Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 4 (1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22. Israelitische Wochenschrift. Nr. 4. Verbittrung von mir weiche, eh ins Grab Ich sinke, in das Land der Todesschatten. Es nimmt die Finsternis, in der kein Stab Des Ordners waltet, auf den Lebensmatten. Kapitel 11. Und Zophar aus Naäma nahm das Wort: Viele Worte mußt ich hören, Lange Rede — kargen Sinn. Darf nun nicht aus Schonung schweigen. Muß dir deinen Irrtum zeigen. Nimm Belehrung freundlich hin. Such nicht, Andre zu bethören! Nennst dich rein und ohne Fehle, Selbst vor Gottes Auge rein. Sag, wie hast du das ergründet? Hat es etwa Gott verkündet, Dessen Weisheit doch aüein Dringt in jedes Menschen Seele? Was der Mensch hier kann erfassen. Ist die Hälfte nur des Seins. Wollte Gott sich vor dich stellen Und mit Weisheit dich erhellen, Sänk die Hülle falschen Scheins, Und du würdest wohl erblassen. Glaubst du dich mit Gott vergleichbar? Schaust du seiner Allmacht Ziel? Ueber Wolken ragt sein Wille, In der tiefsten Tiefe Stille. Nur ihr Schatten aus uns fiel, Weisheit selbst ist unerreichbar. Will der Herr dich schuldig finden, Wer ifts, der ihm widerspricht? Seinem Auge aufgedcckt ist, Was vor Menschensinn versteckt ist, Selbst der Thor bestreitets nicht Und bekennet seine Sünden. Hebe zu ihm Herz und Hände, Reute deine Fehle aus! Dann auss Neue mit Vertrauen Darfst du aus den Ewgen schauen; Alle Sorge zieht hinaus. Lichtvoll sind des Hauses Wände. Not und Pein sind ganz verschwunden, Frisches Leben steigt heraus, Ausgetilgt ist aller Jammer, Sonne scheint in deine Kammer, Segen mehret sich zu Haus, Zuversicht verschönt die Stunden. Sicher wirst und fest du stehen. Froher Hoffnung ist dein Sinn. Kein Verfolger wird dich schrecken, Freunde werden treu dich decken. Doch die Frevler schmachten hin, Afl ihr Sehnen ist: Vergehen. Kapitel 12. Zur Antwort ließ sich Jjob so vernehmen: Fürwahr, ihr habt die Klugheit ganz gepachtet. Und mit euch stirbt die Weisheit aus! Verstand Hab ich wie ihr. Wer je die Welt betrachtet, Dem ist, was ihr mir sagtet, längst bekannt. Gott hört auf euren Ruf, und ihr verachtet Mit selbstgerechtem Sinn den, der gebannt. Ihr schmähet jeden, der in Kummer nachtet; Wen Unheil trifft, dem seid ihr abgewandt. Und doch ist oft beglückt, wer Uebles trachtet. Der Frevler selbst, den Götzen in der Hand! Das Vieh schon auf dem Feld wird dir bejahen, Bejahen wirds der Fisch an Meeres Rand, Die fernen Länder alle wie die nahen Verkünden es, der Vogel wird es singen, Die Botschaft hat die ganze Welt empsahen: Daß Gott lebendig ist in allen Dingen Und Schöpfer allen Odems, allen Geistes. Wohl sinds die Jahre, die Erfahrung bringen — Das Beispiel unsrer Alten schon beweist es — Doch eigne Prüfung erst Gewißheit schafft. Was klug und recht — das eigne Urteil preist es. Bei Gott ist Weisheit, Einsicht, Maß und Kraft. Was er zerstört, das kommt nicht mehr zur Sonnen, Wen er verschließt, entrinnt nicht seiner Hast; Er hemmt die Wasser — und sie sind zerronnen. Er rust fie — und befruchtet ist das Land; Weisheit und Macht wird nur durch ihn gewonnen. Wer irresührt, der ist in seiner Hand, Wer selber irrt, der ist durch ihn verführt. Des Richters Einsicht und des Rats Verstand Verwirrt nur er; er ists, der Könge schnürt In enge Bande, der in Freiheit setzt, Die sie gefangen, der zu Opfern kürt Die Mächtgen, die er falsche Bahnen hetzt. Er nimmt die Einsicht Greisen, Rednergabe Verwandelt er in Stammeln und verletzt Der Edlen Ansehn, ihre höchste Habe; Er taucht sie in Verachtung, läßt erschlaffen Des Helden Kraft, ihn rührend mit dem Stabe; Enthüllt die Finsternis, die er geschaffen, Und bringt das Todesdunkel auf zum Licht. Er macht Nationen groß, sie hinzuraffen. Und ewiges Verdammnisurteil spricht Er über Völker, die er ausgebreitet. Er macht des Führers Einsicht ganz zu Nicht, Daß er wie trunken durch das Dunkel schreitet. Kapitel 13. Gesehn Hab ich das alles und gehört. Ich kenn eur Wissen, euch steh ich nicht nach! Mit Gottes Allmacht rechten — das begehrt Mein Herz. Ihr nichtgen Aerzte, Falschheit sprach Eur falscher Mund, und hättet ihr geschwiegen, So galt für Weisheit eure stumme Schmach!