Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-21 · 8 (21.2.1902) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 126 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605652-9605727--8504-9605741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 126. Israelitische Wochenschrift. Nr. 8. geschosses einnimmt, ist mit einer Frauengalerie versehen, mehrere luftige Nebenzimmer gehören dazu; eine Laubhütte wird seinerzeit aus einem der großen Höfe gebaut werden. Für KüchenZ — eine Milch- und eine Fleischküche — und Vorratsräume ist viel Platz vorgesehen, es soll auch besonderes Gewicht auf gute Verpflegung gelegt werden, weil viele Patienten durch große Armut entkräftet und erkrankt sind. Die Konsultationszimmer der Aerzte sind in einem Anbau untergebracht, der von drei Seiten Licht bekommt; ein großev Saal mit'Oberlicht ist für chirurgische Operationen eingerichtet. Das Schaare Zion-Krankenhaus ist das schönste aller Wohlfahrtsgebäude von Jerusalem, wo die verschiedensten Nationen und Bekenntnisse in der Errichtung solcher Anstalten mit einander wetteifern. _ Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Julius Wolfs in Berlin ist, 66 Jahre alt, gestorben. — Die Revision des Grafen v. Pückler-Kleintschirne gegen das Urteil, das ihm eine Strafe von 300 M. auferlegte, ist vom Reichsgericht abgewiesen worden. — Rechtsanwalt Ludwig Simonson in Kopenhagen ist in den dänischen Staatsrat berufen worden. Vakanzen. Aumund-Vegesack. Sem. geb. Rel.-L., K., Sch., 1600 M. Geh., 200 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Crainfeld (Hessen). Rel.-L., K., Sch. (ledig), 700—800 M. Geh., 400—500 M. Nebeneink. Meld. an Herrn N. Heß. — Mehlsack. Rel.-L., K., Sch., 900 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Herrn M. Lewinnek. — Frankfurt a. O. Hospitalaufseher (Ehepaar), 800 M. Geh., fr. W., Heiz., Bel. Meld. an Vorst. — Hechtsheim. Sem. geb. Lehrer, K., Sch. (ledig), 1200—1300 M. Eink. Meld. an Herrn Moses Kapp. — Johannesburg in Transvaal. Rabbiner (orth.), 20 400 M. Geh. und fr. W. Meld. an Herausgeber der „Jewish World" in London E. C., Chiswell Street 90. — Witzenhausen (Hessen-Nassau). Sem. geb. Lehrer und K., 1200 M. Anfangsgeh. und fr. W. Meld. an Vorst. — Trebur. Rel.-L., K., Sch., 650 M. Geh., 500 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Vorst. Feuilleton. Spinne» und Fliegen. Kulturhistorische Erzählung von Gregorij Bogrow. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Wenn der Freund des Pan Wirginski einen Schießturm gebaut, wenn Pan Wirginski bei ihm gespeist, wenn Herr Wirginski den Turm bestiegen hätte und wenn ich gehängt worden wäre. Da nun keine Freunde und kein Turm, kein Pferd und kein Durnjewitsch da waren, so sind wir Gottlob wohl und gesund geblieben bis aus den heutigen Tag." Das Geschwätz des Narren ries betäubendes Gelächter hervor. Pan Wirginski war rasend. „Wie, du glaubst dich über mich lustig machen zu dürfen?! Warte, ich will dir's anstreichen!" Und der dicke Wirginski, der sich kaum auf den Füßen halten konnte, streckte die Hand nach dem Narren aus, aber dieser wich ihm behend aus und lies an das entgegengesetzte Ende des Balkons. * * * „Ai, ai, seht doch, seht!" krähte plötzlich der Narr, die lächerlichsten Grimassen schneidend. „Ein teurer Gast erweist uns die Ehre! Vivat hoch!" Die ganze Gesellschaft sah nach der vom Narren angedeuteten Richtung und allgemeines Gelächter folgte. In der Nähe des Parks tauchte die Gestalt eines ungemein komisch aussehenden Juden aus. Den Raum zwischen sich und dem Balkon musternd und einen Moment abpassend, wo keine Haiduken in der Nähe sich befanden, schürzte er fieberhaft seinen schäbigen Kaftan hoch und setzte sich, seinen langen magern Hals vorstreckend, in Bewegung. Vor dem Balkon warf er sich aus die Knie, nahm aber einen so ungeschickten Anlaus, daß er der ganzen Länge nach hinfiel. „Was bedeutet das? Wer bist du?" donnerte Potocki den Juden an. „Ich . . . ich . . ." stotterte dieser, dem es inzwischen gelungen war, sich auszurichten und regelrecht niederzuknien. Allein seine Stimme versagte. Nur seine Lippen bewegten sich. „Jesus, Maria, das ist ja ein Wahnsinniger!" rief Panna Oda, entsetzt zucückfahrend. Und in der That, das Aussehen des Juden war grauenerregend. Im Gesicht kein Tropfen Blut, die Augen blutunterlaufen, die fieberhaften Bewegungen, die Lippen blau, der Bart und die Peies zerzaust, die Kleider beschmiert und zersetzt. „Wer bist du?" wiederholte Potocki seine Frage. „Ich . ich bin Zodek!" „Hat sich korrekt vorgestellt," witzelte Bolepolski. „Er ist, wie ihr einzusehen geruhen möget, Zodek, Zodek in eigener Person." „Wer bist du, Hundsfott!" srug Potocki zum dritten Mal. „Ich bin der Rendar." „Was willst du?" „Erlauchter Herr!" sagte schließlich der Jude schluchzend, „man hat meine Frau geschlachtet, meine Kinder und mich . „Es ist schön von ihm, daß er uns die Ehre erwiesen hat, obwohl er geschlachtet worden ist!" bemerkte Bolepolski. „Erkläre dich deutlich, räudiger Hund!" „Erlauchtester! Pan Woickowski hat angezündet die Lichte . . . Ich Hab immer getragen die Gulden ... Er hat mir die Schenke genommen ... Er hat meine Frau und meine Kinder und mich geschlachtet . . ." „Der Teufel soll aus diesem Blödsinn klug werden!" „Laß doch Woickowski rufen — das ist ja wohl dein neuer Verwalter — er wird uns Aufschluß geben, um was es sich hier handelt", riet Bolepolski. „Hast Recht. Haiduken! Woickowski soll sofort Herkommen!" „Erlauchtester . . begann der Jude wieder. „Schweig!" donnerte Potocki, mit dem Fuß stampfend. Der Jude erbebte am ganzen Leibe, biß sich auf die Zunge und sank in sich zusammen. „Woickowski", srug Potocki den sich tief verneigenden Verwalter, „dieser Jude beklagt sich, daß du seine Frau geschlachtet hast, seine Kinder . . ." „Und ihn selbst", fügte Bolepolski lachend hinzu. „Was soll das bedeuten?" schloß Potocki lächelnd.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.