Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 123 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8 Israelitische Wochenschrift. Seite 123 Goldberg und Hans Weinberg ausgesührtes Solo-Quartett enthält. Frau Emilie Herzog vom Opernhaus sang eine Arie aus „Samson" von Händel und das Schubert'sche Lied „Die Allmacht"; ihre wunderbar reine, klare Stimme brachte die Gesänge zu herrlichster Wirkung. Frl. Alexander trug das Frank'sche Lied „Sei nur still" mit innigem Ausdruck vor und sang mit den Damen Vera Goldberg und Betsy Schot das prächtige Terzett aus dem Elias: „Hebe deine Augen aus". Der Kgl. Hofopernsänger Rudolph Berger brachte zwei Gesänge, der Cellist Willy Benda zwei Cellopieeen zum Vortrag, und die Herren Organisten Deckert und Rabe machten sich durch ihre schönen Orgelvorträge und ihre seine und diskrete Orgelbegleitung um den Erfolg des Konzerts verdient, das von dem zahlreich erschienenen Publikum mit stillem und aufrichtigem Beifall ausgenommen wurde. Ar. 8. Berlin, 16. Februar. (Turnverein Bar Kochba.) Heute Nachmittag hatte der Jüdische Turnverein Bar Kochba ein Schauturnen seiner Männer- und Damen-Abteilung veranstaltet, um der Oeffentlichkeit das bisher Erreichte vorzusühren. Der Erfolg war ein sehr guter. Die Turnhalle des Werderschen Gymnasiums in der Dorotheenstraße, in der das Turnen stattsand, war so überfüllt, daß nur mit Mühe der Raum für die Uebungen frei gehalten werden konnte. Zuerst zeigte die Damen-Abteilung ihr Können. Unter Leitung der Turnlehrerin Frl. Fränkel erfolgte der Einmarsch mit Spiralwindungen, denen sich Keulenübungen anschlossen, die recht frisch und gut ausgeführt wurden. Dann kam ein Reigen mit Musik, ferner Riegenturnen am Schrägbrett, Barren und Rundlaus, bei denen allen die Exaktheit der Ausführung wohlthuend bemerkt wurde. Dem Turnen der Damen folgte das der Männer-Abteilung, geleitet von dem 1. Turnwart Blum. In strammem Schritt, aber vielleicht etwas zu schnellem Tempo erfolgte mit Schrägdurchzügen der Aufmarsch zu den Stabübungen, bei denen sich recht guter Wille zeigte. In begrüßenden Worten wies dann der Vereins-Vorsitzende Herr Dr. Ernst Tuch auf die Bestrebungen des „Bar Kochba" hin, der es sich zur Ausgabe gestellt habe, die körperlichen Fähigkeiten der jüdischen Jugend zu stärken. Er berührte auch die von uns unlängst besprochenen antisemitischen Vorgänge in der Deutschen Turnerschast und forderte zum Beitritt in den Verein und zu dessen Unterstützung auf. Das sich anschließende Riegenturnen zeigte recht ansehnliche Leistungen, besonders die Reckriege unter Vorturner Sommerfeld und die am Doppelbock, bei der Richard Genserowski auffiel, fanden wohlverdienten Beifall, der auch der Reck-Musterriege reichlich zu Teil wurde. Kürturnen und ein recht lustiges Tauziehen schlossen die turnerische Veranstaltung, mit deren Verlauf und Erfolg der Verein wohl zufrieden sein kann. Berlin, 18. Januar. („Jungjüdische Abende".) Jungjüdische (literarisch-künstlerische) Abende beabsichtigt ein Komitee zu veranstalten, an dessen Spitze die Schriftsteller Berthold Feiwel, Leo Motzkin, Davis Trietsch und die Maler E. M. Lilien und Hermann Struck stehen. In einer Reihe von Veranstaltungen soll ein möglichst anschauliches Bild der jüdischen Dichtung und der bildenden Künste gegeben werden, soweit