Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 11. Israelitische Wochenschrift. Seite 167. kasse Propaganda zu machen. Herr Dr. Brann stellt folgenden; Antrag: Die Oberpräsidenten von Schlesien und Posen sollen gebeten werden, in den ihnen unterstellten Amtsblättern auf die Wichtigkeit unserer Unterstützungskasse hinzuweisen. Die Anträge Brann und Herbft-Tintner werden angenommen. Um 11 Uhr beginnt die General-Versammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. Der Vorsitzende Herr Prof. Dr. Badt begrüßt die zahlreich Erschienenen, heißt sie im Namen des Vorstands herzlich willkommen und wünscht den Verhandlungen guten Verlauf. Er verbreitet sich über die Thätigkeit des Vorstands und des Lehrerverbands. Er erwähnt, wie es sein Hauptstreben gewesen ist, das Lieblingskind des Vereins, die Unterstützungskasse, durch Zuführung neuer Mittel zu heben und zu kräftigen. Leider seien die Erfolge im abgelaufenen Jahr, nur gering gewesen. Er bittet daher die Mitglieder, mit allen Kräften für das Gedeihen der Kasse zu wirken durch Zuführung außerordentlicher Mitglieder und von Schenkungen bei freudigen und ernsten Anlässen. Bis jetzt sei es zwar möglich gewesen, die höchste, durch die Satzungen zulässige Quote an die Kaffem Mitglieder „rt zahlen, ob dies aber für die Zukunft bei dem jetzigen Stand werde möglich sein, müsse dahingestellt bleiben. Es sei von dem Vorstand der Unterstützungskasse daher beschlossen worden, ein Zirkular nach allen Gemeinden der Provinzen Schlesien und Posen zu versenden, um hier das Verständnis für die Kasse zu erwecken, da bis jetzt vornehmlich die Mittel nur aus Breslau geflossen seien. Indirekt würde auch die Unterstützungskasse durch die Verbands-Pensionskasse geschädigt, und es sei des Erwähnens wohl wert, daß seit deren Begründung uns nicht eine einzige größere Schenkung zugeflossen sei. Daher sei an das Kuratorium der Verbands-Pensionskasse der den Mitgliedern bereits bekannte und angenommene Antrag eingereicht worden: Alljährlich wird nach Maßgabe der vorhandenen Mittel aus den der Kasse zur Verfügung gestellten Zuwendungen, Geschenken und Zinsen von dem Kuratorium eine Summe bestimmt, aus der den Provinzialkassen Zuschuß geleistet werden soll, wenn diese die Einhaltung einer vom Kuratorium festzusetzenden Minimalquote nachweislich nicht festzuhalten in der Lage sind. Wenn man im allgemeinen die Leistungen der Verbands-Pensionskasse ins Auge fasse, so seien ihre Leistungen noch sehr gering. Von der großen Zahl jüdischer Lehrer sind bis jetzt nur sechs ausgenommen, drei weitere sollen nach Ansicht des Kuratoriums in Aussicht stehen. Ferner ist die Zahl der Aufzunehmenden nach dem technischen Gutachten der Versicherungs-Gesellschaft, bei der die Mitglieder durch das Kuratorium versichert sind, nach Maßgabe der vorhandenen Mittel beschränkt. Nicht die Bedürftigkeit des Einzelnen entscheide hier die Höhe der Leistungen der Kasse, sondern das starre Prinzip der Lebensversicherungen, die zwischen größerer oder geringerer Bedürftigkeit keinen Unterschied kenne. Die letztere aber stelle sich in der Regel erst nach dem Tod der Kassenangehörigen heraus. Dies sei sicherlich nicht der Wunsch der Wohlthäter der Kasse, die bei ihren Schenkungen von der Ansicht ausgehen, daß allen Bedürftigen, wenn auch in. beschränkterem Maß, nach dem Grad ihrer Hilfsbedürstigkeit die Benefizien einer solchen Kasse zufließen sollen. Soll die Verbands-Pensionskasse wirklich zur Wohlthat für die jüdische Lehrerschaft werden, so muß ihr Aufbau in ganz anderer Weise gestaltet sein.