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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-21 · 8 (21.2.1902) · p. Seite 117

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Israelitische Wochenschrift. Seite 117. barkeit aller Glaubensgenossen sichert. Die Gotha-Loge gestattet sich, Ihnen den tiefsten Dank für Ihr mannhaftes Eintreten für unsere heiligsten Gefühle auszusprechen." Der israelitische Humanitäts-Verein „Moravia" in Brünn äußert sich in folgender Weise: „Dank, herzlichsten Dank für Ihren mit warmem Herzen geschriebenen offenen Brief. Nicht allein Ihr reiches Wissen, nicht allein Ihren Geist, der durchtränkt ist von der Ethik des Judentums, Ihre ganze lautere, starke Persönlichkeit, nach Goethe das höchste Glück der Erdenkinder, haben Sie eingesetzt, um den thörichten, böswilligen Vorwurf des Ritualmords von unserer Religion abzuwälzen." Ein ausgezeichneter Gelehrter, Universitäts-Professor in Berlin, schreibt: „Mit lebhafter Teilnahme und herzlicher Bewunderung habe ich die innig empfundene und in edelster Weise formulierte Verteidigung der Ethik unseres Glaubens gelesen. Empfangen Sie für Ihr mutiges und beredtes Streiten für Wahrheit und Recht den Ausdruck meines innigsten Dankes, den jeder Jude Ihnen schuldet." Ein hervorragender Arzt, Geheimer Sanitätsrat in Berlin, richtet an den Verfasser folgende Zuschrift: „Dem schon längst allgemein schmerzlich empfundenen Ausbleiben einer kompetenten Zurückweisung.jener schandbaren Verleumdungen haben Sie ein Ende bereitet, und wird diese That bei allen redlichen Männern des deutschen Vaterlandes Ihnen unvergessen bleiben." Schließlich aus den zahlreichen Schriftstücken noch die innigen Worte eines alten emeritierten Lehrers aus Hessen. Er schreibt: „Das waren flammende, gottbegeisterte Worte, die ich eben gelesen habe, die das Herz erzittern, aber freudig erzittern machen, denn jedes dieser Worte ist heilig! Möge der Erfolg ein gottgesegneter sein!" Ein weiterer Kommentar zu diesen Kundgebungen ist überflüssig. Die Sache spricht für sich selbst. Eins aber thut not. Die Schrift des Dr. Münz muß durch Massenverbreitung in die weitesten christlichen Kreise hinausgetragen werden, damit die Geister aufgeklärt und erleuchtet werden und die schmähliche Blutlüge endlich einmal ausgerottet wird. Wir weisen noch darauf hin, daß die Broschüre des Dr. Münz über „Ritualmord und Eid" in neuer Auflage (fünftes bis zehntes Tausend) erschienen und von Neumann's Stadtbuchdruckerei in Gleiwitz zu beziehen ist. Preis eines Exemplares 5 Pfennig, 10 Exemplare 35 Pfennig. Die Wohnungsnot im Kondom Ostend. Die Wohnungsnot im Londoner Ostend, deren von allen Seiten anerkannte Unzuträglichkeiten sich in den letzten Jahren ganz besonders störend erwiesen haben, ist in der Hauptsache nicht aus den starken Fremdenzuzug zurückzuführen. Das Ostend ist infolge seiner starken Bevölkerung ein lebhaftes Geschästsviertel geworden, und hier, wie in jeder anderen großen Stadt, hat sich in jüngster Zeit die Praxis herausgebildet, die Verkaufsläden nicht im Erdgeschoß von Privatgebäuden unterzubringen, sondern fie in großen Geschäfts-! Häusern zu konzentrieren. Nach genauen statistischen Quellen ist nachgewiesen, daß in wenigen Jahren im Ostend 962 Häuser abgerissen worden sind, um den Neubauten großer Geschästs- und Warenhäuser, öffentlicher Gebäude u. s. w. Platz zu machen. Bei der sehr niedrigen Veranschlagung von 6 Personen auf je ein Haus sind allein durch diese Umbauten 5772 Einwohner aus dem Ostend verdrängt worden. Da die Bewohner eines bestimmten Viertels sich erfahrungsgemäß nur schwer entschließen, in einen anderen Stadtteil zu ziehen, so war Zusammendrängung der Mieter und Steigerung der Wohnungsmieten eine natürliche Folge der teilweise» Demolierung des Oftends. Außerdem hat der Bau der verschiedenen Bureaus und Geschäftshäuser eine große Anzahl neuer Mieter ins Ostend geführt, die vorher in anderen Distrikten gewohnt hatten. Die Whitechapeland Bow- Eisenbahngesellschaft hat Depots und Verwaltungsbureaus aus dem Grund und Boden von 103 abgerissenen Häusern angelegt; zur Vergrößerung des London-Hospitals hat der Bauplatz von 37 Häusern hergegeben werden müssen. Warenhäuser und städtische Verwaltungsgebäude haben zusammen 221 Wohnhäuser verdrängt, ein einziges Theeverkaufshaus nimmt den Raum von 10 ehemaligen Häusern ein. 30 Häuser sind dem Brauereibetrieb von Mann, Croßmann und Paulin zum Opfer gefallen, eine Waschanstalt schließt den Raum von sieben Wohnhäusern ein. und zwei städtische Schulen stehen aus dem Platz, den vorher 34 Häuser eingenommen hatten. Der Grund und Boden von 53 der abgerissenen Häuser ist noch unbebaut. Die Whitechapel- und Bow-Etsenbahn-Gesellschaft hat aus ihrem Areal Arbeiterhäuser für fünfzig Familien errichtet, aber es ist nachweislich keiner von den aus den früheren Häusern verdrängten Mieter dort untergekommen, sondern nur aus andern Stadtteilen hierher übersiedelte Arbeiter. In Charlottes Court und Fieldgate sind 60 Häuser abgetragen und an ihrer Stelle ein großes Mietshaus, ein sogenanntes „Rowton House" aufgebaut worden. Aber die Wohnungen der „Rowton"-Häuser sind nur für Junggesellen eingerichtet, und nur Junggesellen dürfen darin Ausnahme finden, während die Wohnungsnot hauptsächlich die Familien trifft. Daß die oben erwähnte Schätzung der Einwohner auf 6 für jedes Haus eine sehr niedrige ist, mag aus folgenden amtlichen Feststellungen erhellen. Danach giebt es im Stepney- Distrikt 4273 Zimmer, die von je zwei Personen bewohnt werden; 2879Zimmer mit je drei Einwohnern; in 1734Zimmern wohnen je vier und in 824 Zimmern je fünf Personen. Nach demselben amtlichen Bericht ist in den letzten zehn Jahren — also gerade in der Zeit, da der Fremdenzufluß besonders stark gewesen —, die Zahl der aus nur einem Raum bestehenden Familienwohnungen sehr zurückgegangen, sie beträgt rund 21 Prozent. Im Allgemeinen hat sich der Wohlstand der Ostendbezirke erst mit der Zunahme der Einwanderung gehoben; vor 20 Jahren standen in Whitechapel viele Häuser und Läden leer — genau so wie heute im Stadtteil Shadwell, der von dem Strom der Einwanderung bisher noch unberührt geblieben ist.

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