Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 7 (14.2.1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- Seite 110 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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Seite 110 Israelitische Wochenschrift. Nr. 7. Moskau, 7. F.öruar. (Vom medrzr.. 0 cheri Kongreß.) 'Auf dcm 5^ougrcß ri.ss.scher Aerzte, der kürzlich hier stattgesundcn, fprach einer der Teilnehmer die Hoffnung aus, das Licht der Wahrheit möge bald die Nebel verscheuchen, die in einem Teil des Reiches noch^ herrschen. „Wenn erst die Schranke gefallen sein wird, die die jüdische Bevölkerung noch von der übrigen Welt trennt, wird man auch hier wie in der ganzen Welt sonst finden, daß im jüdischen Volk ein Schatz^von Geiftesgaben und Talenten und vor. Herzensreichtümern schlummert, der, durch die rechten Kanäle geleitet, einen mächtigen guten Einfluß aus die Gesellschaft ausüben muß." Der Kongreß beschloß, eine Petition an die Regierung zu schicken, die die Abschaffung der für den Besuch der Juden an Universitäten geltenden Sondergesetze erbittet. Simferoßol, 6. Februar. (Abschiedsrede des Gouverneurs.) Dem aus seinem Amt scheidenden Gouverneur von Taurien hat eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Abschiedsadreffe überreicht. Der Gouverneur sprach den Herren, an deren Spitze sich der Gcmeinderabbiner A. Perlman befand, in herzlichster Weise seinen Dank aus: „Ich bin Ihnen, meine Herren, sehr dankbar und bin außerordentlich gerührt, daß Sie meiner in so liebenswürdiger Weise gedacht haben. Ich bin vollständig überzeugt, daß die jüdischen Bewohner des Gouvernements Taurien eine Gemeinschaft friedlicher und ehrenhafter Bürger darstellen, die mit aller Kraft bemüht ist, in Frieden und guten Beziehungen mit den Andern zu leben, und die alle ihre Pflichten durch gewissenhafte Führung ihrer Gemeindeangelegenheit aus das genaueste erfüllen. Während meiner Amtsführung als Gouverneur haben sie mir nicht ein einziges Arial Grund zur Unzufriedenheit, nicht einmal zu Mißverständnissen gegeben. Wenn ich hierin alle jüdischen Einwohner der Provinz Taurien einbeziehe, so muß ich noch besonders die Juden in Simftropol hervorheben, die durch ihre Rechtlichkeit, durch ihr exemplarisches Verhalten in öffentlichen Angelegenheiten, durch ihre Bereitwilligkeit bei allen Wohlfahrtsunternehmungen stets den besten Eindruck aus mich gemacht haben. Ich bitte Sie, meine Herren, dies ihren Glaubensgenossen mitzuteilen, und ich bitte Sie auch, mir zu verzeihen, wenn von meiner Seite vielleicht Mißgriffe vorgekommen sind. Ich wiederhole nochmals, daß ich beim Verlassen dieses Gouvernements das beste Andenken an Sie Alle mitnehme, und ich wünsche ihnen guten Erfolg in allen Ihren Unternehmungen." Hongkong, 6. Januar. (Eine jüdische Sekte in China.) Ein hier lebender Europäer hat herausgefunden, daß in unserer Stadt eine jüdische Sekte lebt, die in der Kleidung sich von den Chinesen nicht unterscheidet und von diesen „Wi—Du" genannt wird. Diese Juden sind Abkömmlinge einer vor undenklicher Zeit hier eingewanderten Anzahl von jüdischen Familien. Die zu ihnen gehörenden Frauen zeichnen sich durch Sauberkeit, Fleiß und Tugendhaftigkeit aus. Sie beschäftigen sich mit einfachem und mit Kunst- Handwerk, auch mit Handel. Ihre Umgangssprache ist die spanische, doch werden ihre Kinder in der chinesischen und persischen Sprache unterrichtet. Schulen besitzen diese Juden nicht, jeder Vater unterrichtet seine Kinder selbst. Von jüdischen Riten und Zeremonien hat sich nur der Gebrauch i des Schosar erhalten, der am Neujahrs- und Wochenfeft geblasen wird. Am Sabbat legen diese Juden ihre Festgewänder an, stellen aber ihre Arbeit nicht ein. Polygamie ist bei ihnen ebenso wenig bekannt wie Ehescheidungen, das Familienleben ist ein äußerst friedliches. Im Ganzen sind es fleißige, tugendhafte und hübsche Leute, deren Typus weder chinesisch noch mongolisch, sondern arabisch ist. In welcher Sprache diese Juden ihren Gotlesdienft verrichten, wird nicht erwähnt. Bnenos-Ayres, im Januar. (Von den Hirsch- Kolonien.) Die Getreideernte in den Hirsch-Kolonien ist jetzt in vollem Gang und verspricht ein ganz befriedigendes Resultat, am besten wird es voraussichtlich in Mauricio und Moiseville abschließen. Das Land ist überall in guter Verfassung und die jüdischen Farmen haben bessere Zuversicht gewonnen. Die rumänischen Ansiedler gewöhnen sich leichter als die Russen an die neuen Lebensbedingungen. In Moiseville bereitet man sich zum Empfang von ungefähr neun Familien vor, die sich hier ansiedeln wollen. Entgegen manchen skeptischen Behauptungen darf ganz entschieden festgestellt werden, daß nach den Erfahrungen in den hiesigen Kolonien die Juden sich vortrefflich zum Landbau eignen und daß sie die Landwirtschaft genau so gern erlernen, wie jede andere Industrie, bei der sie in ehrlicher Arbeit ihren Unterhalt verdienen können. Wie hier verlautet, will die I. C. A. demnächst den Versuch machen, in Rio Grande in Brasilien jüdische Kolonien zu begründen. Die dortigen Behörden werden diesen Versuch durch alle möglichen Erleichterungen ermutigen, und da der Boden dort gut und billig und das Klima ein gesundes ist, dürsten die Versuche günstigen Erfolg versprechen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der jüdische Turnverein „Bar Kochba" in Berlin veranstaltet am Sonntag, 16. Februar, nachmittags 3 Uhr, in der Turnhalle des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums sein diesjähriges Schauturnen. Gäste sind willkommen. — In dem Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin, wird am Diensttag, 18. d., abends 9 Uhr, im Hotel König von Portugal, Burgftr. 12, Herr Rabbiner Dr. Weiße einen Vortrag über „ein jüdischer Minister und Gelehrter" halten. — Herr Dr. Heinrich MeyerCohn in Berlin, Inhaber der Firma Meyer Cohn, hat den Kronenorden 4. Klasse erhalten. — Herr Joseph Salomon, einer der Begründer der Borough-Synagoge in London, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. — Dr. Georg Cohn, Professor der Jurisprudenz, ist zum Rektor der Universität ^Zürich gewählt worden. — Die russische Regierung hat den jüdischen Wohlfahrtsinstituten aufgegeben — soweit sie nicht schon amtlich bestätigte Statuten besitzen — innerhalb eines Jahres Statuten auszuarbeiten und der Regierung einzureichen, widrigenfalls ihr Vermögen eingezogen und entsprechenden staatlichen Instituten überwiesen werden soll. Vakanzen. Crainfeld (Hessen). Rel.-L., K., Sch. (ledig), 700—800 M. Geh., 400—600 M. Nebeneink. Meld. an Herrn N. Heß. — Fürstenwalde, Spree. Sem. geb. Kultusb., 1200M. Geh., 300 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an Vorst. — Greifenberg, Posen. Kultusb., 1200 M. Geh., 300 M., Nebeneink. Meld. -