Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 124 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 124. Israelitische Wochenschrift. Nr. 8. P. Königsberg i. Pr., 16. Februar. (Verein jüdischer Lehrer und Lehrerinnen.) Der Verein jüdischer Lehrer und Lehrerinnen hier hielt am 10. Februar seine erste ordentliche Versammlung unter Beteiligung aller Mitglieder ab. Der Vorsitzende Herr Rabbiner Dr. Vogelstein eröffnete die Sitzung mit einer ausführlichen Besprechung der Ziele und Zwecke des neuen Vereins, der bestimmt ist, sowohl den praktischen Aufgaben der jüdischen Schule wie der wissenschaftlichen Fortbildung seiner Mitglieder zu dienen. — Die Versammlung vereinbarte die Arbeitsthätigkeit des Vereins und erledigte einige sonstige geschäftliche Angelegenheiten. Es wurde die Einrichtung einer Journalmappe mit pädagogischen und jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften beschlossen. — Nach Erledigung des geschäftlichen Teils referierte Herr Peritz über den Hamburger Lehrer-Verbandstag. Redner rühmt den im ganzen harmonischen Verlauf der Tagung und die liebenswürdige Gastfreundschaft der Hamburger Kollegen, bedauert aber, daß die Verhandlungen selbst nur einen so geringen positiven Ertrag geliefert haben. Viele der zur Entscheidung gestellten Aufgaben waren weder durch Behandlung in den Vereinsversammlungen noch ourch Besprechung in den jüdischen Blättern genügend vorbereitet gewesen. Die Delegierten-Versammlung griff deshalb öfter als sonst notwendig gewesen wäre zu dem in solchen Fällen bequemen, aber praktisch wenig bedeutsamen Auskunstsmittel der Kommissionsverweisung. Der Verband müßte notwendig danach streben, praktisch leistungsfähiger zu werden. — In der folgenden Debatte wurde besonders das Rechtsverhältnis des Verbands zur Verbands- Pensionskasse und die beabsichtigte Einrichtung einer Kantoren- Sektion innerhalb des Verbandes ausführlich besprochen. Das Kuratorium wurde als reine Verwaltungsbehörde des Verbands bezeichnet, die der Kompetenz der Delegierten-Versammlung und des Verbands-Vorstands untersteht. In Sachen der Kantoren-Sektion wurde bedauert, daß die bezügl. Vorkehrungen nicht lebhafter betrieben würden, da von anderer Seite im entgegegesetzten Sinn gearbeitet werde. — Für die nächste Vereinssitzung am 27. Februar wurde folgende Tagesordnung festgesetzt: l. Herr Rabbiner Dr. Perles „Harnacks Auffassung vom Judentum", 2. Herr Samuel „Zur Methodik des biblischen Geschichts-Unterrichts". Hamburg, 16. Februar. (Vom Israelitischen Gern einschastshe im.) Im Israelitischen Gemeinschaftsheim (Toynbcehalle) wurden vom Eröffnungstag, d. i. vom 26. Oktober v. I. bis zum 4. Februar d. I. an 27 Abenden Vorträge gehalten und Vorlesungen geboten. An jedem Abend fanden musikalische Vorträge statt, woran sich viele Künstler ersten Ranges beteiligten. Im Ganzen waren es 80 verschiedene Mitwirkende, die durch Vorträge, Rezitationen und musikalische Leistungen sich in den Dienst der Sache stellten. In der Lesehalle liegen 30 jüdische in deutscher, französischer, englischer, holländischer, polnischer, hebräischer Sprache und im Jargon geschriebene Zeitungen aus. Die Lesehalle ist Sonntags von 10—12 Uhr, Montags, Mittwochs und Donnerstags von 8—10 Uhr abends, Samstags von 12 bis 2 Uhr geöffnet. Die Beaufsichtigung der Lesehalle