Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 7 (14.2.1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- Seite 112 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 112. Israelitische Wochenschrift. Nr. 7. „Jch'schwör es bei den Bärten und Peies aller Zwantzer Juden, daß er bis an die Turmspitze geritten ist. . . Ja, noch mehr,^erlauchte Herren. Bei dieser Gelegenheit hat mich der ritterliche Pan Wirginski vom Galgen gerettet. Weiß es noch Pam Wirginski?" „Ich hätte dich vom Galgen gerettet?" sagte Wirginski, ihn erstaunt anglotzend. „Ach ja, ja. So etwas ist mir auch dunkel erinnerlich." „Belieben die Herren aufzupassen .. . Pan . . . nun, der Freund des Herrn Wirginski übergab mir zwei billet-doux zur Beförderung an zwei befreundete Pannas. In meiner Dummheit verwechselte ich die Billets, so daß jede Panna das falsche Billet erhielt. Es entstand eine Verwirrung. Mein Pan machte nun kurzen Prozeß. Er ries die Haiduken herbei und befahl ihnen, mich an der Spitze des Turmes aufzuknüpfen ..." „Nun?" „Natürlich haben sie mich aufgeknüpst!" „Und dann?" „Wie ich auch weinen und jammern mochte — sie warfen mir die Schlinge um den Hals. Ich denke, das Ende naht. Und als sie mich hinausgezogen, sah ich mich um, und was sah ich da? ... Nichts! Und, erlauchte Herren, ich schwöre wiederum bei den Bärten und Peies der Zwantzer Juden, daß die einzige glückliche Minute meines Lebens die war, wo ich zwischen Himmel und Erde baumelte . . ." „Wirklich?" „Jawohl. Man nimmt gewöhnlich an, daß der Gehängte nur vor Schmerz mit den Beinen schlage, die Fäuste balle, die Zunge herausstecke . . ." „Was denn sonst?" „Nein, erlauchte Herren. Er thut dies vor Freude über die absolute Freiheit. Und in Anbetracht dieser großen Freude stirbt der Gehängte des schönsten Todes. Ich denke noch daran, als ob es heut wär. Kaum war ich in die Luft geflogen, da war es mir, als wären mir Flügel gewachsen. Es wurde mir so leicht, so wohl um die Brust, daß ich zu tanzen anfing. Aus Uebermut zeigte ich meinem Pan die Zunge und bohrte ihm einen Esel. . . Und als meine Freude einen so hohen Grad erreicht hatte, daß ich schon einzuschlasen gedachte, erschien Pan Wirginski mit seinem wilden Pferd aus der Turmspitze. Das Pferd befand sich plötzlich zwischen meinen Beinen. Ich stemmte mich mit den Füßen und zog den Kops so heftig an, daß die Schlinge platzte und ich aus den Weichteilen des Pferdes hinter Pan Wirginski zu sitzen kam. Vor Schreck sprang das Pferd an die Seite ... es war ein grauenerregender Moment . . . Vor uns ein tiefer Abgrund . . . Und Pan Wirginski, das Pferd und ich, wir wären sicherlich in den Abgrund gestürzt, wenn . . ." _ (Fortsetzung folgt.) Brief- und Fragekasten. Herrn Dr. F. in K. Ich bin ganz Ihrer Meinung. — Herrn Dr. M. in Nürnberg. Ich bitte nochmals um Angabe Ihrer genauen Adresse. — Herrn Dr. A. in Eh. Die Abzüge gehen von der Druckerei aus ab. Der Irrtum war ein Schreib- oder Setzsehler. Ich habe nicht gezweifelt. Gruß. Geschäftliche Mitteilung. Von Hans zu Haus schreibt in Nr. 15, 15. Jahrgang: Neulich klagte mir ein junges Frauchen, daß ihr Mann mit ihrer Küche garnicht recht zufrieden sei und stets behaupte, daß die Saucen fade wären, und die Gemüse noch zu sehr roh und ohne Zubereitung schmeckten. Dies konnte ich wohl begreifen, denn die Dame ist Engländerin, und in England kocht man ja die Gemüse u. s. w. einfach in Salzwasser ab und bringt sie so zu Tisch. Daß dieses dem an gute Kost gewöhnten Eheherrn nicht sonderlich mundete, wird man leicht begreifen, und so riet ich der jungen Frau, Gemüsen, Suppen und Saucen von Fleisch-, Wild- und Geflügelarten ein gewisses Quantum Maggi zuzusetzen, der Geschmack solcher Gerichte würde dadurch bedemend feiner und kräftiger. Das junge Frauchen ließ sich raten, und ' da war ihr auch schon geholfen, mcht nur ihr, sondern auch ihrem strengen Eheherrn, welcher mir gegenüber die Küche seiner Frau recht lobte und die Speisen durchaus nicht mehr nüchtern, simpel und geschmacklos fand. In der That, Maggi ist die edelste Würze und sollte in keiner Speisekammer fehlen. Dieser prächtige Extrakt verleiht den Speisen gleich einen pikanten und doch feinen Geschmack und macht sie nahrhafter und kräftiger. Maggi ist in allen Kolonialwarengeschäften zu haben, das Originalfläschchen kostet 35 Pfg. Wer ein ungläubiger Thomas ist, versuche es erst mit einer Probeflasche. Die Maggi- Würze wird von der Maggi-Gesellschaft in Singen im Großherzogtum Baden hergestellt. Fr. Joh. Ries. NV" Wir bitten unsere werten Abonnenten, sich bei nicht pllnRtlicbcr Lieferung unserer Leitung an ihre Postanstalt zu weiten. ver Verlag aer „Israelitischen Wochenschrift." In Preislagen von Mk. 1.80, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per r/r Ko. Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: I. Burkhardt in Berlin. w G G d wir bitten, W adressiren zu wollen. Die Geschäftsstelle der „Israelitischen Wochenschrift“ befindet sich jetzt Berlin C. >s, Ross-Strasse 3. G alle den geschäftlichen Teil betreffenden Nachrichten gefälligst dorthin Der Verlag der „Israelitischen Wochenschrift' Arthur Scholem. r;?, G G J» Druck und Verlag von Arthur Scholem, Berlin 6., Roßstraßr s.