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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-03-21 · Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 5 (1902) · p. Seite 27

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 5 (1902)
Date
1902-03-21
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5. Israelitische Wochenschrift. Seite 27. Gewiß hast du den Armen hart bedrücket, Den Dürftgen noch beraubt, der dir geklagt. Den Hungrigen von deinem Tisch geschicket. Dem Durstigen den Labetrunk versagt. Hast vor dem Mächtgen schmeidig dich gebücket. Nach Witwen und nach Waisen nicht gefragt — Das ifts, darum muß Angst dich nächtlich wecken, Umgeben Schlingen dich, verfolgt dich Schrecken! Herrscht Dunkel? oder bist du so verblendet, Daß du nicht siehst, wie Gott im Himmel thront, Daß zu den Sternen sich dein Aug nicht wendet? Du denkst vielleicht: der in den Höhen wohnt. Den Blick nicht durch den Wolkenschleier sendet, Gleichgiltig ists ihm, wie er straft und lohnt? So hast du dich den Trutzigen vermählet, Von denen alte Sage uns erzählet. Die hatten Gott gelästert und verachtet, Und dennoch waren ihre Speicher voll. Doch plötzlich hat das Unheil sie umnachtet, Das Wasser über ihre Häupter schwoll. Wer graben Herzens ihr Geschick betrachtet. Der bringt dem Herrn ehrfürchtgen Dankes Zoll: Gerechtigkeit hat ihren Streit geschlichtet, Das Feuer hat den Frevelmut gerichtet. So kehre doch zum Herrn — er wird dich segnen; Hör seines Mundes Weisungen und nimm Zu Herzen dir sein Wort, so läßt er regnen Erquickung über dich und heilt, was schlimm. Wirst du mit innger Reue Gott begegnen, Beglückt er dich, ist ausgelöscht sein Grimm. Wirs in den Staub dein Gold und Prunkgeschmeide — Die Allmacht schenkt dir Heil und höchste Freude! Dann jauchzest du im Herrn, mit Wonnebeben Blickst du zu seinen gnadenreichen Höhn. Er wird Erfüllung deinen Bitten geben, In Huld erhören dein demütig Flehn. Er wird zu seinem Lichte dich erheben, Er läßt die Worte deines Munds bestehn. Ist einer tief gesunken, schuldverkettet, Dein Fürwort ist es, das den Schuldgen rettet! Kapitel 23. Zur Antwort ließ sich Jjob so vernehmen: Nock immer will man Klage mir verwehren. Schilt meine Seufzer Widerspenstigkeit; Mein Stöhnen soll die Strafe mir vermehren. Müßt ich nur Gott zu finden, meinen Streit Brächt ich vor ihn mit bündigen Beweisen; Aus die zu hören, wär er gern bereit. Er zeigte mir nicht seine Hand von Eisen, Er schreckte mich nicht fort mit Drohgeberden, Nein, lauschte willig des Gerechten leisen. Des Redlichen begründeten Beschwerden. Ich würde in Geradheit mit ihm fechten, Freisprechung müßte mir für immer werden. Doch ach, ich find ihn nicht. Geh ich zur Rechten: So ist er fort; zur Linken: auch nicht da, In Ost und Westen nicht. Zu seinen Knechten Hab ich in Treuen stets gehört. Ich sah Aus seiner Schritte Spur; im Herzen hegte Ich seine Satzung, folgt ihr fern und nah. Doch wer kann sagen, was den Herrn bewegte! Was seine Seele will, das führt er aus. Was meinem Schicksal in den Schoß er legte. Das wird Ereignis. Darum fühl ich Graus Und horch auf ihn mit Aengsten und mit Schrecken. Voll Zagen blick ins Dunkel ich hinaus; Er wollt es nicht vor meinem Aug bedecken. Kapitel 24. Warum hat Gott die Zeit nicht fest bestimmt. Und sehen ihren Tag nicht seine Kinder? Der Frevler rückt den Grenzstein und er nimmt Gewaltsam seines ruhgen Nachbars Rinder; Den armen Waisen raubt er alle Habe Und der verlassnen Witwe Gut nicht minder. Vor ihm entflieht erschreckt der Greis am Stabe. Des Morgens zieht er aus, sich Raub zu holen. Fängt für die Jungen sich der Steppe Gabe; Das Futter wird vom fremden Feld gestohlen. Vom Weinberg hält er Lese, der nicht sein, Gewandlos zieht er hin auf nackten Sohlen, Und Kälte nicht noch Regen macht ihm Pein. Was er erblickt, betrachtet er als Beute; Er zwingt die Armen, Dienste ihm zu weihn. Ihm Garben einzutragen, treibt die Meute Die Hungernden heran; er läßt den Wein Durch Durstge keltern, weil er Gott nicht scheute. Er plagt aufs Blut die Menschen, bis sie schrein. Und Gott schaut nicht hernieder aus sein Wüten. Ein Andrer zieht lichtlosen Pfad allein; Aus Mord bedacht, knickt er des Lebens Blüten. Es schleicht im Dämmerschein der Ehebrecher, Verhüllt, um vor Entdeckung sich zu hüten. Ein Dritter liebt das Festland nicht; als frecher Seeräuber zieht er durch des Meeres Wellen, Ihn schreckt nicht Eis noch Glut. Ein wüster Zecher, Wagt er, sich selbst der Unterwelt zu stellen. Der eignen Mutter Schoß wird ihn vergessen. Sie werden zu den Würmern sich gesellen. Dem Baume gleich, den Fäulnis angefressen. Die Unfruchtbare haben sie verjagt, Gequält die Witwe und sich stolz vermessen, Daß selbst der Starke über Unbill klagt. Und Gott schaut nicht hernieder aus ihr Treiben. Er läßt sie schalten, daß sie unverzagt. Der Schrecken aller Armen, Schwachen bleiben Bis an den Tod, der sie wie Garben schneidet. Ich kann nicht anders, was geschehn, beschreiben. Wer straft mich Lügen, der nicht Wahrheit meidet?

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