sie sich in den letzten Jahren unter dem Einfluß des neuerwachenden jüdischen Geistes entwickelt haben. Der erste Abend, der am nächsten Dienstag,^den 25. Februar, im großen Saal des Architektenhauses,^ Wilhelmstraße, stattfindet, wird im Wesentlichen literarisch-musikalisches Gepräge tragen« Moris Rosenfeld wird als Hauptrepräsentant der modernen Jargon-Literatur zu Wort kommen. Im zweiten Teil wird das jüdische Volkslied in Originalmelodien zur .Vorführung gelangen. Eine kurze Erläuterung wird zu den Darbietungen eine hinreichende Erklärung geben. Die Karten zu dem Abend, an dem unter andern der Rezitator Marzell Salzer Rosenfeld'sche Gedichte vortragen wird, sind in der Musikalienhandlung von Bote & Bock, Leipzigerstraße 87, zu haben. Berlin, 17. Februar. (Hachnassath Orchim.) Der Verein „Hachnassath Orchim", der sich zur Ausgabe gestellt hat, armen Durchreisenden wenigstens am Sabbat eine streng rituelle Verpflegung zu gewähren, versendet seinen Jahresbericht für das Jahr 1901. Es wurden in dem Berichtsjahr etwa 1500 Mahlzeiten verteilt, das sind wöchentlich gegen 30. Die höchsten Besuchsziffern zeigten die Monate Mai und September, die niedrigsten Januar und Oktober, was interessante Rückschlüsse auf die „Reiselust" unserer Glaubensbrüder zuläßt, die zum Verlassen der Heimat gezwungen sind. Der Verein, der im Jahr 1898 begründet^wurde, bewegt sich in ausfteigender Linie. Während im ersten Jahr wöchentlich nur 16 Mahlzeiten verteilt wurden, stieg die Zahl, wie bemerkt, aus 28 im vergangenen Jahr. Die Anforderungen an ihn werden von Jahr zu Jahr größer, die Beschaffung der hierzu erforderlichen Mittel immer schwieriger, und darum ergeht an alle unsere Glaubensgenossen die dringende Bitte, sich dem Verein als Mitglied anzuschließen. Giebt es doch kaum eine bessere Gelegenheit, die armen Unglücklichen, die sich während der ganzen Woche als ausgeschlossen von denMenschheit fühlen, den Sabbat festlich begehen zu lassen, als indem man ihnen in einem gemütlichen Heim die Sorge für des Tages Notdurft abnimmt. Stettin, 16. Februar. (Hilssverein der Deutschen Juden.) Hier fand am vorigen Donnerstag eine Versammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, der Herr Rabbiner Dr. Vogelstein präsidierte. Herr James Simon aus Berlin erläuterte in einem lichtvollen Vortrag die Entstehungsgeschichte des Vereins, gab einen Ueberblick über die Thätigkeit der Alliance Jsraelite Universelle und deren Entwicklung und besprach die Ausgaben, die sich der neue Verein gestellt hat, und die er im besten Einvernehmen mit der Alliance zu erreichen hofft. Herr Berzel machte dann nähere Angaben über die nächste Aufgabe des Vereins, das galizische Hilsswerk. In der Diskussion äußerte Herr Gotthold Levy, der Stettiner Vertreter der Alliance, gewisse Bedenken gegen den neuen Verein vom Standpunkt der Alliance aus, erklärte sich aber durch die weiteren Ausführungen des Herrn Simon für befriedigt. Es wurde dieselbe Resolution wie in Danzig angenommen. Alsdann traten fast alle anwesenden Herren dem Verein bei, konstituierten sich als Lokalkomitee Stettin und wählten in den Vorstand dieses ^Lokalkomitees die Herren Rabbiner Dr. Vogelstein, Rechtsanwalt Dr. Mann, Moritz Moses, Dr. Lewin, Gotthold Levy mit Kooptationsrecht. Alle Gewählten nahmen die Wahl an.