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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-03-14 · 11 (14.3.1902) · p. Seite 172

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
Seite 172 (sequence 17)
Language
German
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Seite 172 Israelitische Wochenschrift. Nr. 11. aus 8665 M. gestiegen sind. Mustergiltig ist, daß fast die ganze Gemeinde dem Verein angehört, an dessen Spitze die Herren Moritz Heimerdinger, Moritz Eisberg, Bernhard Baer, Mayer Baum, Seligm. Blumenthal, Saly Hamburger, Simon Haß, Abraham Marxheimer, M. D. Strauß und Benedikt Straus stehen. Oldenburg, 10. März. (Abgewiesene Denunziation.) Nachdem der frühere Lehrer Herzberg von hier beim Großherzoglichen Staatsministerium durch eine Eingabe vom 20. November 1901 die Amtsentsetzung des Landrabbiners Dr. Mannheimer auf.Grund von sieben Anklagepunkten beantragt hat, ist nach viermonatlicher eingehender Untersuchung und nach Vernehmung von ca. vierzig Zeugen folgende Antwort heute eingetroffen: „Das Staatsministerium teilt Ihnen hierdurch mit, daß nach den angeftellten Ermittelungen keinerlei Anlaß vorliegt, gegen den Landrabbiner Dr. Mannheimer disziplinarisch vorzugehen. Oldenburg, 1902, März 9. Staatsministerium, Departement der Kirchen und Schulen. Ruhstrat." Herr Herzberg ist derselbe, für den der Lehrerverbandsvorstand und auch Herr Direktor Dr. Adler mit unbedingtem Solidaritätsgefühl eintraten. London, 9. März. (Der Cherem in Jerusalem.) In der letzten Monatssitzung der Anglo-Jewish Association wurde u. A. die Mitteilung gemacht, daß der Chiesrabbi Dr. Adler auf ffein nach Jerusalem wegen Abschaffung des Cherems gerichtetes Ersuchen einen sehr unbefriedigenden Bescheid von den Oberrabbinern Salant und Tumim erhalten habe. Obgleich alle Mitglieder der Anglo-Jewish Association darin einig sind, daß das fortgesetzte Bestehen des vor Jahren gegen modernen Unterricht ausgesprochenen Cherem ein unwürdiger Zustand ist, kann man doch zu keinem rechten Einverständnis über seine Beseitigung gelangen. Während man aus der einen Seite der Meinung ist, daß die Anglo-Jewish Association energisch gegen dieses Verhalten der Jerusalemer- Rabbiner vorgehen müffe, befürchtet man andererseits von jeder Einmischung eine Verschlimmerung der Lage. Es wäre klüger, den schon halb in Vergessenheit geratenen Cherem weiter einschlummern zu lassen, als durch energisches Verlangen nach seiner Zurücknahme den Trotz der Rabbinen zu wecken, die auf dem Standpunkt stehen, ein Cherem dürfe überhaupt nicht zurückgenommen werden. Jedenfalls wird vorläufig in dieser Angelegenheit nichts gethan werden. — Der neuernannte italienische General-Konsul L. Allatini wohnte in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Monatsversammlung bei und wurde vom Vorsitzenden zu seiner neuen Würde beglückwünscht. London, 9. März. (Leonard Lewisohn aus New- Aork.) Am Mittwoch ist hier, wo er zum Besuch bei seiner verheirateten Tochter sich aushielt, Herr Leonard Lewisohn aus Newyork, an einer Lungenentzündung gestorben. Mit ihm verliert die amerikanische Judenschast einen ihrer vornehmsten Vertreter, einen edlen, selbstlosen und tüchtigen Mann. Mit siebzehn Jahren von Hamburg nach Newyork gekommen, begründete Leonard Lewisohn dort nach wenigen