Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 125 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8. Israelitische Wochenschrift. Seite 126. Wochenschrift, Zeitung des Judentums, Israelitisches Familien- « blatt, Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus und Israelit. — Am Sabbat Chanuka beschloß der Israelitische Frauenverein zu Hoppstädten, anläßlich der Chanukaseier des Literarischen Vereins der Synagoge neue Gaskronen zu schenken. — In Oberstein fand Neuwahl im Israelitischen Frauenverein statt. Es wurde die langjährig bewährte Vorsteherin Frau Samuel Neuhäuser-Jdar wieder¬ und Frau Louis Liesmann neu gewählt. Basel, 16. Februar. (Aus der jüdischen Gemeinde.) In der letzten Generalversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde, die im Ganzen 2000 Seelen umfaßt, war der Antrag gestellt worden, für die hohen Feiertage einen Reformgottesdienst zu veranstalten und dafür die Summe von 10 000 Francs auszuwersen. Dieser Antrag ist mit Zweidrittel-Majorität abgewiesen worden. — Den fortgesetzten Bemühungen ist es endlich gelungen, die Konzession zur Anlage eines jüdischen Friedhofs in Basel zu erhalten. Bisher haben die Basler Juden ihre Toten in Hegenheim im Elsaß bestatten müssen. London, 16. Februar. (Einwanderungsgesetz.) In der kürzlich stattgesundenen Versammlung der British Brothers League hatte der Abgeordnete Henry Norman zu Gunsten eines Einwanderungsgesetzes gesprochen und in seiner Rede die Gegner eines solchen Gesetzes aufgesordert, ihre Gegengründe geltend zu machen. Darauf hat Herr I. de Haas als Vorsitzender des noch ziemlich jungen jüdischen Vereins der „Hasmonäer" Herrn Henry Norman aufgesordert, am 23. d. M. in diesem Verein einen Vortrag über die Einwanderungsfrage zu halten und in der darausfolgenden Diskussion die Gründe seiner Gegner anzuhören. In einem sehr artigen Brief lehnt der Abgeordnete die Einladung mit der Erklärung ab, daß er an dem betreffenden Abend nicht in London sein wird und sagt dann u. A.: „Die Thatsache, daß die Einladung von einem jüdischen Verein ausgeht, beweist mir, daß Sie annehmen, ich sehe die „Fremden"-Frage als eine „Juden"-Frage an. Dies habe ich nie gethan und ich werde auch nie etwas thun, das diese Auffassung rechtfertigt. Mir bedeutet die Fremdensrage nur eine volkswirtschaftliche und soziale Frage. Ich habe den größtmöglichen Widerwillen gegen alles, das einer antijüdischen Bewegung ähnlich sieht, und ich würde die Entstehung einer solchen Bewegung als ein großes Unglück und als eine beklagenswerte Abtrünnigkeit erachten von der bewährten Haltung Britanniens gegen andere Völker und Glaubensbekenntnisse. Ich bin ein aufrichtiger großer Verehrer der großen Vorzüge der jüdischen Rasse. Ich bin glücklich, sagen zu können, daß ich viele jüdische Freunde besitze. Ich bin auch schon in der Lage gewesen, unglücklichen verfolgten Juden Beistand leisten zu können, und deren Familien haben mir die schönste Dankbarkeit erwiesen. Nichts würde ich für ein größeres Unglück ansehen, als eine antisemitische Bewegung in unserem Land". Herr Henry Norman ittet den Adressaten, diesen Brief zu veröffentlichen, damit kein Mißverständnis über seine Beweggründe in der Fremdenfrage Platz greife. Petersburg, 14. Februar. (Jüdische Schule im Kaukasus.) In den Provinzen Tiflis und Kutais im Kaukasus leben viele Juden, die nur der georgischen Sprache mächtig sind. Von diesen Juden haben sich nun einzelne an den „Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Rußlands" mit der Bitte gewendet, für ihre Kinder in Kutais eine Schule zu errichten. Der Inspektor der staatlichen Elementarschulen hat sich inzwischen ebenfalls für den Unterricht der jüdischen Kinder interessiert und hat in der Nähe der jüdischen Ansiedelung Santreli eine Schule für 100 jüdische Kinder eingerichtet, deren hebräischer und Religions-Unterricht vom Oberrabbiner geleitet wird. Newyork, 10. Februar. (Ein merkwürdiger Vorschlag.) In der letzten Jahressitzung der „Jüdischen Technischen Schule für Mädchen", die vom Bereinsvorstand, den Leitern und Gönnern der Anstalt besucht war, machte der Vorsitzende des Vereins, Nathaniel Myers, den Vorschlag, das Wort „Jüdisch" sollte künftig aus dem Namen der Schule resp. des sie begründenden Vereins fortgelassen werden. Er motivierte seinen Antrag mit der Thatsache, daß auch nichtjüdische Zöglinge in der Anstalt Aufnahme finden und in Zukunft in noch weiterem Maß finden sollen. Juden haben das zur Errichtung dieser Schule erforderliche Geld gespendet, und die Absicht der Begründer ging dahin, daß die Schule in erster Reihe die Interessen der jüdischen Arbeiterinnen fördern sollte. Von uns Juden wird verlangt, daß wir zunächst selbst für unsere Armen eintreten, denn wenn wir nichts thun, werden andere es natürlich auch nicht wollen. Das schließt selbstverständlich nicht aus, daß wir auch nichtjüdische Arme unterstützen und in unsere Institute ausnehmen. Glücklicherweise hat die Generalversammlung der „Jüdischen Technischen Schule" den Antrag ihres Vorsitzenden nicht angenommen, und es bleibt beim Alten. Jerusalem, 4. Februar. (Das neue jüdische Krankenhaus.) Das vor einigen Tagen eröffnete neue jüdische Krankenhaus ist das vierte in Jerusalem. Das Rothschild-, das Bikur - Cholim - und das Misgab - Ladach - Krankenhaus haben bisher den Anforderungen nicht genügt, da das hiesige Klima, besonders die unzureichende Wasserversorgung, die Entwickelung gewisser Krankheiten begünstigt. Das neue Krankenhaus, für 60 Patienten vorgesehen, konnte vorerst nur mit 20 Patienten — Frauen und Kindern — belegt werden, weil die knappen Geldmittel noch nicht für 60 Kranke ausreichen. Das Gebäude ist ziemlich entfernt vom Judenviertel, aber in sehr günstiger hygienischer Lage an der Straße nach Jaffa errichtet und hat ein Areal von 10 000 Quadratmeter. Das Erdgeschoß des schönen Baus ist für die Synagoge, die ärztlichen Konsultationszimmer, Apotheke und Küchenräume verwendet, weil in dem hiesigen Malaria-Klima das Schlafen zu ebener Erde ungesund ist. Die Krankenzimmer, groß und lustig, liegen im ersten Stock, es sind Säle zu sechs, zu vier und zu drei Betten eingerichtet; der westliche Teil des Hauses ist für Frauen, der östliche für Männer, der mittlere für Kinder bestimmt. Das ganze Gebäude ist unterkellert, sämtliche Kellerwände asphaltiert, um das Durchdringen der Feuchtigkeit zu verhindern. In dieser Hinsicht ist überhaupt das Mögliche geschehen; alles, was die neueren Erfahrungen an hygienischen Vorkehrungen gutgeheißen haben, ist hier eingesührt worden. Die Synagoge, die die Mitte des Erd-