wird von einer Anzahl Herren durchgesührt. Fürstentum Birkenfeld, 16. Februar. (Kaisers Geburtstag.) Aus Anordnung des Großherzoglichen Landrabbiners Herrn Dr. Lewit fand am 25. Januar in allen Synagogen des Fürstentums zum Sabbat-Hauptgottesdienst eine besondere Andacht anläßlich des bevorstehenden Kaisergeburtstags statt. Ferner wurde am Abend in den hiesigen Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur Vortrag gehalten, verbunden mit Kaisergeburtstagsseier. In dem Verein zu Oberstein hielt Herr Landrabbiner Dr. Lewit einen Vortrag über die Poesie der Bibel, zu dem auch viele nichtjüdische Zuhörer aus eigenem Antrieb gekommen waren. In Hoppstädten sprach Herr Lehrer Eppstein über „Weltbürgertum" und in Sötern Herr Lehrer Baum über „Vaterlandsliebe". — In diesem Winter wurden auf Anregung des Herrn Landrabbiner Dr. Lewit im Fürstentum drei Vereine für jüdische Geschichte und Literatur gegründet, die sämtlich recht gut blühen und gedeihen. In Hoppstädten wurde der Verein am 26. Oktober gegründet; er zählt 60 Mitglieder; der Vorstand besteht aus den Herren Landrabbiner Dr. Lewit (Vorsitzender), Lehrer Eppstein (2. Vorsitzender), Leopold Kronenberger II, Sigmund Weil, Aron Kronenberger, Henri Michel-Birkenseld-Neubrücke, Lehrer Katz-Bosen, S. Mendel-Gonnesweiler. Folgende Vorträge sind gehalten worden: 1) Landrabbiner Dr. Lewit: Der erziehliche Einfluß im Judentum, 2) Lehrer Baum-Sötern: Ein Gang durch die jüdische Geschichte, 3) Lehrer Eppstein (16. November): Vortrag aus der Oldenburgischen Geschichte (am Geburtstag Sr. König!. Hoheit des Großherzogs), 4) Lehrer Eppstein: Zukunftsbilder (Chanukafeier), 4) Bankier Lazarus Kronenberger-Mainz: Die jüdische Frau, 6) Rabbiner Dr. Tawrogi-Kreuznach: Goethe und die Juden. — Der Verein hält regelmäßig jeden Samstag Abend Versammlung ab, wo teils Vorträge, teils Diskussionen und Vorlesungen gehalten werden. Zu den Vorträgen kommen Zuhörer aus allen Gemeinden des Fürstentums. Am Chanukasest veranstaltete der Verein eine besondere Feier für alle jüdischen Schulkinder des Fürstentums, verbunden mit Jugendgottesdienst und Predigt. — In Oberstein wurde der Verein am 7. Dezember (Sabbat Chanuka) bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier der neuen Synagoge gegründet. Er zählt 40 Mitglieder; zum Vorstand gehören die Herren Landrabbiner Dr. Lewit (Vorsitzender), Elias Neuhäuser (2. Vorsitzender), Oskar Stern, Louis Liefmann, S. Weingarten, Julius Wolff, Max Aronheim-Jdar, Nathan Baer-Jdar. Folgende Vorträge sind von Herrn Landrabbiner Dr. Lewit gehalten worden: 1) Das Erziehungsprinzip im Judentum und seine Bethätigung, 2) Was verleiht der lyrischen Poesie der Bibel die unvergängliche Anziehungskraft auf jedes empfängliche Herz? — In Soetern wurde der Verein am 4. Januar gegründet. Er besteht aus 40 Mitgliedern, zum Vorstand gehören: Landrabbiner Dr. Lewit (Ehrenpräsident), Lehrer Baum (Vorsitzender), Jsak Sender (2. Vorsitzender), Hermann Hirsch, Emil Kahn, David Sender, Jakob Wolff. Folgende Vorträge find gehalten worden: 1) Landrabbiner Dr. Lewit: Die Entwickelung der schriftlichen und mündlichen Lehre im Judentum, 2) Lehrer Katz-Ostweiler: Heinrich Heine. — Alle Vereine bieten auch Gelegenheit zu edler Geselligkeit. Es werden in jedem Verein fünf Zeitschriften gehalten, nämlich: Israelitische