Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-03-14 · Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 4 (1902) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
Beilage der Israelitischen Wochenschrift Nr. 4 (1902)
Date
1902-03-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605652-9732512--8542-9605770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Beilage der Israelitischen Wochenschrift Serti«, 14. NLrz 1902. Das Dach Ijob. Uebersetzt von M. A. Klausner. Nachdruck verboten. Kapitel 9. Ihm redet Jjob also jetzt entgegen: Wie Recht hast du! Wie war es möglich auch, Daß je der Mensch im Rechte könnte sein Gott gegenüber! Hadert er — kein Hauch Erwidert ihm; es bleibt so stumm wie Stein Auf tausend Fragen Gott. Es wär nicht klug, Sich eigensinnig wider ihn allein Zu stellen, dessen Kraft die Berge trug Und thürmte, der die Lande macht erbeben. Er hemmt der Sonne Gang, ist stark genug. Der Sterne Licht zu löschen, auszuheben Aus ihrer Bahn die Erde. Er allein Erschuf den Himmel; über Wolken schweben Vermag nur er. Der Himmelslichter Schein, Er stammt von ihm. Es hat in Wunderthaten, Die unersorschlich allem irdschen Sein, Sich seine Weisheit kundgemacht, verraten. Er kann vor meinen Augen sich verstecken. Er bleibt verborgen, wenn wir ihm auch nahten. Wenn er verderben will — wer mag ihn schrecken? Was er auch thut — wer sagt ihm: was beginnst du? Und gegen seinen Zorn kann niemand decken. Wer hält ihn mit der Frage aus: was sinnst du? Wie wagte ich es, wider ihn zu streiten. Der bang sich fragen müßte: was gewinnst du? Dem Richter muß ich Bitten unterbreiten. Der mich verurteilt, bin ich gleich gerecht. Und gäb er Antwort mir aus Himmelsweiten, Mißtraut ich meinem Ohr, der Täuschung Knecht. Sein Sturmwind haucht mich fort, ohn mein Verschulden Vermehrt er meine Wunden. Wie erfrecht Ich mich zum Widerspruch? Ich muß es dulden. Daß er den Atem raubt, mit Bitternissen Die Seele sättigt, nicht sie heilt mit Hulden. Entscheidet Kraft — er hat mich leicht zerrissen; Entscheidet Recht — wer mag ihn vor mich stellen? Bin ich gerecht — erschein ich schuldbeflissen, Und meine Unschuld läßt sich nicht erhellen. Und dennoch bin ich ohne Schuld! Mein Leben, Ich acht es nicht, es mag zur Grube schnellen! Ich sag es laut: Dem Tod sind hingegeben Der Fromme und der Frevler — beide sterben! Wenn eine Geißel plötzlich tötet, beben Die Unschuldsvollen; aber ihr Verderben, Gott will es, und der Frevler herrscht aus Erden. Der feile Richter, zu der Frommen Erben Läßt er — Gott duldets! — alle Frevler werden. Mit flüchtgem Fuß enteilen meine Stunden, Die glücklos hingehn unter Grambeschwerden, Schnell wie der Adler, der ein Aas gesunden, Schnell wie der Rohrkahn, der stromabwärts treibt. Und wenn ich, schmerzvergessen, will gesunden, So weiß ich doch, daß deine Drohung bleibt, Daß meine Leiden alle wiederkehren, Und deine Hand mein Todesurteil schreibt. Wozu nun soll ich mühen mich und wehren? Und badet ich in Schnee und wüsch die Hände In Lauge mir — ich käme nicht zu Ehren; Du machtest, daß ich mich im Schlamme fände, Ein Ekel für mich selbst. Kann ich erreichen, Daß ich mit dir vor einem Richter stände? Giebts einen Schiedsmann, der uns mag vergleichen, Der über Beiden steht? Den Herrscherstab Leg er aus Händen, seiner Würde Zeichen — Und furchtlos seh ich ihn, steigt er herab! Kapitel 10. Ich will die Qual von meiner Seele schreien. Von meines Herzens Kummer will ich sprechen. Weß kannst du mich, den du verurteilst, zeihen? Verkünde, da du haderst, mein Verbrechen! Mich willst du, deiner Hände Werk, zerstören, Und aus die Sünder strahlst du, aus die Frechen! Kannst du mit Menschenaugen sehn? Beschweren Die Jahre dich, wie einen Mann das Alter? Sag, ob die Tage dir nicht wiederkehren? Nach meiner Sünde forschst du, Allerhalter, Und suchst bei mir, dem Makellosen, Schuld, Der nicht entrinnen könnte dem Gestalter! Du warft es doch, der mich geformt in Huld, Und willst mich dennoch ohne Grund vernichten? Du schufst und wecktest mich, um in Geduld Aus Erde mir der Glieder Bau zu richten, Du hast vom eignen Odem mir gegeben. Du ließest Haut und Knochen sorglich schichten - Zur Qual nur schenktest du mir so das Leben; Du wolltest meine Fehler nur belauern Und kleinste Schuld nachtragend nicht vergeben. Verging ich mich, so sollte ewig dauern Die Pein; und war ich auch gerecht geblieben, So sollt ich doch in Schreck und Furcht erschauern. Das Haupt nicht heben dürfen, angstgetrieben, Gejagt wie wildes Tier, des Spottes Spiel. Als Beispiel sollt ich dienen. Geißelhieben Und grimmem Zorne hingesteüt zum Ziel. Warum nur starb ich nicht im Mutterschoße! Kein Auge hätte mich gesehn, ich fiel Vom Mutterleib ins Grab, ins thränenlose. Wie kurz ist doch mein Leben! Drum laß ab Und wende dich von mir, daß meine große

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.