissen zu entfalten, schloß der Redner seine schöne Ansprache. Der Verein, dessen Vorsitzender der Landschaftsmaler I. Bodenstein ist, bezweckt bekanntlich die geistige und materielle Förderung von Handwerkslehrlingen, besonders solcher, deren Schulbildung eine mangelhafte geblieben ist. Zöglingen der Anstalt werden auch Beihilfen zu technischer Vervollkommnung in ihrem Handwerk gewährt. B. Traubenberg. Berlin, 18. März. (Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens.) Am Montag Abend hielt im Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Beuthstraße 20, Herr Dr. med. Julius Moses einen Vortrag über „Das Handwerk unter den Juden". Da wir in der Lage sein werden, den Vortrag im Wortlaut zur Kenntnis unserer Leser zu bringen, so dürfen wir uns heute begnügen, zu sagen, daß er vortrefflich war und großen Eindruck auf die Hörer machte. Er gipfelte nach belehrenden sachlichen Darlegungen in der Aufforderung an die jüdischen Handwerker, sich zweckentsprechend zu organisieren. In der Diskussion war von manchen persönlichen Beschwerden und Erfahrungen die Rede, auch wurden verschiedene positive Vorschläge und Wünsche befürwortet, und alle Redner waren darin einig, der Anregung des Vortragenden Folge zu geben. Das wäre wohl noch reiner und ungetrübter hervorgetreten, wenn nicht ein zionistischer Agent Unwillen hervorgerufen hätte durch die wiederholten Versuche, die mit der Not des Lebens ringenden Handwerker, die zur Lösung praktischer Fragen zusammengekommen waren, in das Lager einer Gruppe zu ziehen, die mit freigebigen Versprechungen ohne Termin zahlt. Berlin, 16. März. (Beisetzung Eugen Rosenstiels.) Die Beisetzung Eugen Rosenstiels hat heute aus dem Friedhof in Weißensee stattgesunden. Die Beteiligung war außerordentlich groß, der Anerkennung entsprechend, die des Verstorbenen Wirken verdientermaßen gesunden. Die Mitglieder des Wohlthätigkeitsvereins Gewul tauw und des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker waren korporativ mit ihren Bannern erschienen. Die Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig, der mit warmer Würdigung dem Charakter des Verewigten gerecht wurde. Namens des Ausschusses des D.-J. G.-B., der Groß-Loge und der Montefiore - Loge hielte^ deren Vorsitzende, die Herren Pros. Philippson, Rechtsanwalt Tiemendorser und Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn, kurze, kernige Ansprachen, die dem Gedächtnis Eugen Rosenstiels und der Wertschätzung seines Thuns galten. Berlin, 18. März. (Gemeindeorganisationsgesetz.) Herr Hofrat Professor Dr. Rosin in Freiburg hat die Ausführung des vom VIII. Deutsch-Israelitischen Gemeindetag im Oktober 1898 gefaßten Beschlusses freundlichst übernommen, aus Grund der inzwischen veranstalteten Enquete über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich ein neues Organisationsgesetz auszuarbeiten. Berlin, 19. März. (Jubiläum.) Herr Rektor S.Meseritz feiert am 27. d. M. sein 25 jähriges Jubiläum als wissen-

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