Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 166. Israelitische Wochenschrift. Nr. 11. Arbeit des Ostends mit dem jetzigen Dajan teilen sollte. Im Prinzip würde er sich sogar gegen die Wahl eines Mannes vom Schlag des seligen Rabbi Jitzchak Elchanan erklärt haben, wenn der Oftend nicht befragt worden wäre. Die United Synagogue hat kein Recht, im Ostend mit der Anstellung zweier neuen englischen Rabbis zu experimentieren, ohne vorher die Einwilligung des Ostends nachzusuchen. Die Versammlung beabsichtigt, der United Synagogue zu beweisen, daß sie mit dem von ihr beliebten Heilmittel nicht einverstanden ist. Er selbst ist in Rußland Rabbiner gewesen und erklärt es für eine absolute Unmöglichkeit, daß ein unverheirateter Mann ein so wichtiges Amt übernehme. Er schlägt sodann folgende Resolution vor: „Dieses Massenmeeting von Ostendjuden protestiert gegen den Versuch der United Synagogue, zu Dajonim Männer zu ernennen, zu denen das Ostend keinerlei Vertrauen hat und haben kann. Eine Abschrift dieser Resolution soll der United Synagogue zugestellt werden. Sollte dieser Protest keine Wirkung haben, so behält die Versammlung sich vor, eine eigene Gemeinde zu gründen und einen großen russischen Rabbiner aufzusordern, als Geistlicher an ihre Gemeinde zu kommen!" Herr A. Suwalski, der Herausgeber des Ha-Jehudi, unterstützt die Resolution, weicht aber insofern vom Vorredner ab, als er das bloße Nichtbesragen des Ostends für unerheblich hält und nichts gegen das Vorgehen der United Synagogue eingewendet hätte, wenn diese ideale Dajonim gewählt hätte. Das Seelenheil der Ostendjuden sollte der Vorstand ruhig den Missionären und den bereits hier fungierenden beiden Rabbinern überlassen. Die Tüchtigkeit und die Befähigung zu deu Leistungen, die von den Dajonim beansprucht werden, erwirbt man sich erst nach langjährigem Studium und Arbeiten, wie sie aus Jews College nicht geleistet werden können. Er protestiert gegen die Wahl von jungen Studenten. Ein dritter Redner meint, bei einem Dajan dürfe man sich nicht mit dem Zeugnis der Reife von der Universität oder dem Seminar begnügen, ein Dajan müsse die ganze jüdische Literatur, alle Auslegungen, alle praktischen Erfahrungen an den Fingern herzählen können. Ein Rabbi muß außerdem ein frommer Jude sein; und da im Talmud erklärt wird, daß ein Am- Haarez kein frommer Jude ist, können „diese jungen Leute" auch nicht als Rabbis fungieren. Rabbiner Bernstein führt aus, der Schulchan Aruch erkläre es für unerläßlich, daß ein Dajan von Allen gutgeheißen wird, in deren Bereich er zu funktionieren habe. Da diese Versammlung gegen die Wahl der vorgeschlagenen Herren protestiert, so sind sie nach dem Din disqualifiziert. Nach unwesentlichen Bemerkungen verschiedener anderer Redner wird die Resolution einstimmig angenommen. Unter den Teilnehmern der Versammlung ist davon die Rede, für den Fall, daß sie keine Dajonim nach ihrem Herzen bekommen, den unter Aussicht des Rabbinats stehenden Fleischern ihre Kundschaft zu entziehen und alle Schritte zur Begründung einer eigenen Gemeinde zu unternehmen. Ein Herr erklärt, daß er persönlich 150 L. St. jährlich für einen Raw zusteuern wolle, und daß er sich verpflichte, für die nächsten zehn Jahre 500 L. St. jährlich für eine neue Gemeinde aufzubringen. Am Dienstag war der Vorstand der United Synagogue zur Beratung des Budgets zusammengekommen und hatte eben das Jahresgehalt für den neuen Dajan und Bibliothekar aus 550 L. St. jährlich festgestellt, als der Vorsitzende seinen Kollegen mitteilte, er habe privatim von dem Massenmeeting der Ostendjuden erfahren und daß sie folgende Resolution gefaßt hätten: . „Die Versammlung protestiert gegen das Vorgehen des Vorstandes der United Synagogue, der für uns Ostendjuden Personen als Rabbiner anstellen will, die wir nicht als solche anerkennen. Wir verstehen unter dem Wort Rabbiner wohlbekannte und in talmudischen Wissenschaften hochgelehrte Männer. Wenn der Vorstand der United Synagogue uns nicht berücksichtigen will, werden wir gezwungen sein, für uns eine eigene Gemeinde zu gründen." Der Vorstand beschloß, sich für die endgiltige Ernennung der Dajonim mit den Ostendjuden in Verbindung zu setzen. * * * Wir kennen die in Vorschlag gebrachten Dajonim nicht und wissen nichts von ihnen. Es ist aber unter allen Umständen eine wahre Erquickung, zu sehen, wie die Londoner Ostendjuden durch die Sklaverei der Heimat nicht zu Sklaven geworden sind, wie es für sie nur der Berührung mit freiem Boden bedurfte, um sie fähig zu machen, ihre Angelegenheiten in den rechten Formen als freie Männer zu führen. Wir sind überzeugt, daß der Vorstand der United Synagogue unsere Auffassung teilen und eine Verständigung finden wird. Die Versammlung, von der oben berichtet worden, verhandelte im Jargon. Protokoll der iUrfiiiiiiiilmigfu des Vereins israelitischer Kehrer in Schlesien nnd Posen (vom 22. Dezember 1901 im Saale der Lessing-Loge in Breslau). Vormittags 10 Uhr fand die Vorstandssitzung der Unterstützungskasse des Vereins statt. Herr Professor Dr. Badt eröffnete die Vorftandssitzung und berichtete über den Bestand der Kasse, der eine allgemeine Agitation erfordere, um die Kasse in der Lage zu erhalten, die bisher an die Pensionsempfänger gezahlte Maximalquote auch in Zukunft zahlen zu können; wünschenswert wäre es, wenn man, wie bereits beantragt, aus der Pensionskasse des Verbands der Lehrervereine Mittel erhalten könnte, damit die Unterstützungskasse dadurch in ihrer Leistungsfähigkeit auch gesteigerten Ansprüchen gegenüber gesichert bleibe. H erbst-Lissa schlägt vor, da eine Unterstützung seitens der Verbandsunterstützungskaffe wenig aussichtsvoll sei, wie schon vor Jahren angeregt worden, durch einige Mitglieder persönlich bei Gemeinden und Privaten Sammlungen zu veranstalten. Blumenfeld-Schweidnitz beantragt, von den Gemeinden einen festen Jahresbeitrag zu verlangen. Tintner-Bunzlau wünscht, daß ein Rundschreiben an die Gemeinden gerichtet werde, die durch die Lehrer auch den einze^M Mitgliedern derselben vorgelegt werden solle. Herbst-Tintkic beantragen: Die Herren Rabbiner und Lehrer sollen veranlaßt werden, persönlich für die Unterstützungs-