Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 5 (1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 26. Israelitische Wochenschrift. Nr. 5. Alle Habe, die den Armen Er entrissen, geht zurück An die Eigner; seine Söhne Sehen es mit Angstgestöhne, Daß gewendet ist das Glück; Nirgend finden sie Erbarmen. Eben noch in Jugcndprangen, Ist er schon zu Staub gekehrt. Was sein lüstern Herz gestreichelt, Was den Gaumen ihm geschmeichelt, Wird zum Gift, das ihn verzehrt; Schlotternd seine Glieder hangen. Was sein gierger Mund verschlungen, Speit er voller Schrecken aus, Was er, anderen zum Neide, Einsog, sprengt die Eingeweide; Angst ist in ihm, Furcht und Graus Haben ganz sein Herz bezwungen. Nicht am Bache darf er weilen, Nicht wo Milch und Honig fließt. Weil er Arme hat vernichtet, Sieht er nie sein Haus errichtet. Daß er seine Luft gebüßt, Kann nicht retten ihn noch heilen. Seiner Gier gabs kein Entrinnen. Plötzlich wird er sortgeschwemmt; Schwelgend wälzt er sich auf Kissen, Und schon ist der Damm gerissen, Der des Unheils Woge hemmt — Gnade wird er nicht gewinnen. Ist er vor dem Schwert gefiohen. Hat der Pfeil ihn jach erreicht. Wo er immer sich mag regen, Fliegt das Eisen ihm entgegen Und durchbohrt ihn unverweilt; Ueber ihm die Schrecken lohen. Finsternis nimmt ihn gefangen, Himmelsseuer zehrt ihn aus, Seine Schuld enthüllt der Himmel, Und der Erde dicht Gewimmel Rücket wider ihn zu Haus; Er zerfließt in Furcht und Bangen. Kapitel 21. Zur Antwort ließ sich Jjob so vernehmen: Verschiebt den Spott und höret mich in Huld! Nicht gegen Menschen führ ich meine Klagen Und habe wahrlich Grund zur Ungeduld. Blickt doch auf mich, und seht ihr meine Plagen, So schließt das Grauen sicher euren Mund. Entsetzlich ist, was Gott mir gab zu tragen. Daß Frevler glücklich leben, ist mir kund. Sie nehmen zu und haben Kindersegen, In Frieden wohnen sie, in Ruhe, und Fern bleibt des Ewgen Zorn von ihren Wegen. Es spielen frohe Scharen ihrer Kinder Mit Sang und Tanz in ihren Lustgehegen; Es mehren aus der Weide sich die Rinder, Schmerzloser Tod beschließt ihr glücklich Leben. Wo war da Gott, der Fehle sichrer Finder? Verachtung Gottes war ihr ganzes Streben. Ich will in dieser Frevler Zahl nicht kommen; Ich weiß, daß Gottes Zorn sie preisgegeben. Der sie wie Spreu verweht, wenn er entglommen, Und an den Kindern straft, was sie gefehlt, Damit die Lehren ihnen selbst einst frommen. Der Frevler ist dem nahen Sturz vermählt, Aus Gottes Zornesbecher muß er trinken. Des kurzen Glückes Tage sind gezählt. Erhaben richtet Gott — wer will ihm winken? Voll Kraft und Saft und friedlich stirbt der Eine — Betrübten Herzens muß zu Grabe sinken Der Andre, der niemals im Sonnenscheine Des Glücks gestanden. Beide sind zusammen Im Tode jetzt, ruhn unter einem Steine. Wohl weiß ich, was ihr denkt; der Blicke Flammen Verraten es. Eur Auge fragt: Wo weilen Die Frevler denn, die stets im Glücke schwammen? Erforscht ihr Wandrer, die vorübereilen, Daß sie euch künden, es sei ausgehoben Dem Tag der Sünder, wo mit Zornesbeilen Das Unglück niedersährt? Wer will erproben, Ob dies die Wahrheit? Hat man nicht vernommen, Daß Sünder man bestattet unter Loben? Daß sie in Ehr und Prunk zu Grabe kommen? Vorausgegangen ist ein zahllos Heer, Ein zahllos Heer zieht dorthin nach. Was frommen Die Reden nun, die eitel sind und leer! An das Licht kommt, was verhohlen, An dem Tage des Gerichts. Gott will, daß der Frevler sterbe, Daß in Elend er verderbe Und versinke in das Nichts; Allmacht hat es so besohlen! Kapitel 22. Zum dritten Mal sprach Eliphas aus Theman: Kann Nutzen wohl ein Mensch dem Herrn gewähren? Der Kluge weiß: er nützt sich selber blos. Soll deine Gottesfurcht vielleicht ihn stören? Ihn ärgern, daß du fromm und tadellos? Viel Böses, wahrlich, mußt er von dir hören, Kein Zweifel: deine Schuld ist übergroß — Sonst ging er nicht im Zorne zu Gerichte, Sonst macht er nicht dein Glück, dich selbst zu Nichte.