^ Trotz dieses nicht genug zu beklagenden Uebelstandes rate er, sich^rechtzeitig um den Eintritt in die Verbands-Pensionskasse zu bewerben, wer die Mittel habe, eine so hohe Versicherungssumme zu zahlen. Die im Vergleich zu jenen verschwindend kleinen Beiträg<zur Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hätten freilich bis jetzt nach Bedürfnis den Mitgliedern annähernd gleich t hohe Summen gewährt. Der Vorsitzende berichtet sodann über die bisher vergeblich gewesenen Versuche des Verbands-Vorstands, den jüdischen Seminarien die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst zu gewähren. Er hofft, daß das erreicht werde, was die christlichen Seminare nun schon besitzen. Bei der Vorstandswahl wird aus der Mitte der Versammlung der bereits auf der vorjährigen Tagung geäußerte Wunsch ausgesprochen, einen Kultusbeamten als viertes Mitglied zuzuwählen' und zwar wird Bähr-Waldenburg vorgeschlagen. Auf Zuruf wurde der bisherige Vorstand Prof. Dr. Badt-Breslau, Herbst- Lffsa, Moops-Breslau wieder- und als viertes Mitglied Bähr- Waldenburg neu gewählt. Darauf wird Punkt 7 der Tagesordnung erst erledigt: Wahl von Delegierten zum Verbandstag. Der Vorsitzende erklärt, daß wahrscheinlich die Vertreter die Kosten der Reise selbst zu tragen haben würden, da ein Zuschuß von Seiten des Gemeindebundes abgelehnt worden wäre Aus der Mitte der Versammlung wird der Wunsch laut, den Vorsitzenden sowie Rabbiner Dr. Guttmann, die bereits beim vorigen Verbandstag den Verein vertreten hätten, als Delegierte zu entsenden. Dr. Guttmann erklärt, aus keinen Fall ein Mandat zu übernehmen, da er sich nicht als Eindringling in den Lehrerverband betrachtet sehen und sich nicht auch der Gefahr aussetzen möchte, sich von einem Herrn aus unserer Provinz besonders Malicen sagen zu lassen. Er bittet statt seiner einen Lehrer zu wählen, und schlage Herrn Weißmann-Kattowitz vor. Prof. Dr. Badt bittet, ebenfalls von seiner Wahl abzusehen. Moops-Breslau und Dr. Brann bitten dringend Prof. Dr. Badt, von seinem Widerspruch zu lassen, da wohl keiner aus der Mitte der Versammlung in Bezug auf die Verbandskasse, die auf dem Delegiertentag besprochen werden solle, so genau informiert sei, wie gerade der Vorsitzende. Sachs-Breslau bittet die Versammlung, auf jeden Fall einen Rabbiner zu entsenden, um damit zu bekunden, daß unser Verein keine gegnerische Gesinnung für diesen Stand bekunde. Kollege Ster-Kempen bemerkt, daß die Spannung zwischen Rabbinern und Lehrern vielfach durch das Verbandsorgan in letzter Zeit eher geschürt als gelindert werde. Die Rabbiner seien die natürlichen Vorgesetzten, aber Uebergriffe von Seiten der letzteren brauchten sich die Lehrer auch nicht bieten zu lassen. Nach weiteren Debatten erklärt Dr. Badt sich unter der Bedingung zur Annahme der Wahl bereit, daß auch ein Stellvertreter gewählt werde. Gewählt wurden Badt und Bähr-Waldenburg als Delegierte und Moops-Breslau als Stellvertreter. Es folgt das Referat von Bähr-Waldenburg: Ueber „Bildung einer Kultusbeamten-Sektion innerhalb unseres Vereins". Redner knüpfte seine Ausführungen an den von ihm auf der vorjährigen Generalversammlung des Vereins gehaltenen Vortrag „Ueber die Lage der Kultusbeamten" an und betonte nachdrücklichst die Notwendigkeit einer Kullusbeamten-Orgarnsation mit eigener Interessenvertretung. Dies sei das einzige Mittel, um soziale Anerkennung und bessere wirtschaftliche Existenzbedingungen zu erlangen, sowie auch die fachwissenschaftlichen Interessen zu fördern. Die vorhandenen Lehrer-Organisationen seien für oiesen Zweck gänzlich unzureichend, weil ein sehr großer Teil der Lehrerschaft, besonders der, der im Lchrerverband dominiert, sich wirtschaftlich in gesicherter Position befinde und in sachlicher Hinsicht nur eine ganz geringe Interessengemeinschaft mit den Kultusbeamten habe, nur insoweit, als diese auch wöchentlich 5—8 Stunden Religions-Unterricht erteilten. — Ebensowenig würde ein neu zu schaffender Kantoren-Verband den Kultusbeamten nutzen, am allerwenigsten eine Kantorenvereinigung in Anlehnung an den österreichischen Kantoren-Verband. Helfen könnte den Kultusbeamten nur eine Kultusbeamten- Organisation, in der