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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. Seite 111

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
Seite 111 (sequence 24)
Language
German
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Nr. 7 Israelitische Wochenschrift. Seite 111. an Herrn M. Brilles. — Witzenhausen, Hessen-Nassau. Sem. geb. Lehrer, K., 1200 M. Anfangsgeh., fr. W. Meld. an Vorst. — Prichsenstadt. Rel.-L., K., Sch, 600 M. Geh., 400 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Marburg. Lehrer und 2. K. (ledig). Meld. an Prov.-Rabb. Herrn Dr. Munk. — Dt.-Krone. K-, Balk., Sch., 1200 M. Geh., 1200 M Nebeneink. Meld. an Herrn Moritz Michaelis. Feuilleton. S|iiuimi imö Fliegen. Kulturhistorische Erzählung von Gregorij Bogrow. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Durnjewitsch machte einen grotesken Sprung und küßte ihn aus die Wange. „Siehst, Kosak, auch mit Narren küß ich mich. Was thust du denn gar so stolz, und woraus? Aus deine Reiterei etwa? Solche Streiche haben wir schon Anno dazumal gemacht. Auch was Besonderes, wenn vier Knechte das gezäumte und gesattelte Pferd halten! Versuchs doch wie ich: — hinter einem wilden Pferd herlaufen, es an die Mähne fassen, sich auf seinen Rücken schwingen, ihm im größten Galopp die Zügel anlegen, es zähmen, dressieren und nach kaum einer halben Stunde aus diesem rasenden, wilden, ungesattelten und ungelehrigen Tier an die Spitze eines Turms reiten — dieses Kunftstückchen zeig, und dann prahle!" „Wann ist denn dir das passiert, mein Lieber?" srug Bolepolski lachend. „Wann? Nu, ich will dirs gleich sagen. Das war.. . um nicht zu lügen ... im Jahre ... ist auch ganz egal. Ich besuchte damals den . . . na, einen meiner Freunde, so wie jetzt. Es wurde gerade ein neuer Schießturm gebaut. Wir aßen und tranken, und da kam die Rede daraus, wer das größte Kunststück auszusühren imstand sei? Natürlich fingen alle an ihre Stückchen zu zeigen. Ich schweige und trinke und lächele und lächele so vor mich hin und trinke. Ihr müßt nämlich wissen, meine Herren, daß ich zu jener Zeit wie ein Kater verliebt war in die liebreizende Panna Kasimira, die Schwester meines Freundes . . . Und wollt ihr wissen, meine Herren, wie Panna Kasimir ausgesehen hat? . . „Halt Wirginskt, zur Sache!" unterbrach Potocki den Ausschneider. „Erregen Sie nicht meine Eifersucht, Pan Wirginski!" flehte Panna^Wanda, ironisch die Hände ringend. „Ach, Ihr göttlicher Kuß brennt noch auf meinen jungfräulichen Lippen!" „Fortsahren, Wirginski, sortfahren!" drang man in ihn von allen Seiten. „Was wollte ich doch nur erzählen . . .?" „Von dem wilden Pferd und dem Schießturm Ihres Freundes." „Richtig. Nun, alle zeigen Kunststücke, ich aber schweige und trinke und schweige. Der Eine schießt nach einer Scheibe und trifft jede Kugel; "ein anderer springt von der Galerie und bleibt, wie eine Katze, auf den Füßen; ein dritter ringt mit einem zahmen Bären. „Und Sie, lieber Wirginski, was werden Sie uns zeigen? srug meine teure Kasimira mit zarter Stimme und sieht mich dabei so an ... so an ... ach!" „Treuloser, schon wieder?!" sagte Wanda aufspringend. „Bitte, ich werde nicht mehr . . . Mein jugendlich Herz entbrannte . . . „He!" ries ich meinem Freund zu, „laß deine Pferde aus den Hof treiben! Ich werde euch ein Kunststück zeigen!" Man brachte sie. Ich sprang von der Galerie, rannte im Flug den Bären um und stürzte mich unter die Pferde. Ich ergriff das unbändigste Tier an der Mähne und schwang mich aus seinen Rücken ... Es rannte hin und her . . . „Nein, Freundchen, du scherzest wohl; von mir kommst du nicht mehr los!" Der Gaul richtet sich — hast du nicht gesehen — aus den Hinterbeinen auf, überschlägt sich . . . Ich merke es und bin im Nu unten ... Er richtet sich aus, und im Nu bin ich wieder oben . . ." „Entsetzlich!" höhnten die Zuhörer. „Lacht nur, lacht. Hättet ihr es gesehen, ihr würdet die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben. Meine Kasimira schrie aus ..." „Die Arme! . . „Jawohl. Sie fiel in Ohnmacht . . ." „Natürlich." „Aber wie auch das Tier wüten und rasen mochte — ich warf ihm die Zügel um und bändigte es." „Aber Pan Wirginski, wo um des Himmels willen hast du Zügel hergenommen? Du wirst dich ja wohl noch erinnern, daß du keine Zügel hattest, als du von der Galerie gesprungen. Oder hast du sie etwa im Flug aus der Bärenhaut geschnitten?!" „Zügel? . . . Sonderbare Frage! Mein Freund hatte deren unzählige!" „Schon gut. Weiter!" „Nun, meine Herren, ich flog aus dem Pferd wohl so an einer guten Stunde durch Wald und Feld, und dann geradeaus aus den Turm — bis an die Spitze. Ich wollte noch weiter . . . sehe mich um . . . um und um Lust ... bei Gott!" Ein schallendes Gelächter begleitete diese Erzählung. „Was wiehert Ihr da?! Glaubt es wohl gar nicht?! Ihr Herren! Ist keiner unter euch, der dazumal mit mir bei meinem Freunde gezecht hat?" „Ich!" meldete sich der Narr. „Ach, du warst da?!" sagte der total betrunkene Wirginskt. „Ich war, bin und werde sein — bei Gott!" „Nun, so erzähle diesen . . . diesen Thoren weiter, mein Lieber." „Darf ich?" srug der Narr den Pan Potocki leise. „Lüge." „Gerade um die Zeit, als der Freund des erlauchten Pan Wirginski jenen hohen Turm baute, diente ich dort . . . Ich war damals noch nicht so gescheidt, um ein Narr zu sein . . . Ich diente dort als — nun ich wurde zu Laufgängen und Amorsgeschästen verwendet . . ." „Und was? unterbrach ihn Bolepolski. „Ist Wirginskt wirklich so hoch hinaufgeritten, daß er nicht mehr weiter konnte?"

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