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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-03-07 · 10 (7.3.1902) · p. Seite 155

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
10 (7.3.1902)
Date
1902-03-07
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Israelitische Wochenschrift. Gerte 156 Berlin, 5. März. (Vortrag.) Im „Verein Jüdischer Studenten" (im B. I. C.) hielt am 25. v. M. Herr Professor Marburg einen Vortrag über „Kolonisation in Anatolien". Der Vortragende führte etwa folgendes aus: „Die Kolonisation ist der moderne Ausdruck der jüdisch-sozialen Thättgkeit. Den äußeren Anstoß dazu gaben die Judenverfolgungen im östlichen Europa. Während bereits früher in Palästina und in Argentinien Kolonisationsversuche gemacht wurden, ist das neueste Besiedelungsgebiet Anatolien. Unter Anatolien versteht man das vordere Kleinafien, ein Land von etwa 8 Millionen Einwohnern, IV, Mal so groß als Spanien, sehr dünn bevölkert, jedoch das Kern« und Stammland der Türkei. Die ersten Kolonisationsbestrebungen in diesem Land sind im Jahr 1899 zu verzeichnen. Chaskel Schwarz, ein Schankwirt aus der Dobrutscha, siedelte sich mit ca. 140 Familien in Anatolien an. Allerdings mußten einige Kolonien wieder ausgelöst werden, während andere, besonders die von dem Vortragenden selbst begründeten, florieren. Ein großer Erfolg wäre (nach der Ansicht des Vortragenden) zu erwarten, wenn junge Leute dorthin geschickt werden würden, die dadurch, daß sie etwas Geld mitbringen, selbst ideell und materiell an dem Gelingen ihrer Arbeit interessiert wären. Anatolien weist gegenüber anderen Kolonisationsgebieten sehr große Vorteile aus. Es bietet bequem für 2 Millionen Menschen Raum. Land wird von der türkischen Regierung zu Kolonisationszwecken umsonst hergegeben. So kommt es, daß die Kosten der Kolonisation sich für eine Familie auf nur 2500 M. belaufen, während sie in Palästina sich aus 12 000 M. stellen, weil dort das Land angekaust werden muß. Während es in Palästina im Sommer sehr heiß ist, läßt das Klima in Anatolien nichts zu wünschen übrig. Die günstigen Eigenschaften, die dieses Land für die Besiedelung darbietet, sind also so hervorragende, daß die Kolonisation daselbst große Erfolge verspricht". — Der interessante und ausführliche Vortrag fand lebhaften Beifall. Zur Demonstrierung seiner Worte ließ Professor Marburg photographische Aufnahmen, die er selbst in Anatolien gemacht und die Land und Leute vortrefflich charakterisierten, im Kreise der Zuhörer herumgehen. Berlin, 5. März. (Semesterschluß-Kneipen.) Die jüdische Studentenverbindung „Sprevia" hielt am Samstag die Semesterschluß-Kneipe, die den üblichen feuchtfröhlichen Verlauf nahm. Die Alten Herren nahmen an dem frischen Leben der jüngeren Semester freudigsten Anteil, ebenso die Gäste, die in der lebensfrohen Umgebung gern auf Stunden ihre grauen Haare vergaßen und neidlos sahen, wie die Zeiten sich zum Besseren gewendet haben. — Der Verein Jüdischer Studenten hielt die Semesterschluß-Kneipe am Dienstag Abend. Berlin, 5. März. (Kindersparverein.) Der Kindersparverein, der Sparkästchen unter dem Motto „das glückliche Kind dem hilfsbedürftigen" an seine Mitglieder giebt, verschickt seinen zweiten Jahresbericht 1900/1901. Wir ersehen daraus, daß der Verein im Berichtsjahr 1393 Sparkästchen, gegen 1339 im Vorjahr, ausgegeben hat. Die Ausschüttungen im April 1900 und 1901 ergaben den Betrag von 8729,37 Mk. und 8776,23 Mk. Hierdurch war der Verein in der erfreulichen Lage, wie im Vorjahr eine Reihe von Unterstützungen an arme Kinder und an Vereine, die sich der Pflege armer Kinder * widmen, zu verteilen. Der eiserne Fonds wurde wiederum durch gütige Geschenke vermehrt und belief sich am 1. Januar 1902 aus 3900 Mk. Berlin, 3. März. (Wissenschaftliche Lehrervereinigung.) Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 15. Februar eine außerordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende gab davon Kenntnis, daß der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine als Verbandsthema für 1902 „Die Psalmen im Religionsunterricht" vorschlägt, und berichtete über seine Teilnahme an einer Sitzung, in der die Einrichtung einer Berliner Toynbee-Halle zur Verhandlung stand und zu der er in der Eigenschaft als Vorsitzender der Vereinigung eine Einladung erhalten hatte. Er gab über Wesen und Bedeutung solcher Einrichtungen einige Ausschlüsse und hob hervor, daß er in der Versammlung dem Gedanken Ausdruck gegeben habe, daß die Lehrer der Sache nicht fern bleiben würden. In der von dem Vorsitzenden gewünschten Debatte wird von mehreren Seiten daraus hingewtesen, daß die Teilnahme der „Wissenschaftlichen Vereinigung" an den genannten Bestrebungen von dem Ausschluß des Zionismus abhängig zu machen sei. Ein Beschluß wird nicht gefaßt; man ist allgemein der Ansicht, daß die Vereinigung zunächst eine abwartende Stellung einzunehmen habe. Nun erhielt Kollege Flanter das Wort zu einem Referat über die „Kinderpredigt" von Rabbiner Dr. Hochseld. Referent hält die Kinderpredtgten von Dr. Hochseld für eine bedeutsame Erscheinung der jüdischen Literatur. Referent kennt kein ähnliches literarisches Erzeugnis, das religiöse Wahrheiten und sittliche Ideen in gleich anschaulicher, packender und überzeugender Weise den Kindern zum Bewußtsein zu bringen verstünde. Referent ist überzeugt, daß die Kinderpredigten sowohl in ihrer eigentlichen Bestimmung wie auch als Mittel zur Belebung des Religionsunterrichts und als Privatlektüre mit bestem Nutzen für das religiöse Denken und Empfinden wie auch für das sittliche Wollen und Handeln der Kinder zu verwenden sind. An den Vortrag schloß sich eine Debatte, in der auf die Vorzüge des Buches, von einzelnen Rednern auch auf Mängel hingewiesen wurde. Zum Schluß fand eine vom Kollegen Falkenberg vorgeschlagene Resolution folgenden Inhalts Annahme: „Die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlinffieht in den Kinderpredigten Dr. Hochselds eine wertvolle Bereicherung der religiösen Literatur und empfiehlt, die Anschaffung des Buches für Schul- und Hausbibliotheken". — Darauf teilt Herr Hanff mit. daß sich die Bearbeitung der biblischen Erzählungen von Auerbach im Druck befinde, und daß Hoffnung vorhanden sei, das neue Buch schon zum Semesterhalbjahr zur Einführung zu bringen. — Der Antrag des Vorstands, betreffend die Ausnahme von Lehrerinnen, wird von der Tagesordnung abgesetzt, da die zur Aenderung der Statuten notwendige Beschlußfähigkeit nicht vorhanden ist. Magdeburg, 2. März. (Wahl.) Aus der großen Zahl der Bewerber um die hiesige Rabbinats-Adjunktenstelle hatteev,»,' Vorstand drei ausgewählt, die an drei Freitagabenden P.rg. predigten hielten. Gestern wählten die Herren Repräsentant zen diesen dreien den Herrn Dr. Grzymisch, z. Zt. in SchrÄerch

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