Jahren die wohlbekannte Firma Lewisohn Brothers, die er durch seine Tüchtigkeit und Intelligenz zu hoher Blüte gebracht hat. In der Wohlfahrtsthätigkeit der Newyorker jüdischen Gemeinde hat er eine hervorragende Stellung eingenommen und nimmer versiegenden Eifer bekundet. Als zur Zeit der russischen Judenverfolgungen die Einwanderung der Vertriebenen in Nordamerika großen Umfang annahm, hat L. Lewisohn die verschiedensten Einrichtungen zur Unterstützung und Unterbringung der armen Einwanderer ins Leben gerufen und außerdem noch als Schatzmeister der russisch-jüdischen Komitees für sie gearbeitet. Den „Vereinigten jüdischen Wohlsahrtsanstalten von Newyork" hat der Verstorbene seine eifrigste persönliche Thätigkeit gewidmet, außerdem noch dem Berg-Sinai-Krankenhaus, dem Montefioreheim für Unheilbare, dem Sanatorium für Schwindsüchtige, das er zum Andenken an seine verstorbene Frau und seinen Sohn Samuel zum größten Teil aus eigenen Mitteln errichtet hat, dem jüdischen Vorschußverein. Kurz vor seiner Abreise nach Europa hat L. Lewisohn sich noch sehr eingehend mit der Sammlung der für die Vergrößerung des jüdischen Obdach- und Schutzvereins nötigen Mittel beschäftigt. Dieser Verein widmet sich der Fürsorge und Erziehung verwahrloster und verlassener Kinder. Z/ den hierfür erforderlichen 500 000 Mk. hat der Verstorbene natürlich das meiste beigetragen. Es ist nicht gut möglich, alle Wohlsahrtsinstitute aufzuzählen, denen er Zeit, Arbeit und Geldmittel zur Verfügung gestellt hat. Nicht aus jüdische Vereine und Veranstaltungen und nicht aus Amerika hat er seine Wohlthaten beschränkt. Londoner jüdische Institute haben wiederholt, auch noch kurz vor seinem Ableben, größere Zuwendungen von ihm erhalten, und das jüdische Krankenhaus in seiner Vaterstadt Hamburg hat durch die reichen Spenden Leonard Lewisohns und seiner Brüder Adolph und Julius große Verbesserungen und Neuanlagen vornehmen können. Die Privatwohlthätigkeit dieses vornehmen und guten Juden ist eine wahrhaft fürstliche gewesen; er bot ein glänzendes Beispiel dafür, wie man ehrlich erworbenen Reichtum zu verwenden hat. Der vor zwei Jahren erfolgte Tod seiner Frau hat den jetzt im Alter von 54 Jahren Verstorbenen auss tiefste getroffen. Er hinterläßt fünf Töchter, darunter drei verheiratete, und vier Söhne. Die Leiche wird nach Newyork überführt, um dort in der Familiengruft beigesetzt zu werden. Dublin, 9. März. (Der oberste Kriminalrichter und die Juden.) Vor dem obersten Kriminalrichter von Dublin wurdeam letzten Mittwoch gegen eine Frau verhandelt, die beschuldigt und überwiesen worden, einem jüdischen Hausierer Benjamin Gilbert 5 L. St. baar und eine silberne Uhr im Wert von 6 Schilling gestohlen zu haben. Der Richter verurteilte die Diebin zu einem Jahr Gefängnis, sagte ihr aber eine Milderung der Strafe zu, wenn sie das gestohlene Geld zurückgebe. Da der Bestohlene ein Jude gewesen, nahm der Richter Anlaß, die ihm vor einiger Zeit auf Grund einer bei einer Verurteilung geäußerten Bemerkung zugeschriebene judenfeindliche Gesinnung in Abrede zu stellen. Er sagte, er nehme mit Vergnügen die Gelegenheit wahr, aus einige Bemerkungen zu antworten, die ihm einen Angriff gegen das jüdische Volk zur Last legen. Er habe nie etwas

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